Zart und doch durchdringend ertönen die ersten Geigenklänge des Klassikers „Am Fenster“ der DDR-Band City. Doch egal, ob man am Mini-Wohnmobil hinten an der Eingangstür steht oder vorn an der Beifahrertür – der Klang bleibt gleich. Doch Lautsprecher sind keine zu sehen. Wer dagegen die Hand an die Karosserie legt, spürt die Vibrationen der Musik. „Wir nutzen die Oberfläche als Lautsprecher“, sagt Jürgen Müller von der Silberform AG, die das Soundsystem derzeit auf der Reise- und Caravaningmesse CMT präsentiert.
Die Silberform AG mit Sitz in Weil der Stadt, deren Gründer und Vorstandsvorsitzender Müller ist, hat sich auf Designaufträge und Prototypen für die Automobilbranche spezialisiert. Das sie nun auf der weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit mit ihrem Highend-Soundsystem vertreten sind, „das liegt eher am Hobby vom Chef“, meint Müller selbstironisch. Er hat bereits mehrere Reisen mit einem selbst umgebauten Unimog unternommen, mal sechs Monate durch Südamerika, mal durch alle arabischen Staaten. Und er liebt Musik.
Konventionelle Lautsprecher strahlen in eine Richtung
Was lag also näher, als die kreativen und technischen Kapazitäten seines Unternehmens auch in diesem Fall einzusetzen. Herausgekommen ist dabei „Silberform Dynamics“, der Werbeslogan lautet „Make sound invisible“. Auf Deutsch bedeutet das: Den Klang unsichtbar machen.
„Wenn man konventionelle Lautsprecher einsetzt, dann strahlt der Klang immer in eine Richtung, man hört, woher die Musik kommt“, erläutert Jürgen Müller. Bewegt man sich dann im Raum, wird der Ton mal leiser, mal lauter. „Im Wohnmobil möchte ich aber, dass der Klang überall gleich ist.“
Erreicht werde das über den Einsatz sogenannter Exciter. Die zu deutsch „Aufreger“ besitzen nicht wie bei herkömmlichen Lautsprechern üblich eine Membran, die vibriert. „Bei uns wird jede Fläche, jedes Möbel zur Membran“, sagt der Silberform-Chef. Entsprechend vibriert die Außenhaut des Wohnmobils. Oder auch die Sitzgruppe im Inneren. Auch im Bett ist unter der Matratze ein Exciter verbaut. „Da hört man durch die Matratze“, erklärt Müller
Große Hersteller rüsten nach
Wo Musik läuft, lässt sich dabei über eine App steuern. Bei größeren Reisemobilen könne man dabei auch Unterschiedliches laufen lassen. „Die Eltern können vorn im Fahrerraum Musik hören und die Kinder hinten ein Hörspiel“, nennt er ein Beispiel. Oder auf dem Campingplatz kann drinnen andere Musik laufen als außen. „Und das auch ohne den Nachbarn zu stören.“
Das Silberform-Soundsystem sei einzigartig auf dem Markt. Verbaut wird es bereits in AMG-Modellen von Mercedes. Da es im Bereich der Reisemobile einen deutlichen Trend zum Luxus gebe, sei das Produkt auch zunehmend interessant für die Hersteller. „Wir bedienen gerade viele Anfragen, etwa von Hymer, Morelo oder Knaus“, berichtet der Silberform-Chef. Letzterer hat auch das Mini-Wohnmobil auf einer VW-Bulli-Basis hergestellt, mit dem Silberform sein Soundsystem auf der CMT präsentiert. Neben Reisemobilen seien auch Yachten ein Zielmarkt. Deshalb ist Silberform auch auf der parallel zur CMT laufenden Wassersportmesse Boot in Düsseldorf vertreten.
Von AMG bis OP-Saal
Zehn Jahre haben Jürgen Müller und seine Mitarbeiter am Klangsystem getüftelt. Mittlerweile ist es serienreif. Und wird nicht nur an Hersteller sondern auch an Einzelkunden verkauft. Material und Einbau in ein Wohnmobil schlagen dabei mit etwa 12 000 Euro zubuche, im VW-Bus California sind es um die 4000 Euro. Wer es selbst verbauen möchte, bekommt 30 Prozent Rabatt.
Weitere Märkte hat Jürgen Müller bereits im Blick: „Das System eignet sich hervorragend für Reinräume und OP-Säle, also alles, wo sich kein Staub ansammeln darf.“ Doch auch in jedem Wohnraum lasse es sich problemlos verwenden, sagt Müller und verweist auf ein Holzschild mit Firmenlogo. Auf der Rückseite ist ein Exciter angebracht, das Holz vibriert und lässt Carlos Santana mit seiner Gitarre erklingen. „Wir haben vier davon in unserer Werkstatt hergestellt. 400 Quadratmeter ist diese groß und war damit voll beschallt“, berichtet der 64-Jährige.