Patricia Pastor sitzt in der lichtdurchfluteten Produktionshalle und fügt einen Steckverbinder in ein Gehäuse aus Kunststoff ein. Es ist ein Abschlussgehäuse, in das die Glasfaserkabel im Hausübergabepunkt eingespeist werden, und eines der Produkte, das die Firma Connect Com in Oberboihingen herstellt. Das Unternehmen gehört zur Connect-Com-Gruppe, die auch noch einen Sitz in der Schweiz hat.
Sie ist in einer florierenden Branche tätig, seit der Breitbandausbau in Deutschland vom Bund und den Bundesländern gefördert wird. „Es gibt aber eine starke Konkurrenz an Wettbewerbern in ganz Europa und teilweise auch in China“, sagt Falco Lehmann, der seit 2020 Geschäftsführer des 2010 in Filderstadt gegründeten Unternehmens ist. Deshalb sei die Firma antizyklisch unterwegs und setze auf „Made in Germany“. 17 Millionen Euro hat sie in den im April neu bezogenen Standort in Oberboihingen investiert. Auf 10 000 Quadratmetern Fläche ist alles in dem dreistöckigen Neubau untergebracht: Forschung, Showroom, Produktion und Lager. Dies war zuvor in Nürtingen und Kirchheim auf drei verschiedene Standorten verteilt.
Fachkräfte dringend gesucht
„Wir sind auf Wachstum ausgelegt“, sagt Lehmann. Für bis zu 200 Mitarbeitende ist in dem neuen Gebäude Platz; derzeit sind es 94, doch bis Ende des Jahres würde der Geschäftsleiter gerne den 100. Vertrag unterschrieben haben. „Wie alle anderen Unternehmen haben wir große Probleme, qualifiziertes und engagiertes Personal zu finden“, sagt Lehmann. Zwei Auszubildende habe die Firma gerade, einen im kaufmännischen Bereich und mit Luca Decaro einen für technisches Produktdesign. Der 21-Jährige hat bereits während seiner Schulzeit als Minijobber im Betrieb gearbeitet. Jetzt steht er mit Lehmann vor einem Multifunktionsgehäuse. Es ist in der Regel 1,80 Meter hoch und 2,50 Meter breit und steht oft am Straßenrand, denn es dient häufig als Knotenpunkt im Telekommunikationsnetz. „Von dort werden die Fasern des ankommenden Glasfaserkabels verbunden und der sogenannten Aktivtechnik zugeführt, die wiederum dann im privaten oder auch im geschäftlichen Raum das schnelle Internetsignal zur Verfügung stellt“, erklärt Lehmann. Von dort gelangt es zum Hausübergabepunkt, das graue Gehäuse, das im Keller hängt. Es dient dazu, das Internetsignal innerhalb des Gebäudes an die einzelnen Wohnungseigentümer zu verteilen, damit es am Schluss auf einem Router ankommt. Connect Com stellt die ganze Infrastruktur her, vom Multifunktionsgehäuse über Netzwerkschränke und Kabel bis hin zum Glasfaserabschluss im Haus.
90 Prozent des Umsatzes in Deutschland generiert
Zu den Kunden der als Drei-Mann-Unternehmen gegründeten Firma gehören Telekommunikations- und Energieversorger, Stadtwerke, Kommunen, Installationsbetriebe sowie Planungs- und Ingenieurbüros vor allem in Deutschland. So holten die Stadtwerke Nürtingen Glasfaserkabel in Oberboihingen ab. Produkte des Breitbandnetzausbaues gingen auch in den Landkreis Rastatt und an Telekommunikationsnetzbetreiber wie Vodafone und 1&1Versatel.
Rund 90 Prozent des Umsatzes – er belief sich Lehmann zufolge vergangenes Jahr auf rund 42 Millionen Euro –macht Connect Com mit Kunden aus Deutschland, die übrigen zehn Prozent generiert die Firma größtenteils in Österreich, der Schweiz, Benelux und Skandinavien. Für 2024 strebt das Oberboihinger Unternehmen einen Umsatz zwischen 43 und 45 Millionen Euro an.