Firma Franck – der Werbepionier Neue Ausstellung in Ludwigsburg zeigt 100 Jahre Werbegeschichte

Werbung als ein Stück Zeitgeschichte – das zeigt die neue Ausstellung. Foto: Simon Granville

Die Firma Franck aus Ludwigsburg nutze schon 1880 innovative Werbemaßnahmen. Die Ausstellung „Kaffee-Reklame“ zeigt einen Einblick in die Markenwelt.

Ludwigsburg: Nicole Töppke (top)

Für viele ist der Kaffee am Morgen ein wie selbstverständlich gepflegtes Ritual. Manche Zeitgenossen gehen sogar so weit zu sagen, man solle sie vor der ersten Tasse bloß nicht ansprechen. Im 19. Jahrhundert war das Modegetränk allerdings ein nahezu unerschwinglicher Luxus. Aus diesem Grund begann Heinrich Franck 1828 in seinem kleinen Lebensmittelladen in Vaihingen damit, Ersatzkaffee aus gerösteten Zichorienwurzeln herzustellen und traf damit den Nerv der Zeit.

 

Die Ausstellung „Kaffee-Reklame – Markenwelt Franck“ öffnete am Sonntag im Ludwigsburg Museum im MIK und zeigt originale Plakate, Werbegeschenke und weitere Marketingstrategien der Firma. „Die Ausstellung gibt Einblicke in die vielfältige Werbewelt der Francks und zeigt, dass Markenkommunikation immer auch ein Stück Zeitgeschichte ist“, sagt Margrit Röder, Ausstellungskuratorin. Die Firma Franck habe sich durch innovative Werbestrategien und künstlerisch hochwertige Plakatkunst von ihren Konkurrenten abgehoben. Nach dem Ende der Produktion in Ludwigsburg im Jahr 2018 kamen zahlreiche Rezeptbücher, Verwaltungsakten und Werbeartikel zum Vorschein. „600 laufende Regalmeter voll mit Plakaten und anderen Werbemitteln. Ein Riesenbestand, den wir leider aus Kapazitätsgründen nicht übernehmen konnten“, berichtet die Kuratorin.

Die Archivalien gingen an das Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg in Hohenheim, die als Kooperationspartner der Ausstellung fungierte. „Es ist ein großes Glück, dass wir nun Werbegeschichte von 1880 bis 1980 ausleihen und zeigen dürfen.“

Die Firma profitierte von Krisenzeiten

„Bei Franck waren schlechte Zeiten gute Zeiten“, sagt Röder. Das Unternehmen habe viel Geld mit dem Ersatzkaffee verdient, da richtige Bohnen unerschwinglich waren. „Teilweise wurde der Kaffee auch mit dem Zichorienkaffee gestreckt, so hat man pro Tasse weniger echte Kaffeebohnen benötigt.“ 1868 expandierte das Unternehmen ins heutige Franck-Areal nach Ludwigsburg und von dort in elf weitere Länder. Den großen Erfolg verdankten die Francks nicht nur einer Marktlücke, sondern auch konsequenter Markenentwicklung und innovativen und umfangreicher Werbung.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.franck-areal-in-ludwigsburg-stadt-forciert-ansiedlung-einer-diskothek.6003325a-1de0-49e6-bd40-4a346d56c995.html

Wie international das Unternehmen aus Ludwigsburg war, sei den wenigsten bewusst gewesen. Deshalb habe das Unternehmen auch die Möglichkeit gehabt, die besten Werbegestalter zu beschäftigen. „Wir staunen, wie innovativ das damals war“, sagt die Museumsleiterin Alke Hollwedel. Die Werbung richtete sich auch an Kinder. Sie wurden auf der Straße mit Werbegeschenken wie Flugzeugen, Bastelbögen und kleinen Hütchen beschenkt. „Ab 1910 wird die Gestaltung deutlich professioneller. Ab 1930 stand die Werbung unter staatlicher Aufsicht“, erklärt Röder. Auch die Thomy-Mayonnaise stammt aus dem Hause Franck. Nach dem Krieg habe es einen Verkaufsrückgang des Ersatzkaffees gegeben, das Unternehmen fokussierte sich auf andere Lebensmittel. „Die kalten Platten der 50er-Jahre wären nichts gewesen ohne die Mayo“, sagt Röder. In den 1980er-Jahren ging die Firma Franck vollends an Nestlé über.

Werbegeschenke für Kinder

Das Begleitprogramm lässt die Besucher das Thema ganzheitlich erleben. „Wir haben das Gewinnspiel für ein Klapprad aus den 70er-Jahren wiederbelebt“, sagt Hollwedel. Das originale Klapprad ist der Hauptpreis.

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