Firma Gläser in Kirchberg/Murr Hier steht jetzt das modernste Schotterwerk des Landes
Von wegen verstaubt: Im neuen Schotterwerk in Kirchberg funktioniert vieles vollautomatisch. Sogar nachts können dort jetzt Baustoffe verladen werden.
Von wegen verstaubt: Im neuen Schotterwerk in Kirchberg funktioniert vieles vollautomatisch. Sogar nachts können dort jetzt Baustoffe verladen werden.
Ein 80 Meter breiter Koloss, so hoch wie ein zehnstöckiger Wohnblock, kilometerlange Förderbänder sowie tonnenschwere Brecher und Siebe: Das neue Schotterwerk der Firma Lukas Gläser im Kirchberger Teilort Zwingelhausen ist schon durch seine Ausmaße beeindruckend. Noch erstaunlicher ist aber, wie modern es dort zugeht. Denn das Werk ist laut dem Unternehmen das modernste in ganz Baden-Württemberg. 25 Millionen Euro hat der Mittelständler mit Sitz in Aspach investiert, um die Versorgung der Region mit einem unscheinbaren, aber unverzichtbaren Baustoff zu sichern: Muschelkalk.
Ohne Muschelkalk gibt es keine Straßen und keinen Beton, auch bei der Herstellung von Düngemittel kommt der Kalk zum Einsatz. „Das neue Werk sichert die Rohstoffbasis für die Infrastruktur von morgen“, sagt der Gläser-Geschäftsführer Christoph Kübler bei der Eröffnung des Mammutwerks. Der Neubau war die größte Investition in der Firmengeschichte. Die Firma sieht sich damit gut aufgestellt für die nächsten Jahrzehnte. Cersten Pfisterer, einer der Gesellschafter der Firma, erklärt: „Im Grunde machen wir in dem neuen Werk dasselbe wie im alten – aber in einer anderen Dimension.“
Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte hat sich in Sachen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und in Sachen Rücksichtnahme auf die benachbarten Ortschaften einiges geändert – das zeigt auch der Vergleich mit dem alten Schotterwerk. Dieses war Mitte der 1960er-Jahre gebaut und in den 1990er-Jahren erweitert worden.
Das neue Werk wurde im nördlichen, bereits verfüllten Teil des Steinbruchs erstellt, wo kein Rohstoff mehr lagert. Damit blockiert der Koloss keine Lagerstätten. Auch bei der Logistik zeigt sich der technische Fortschritt: Laster müssen nicht mehr tief in den Steinbruch hineinfahren, sondern werden künftig am Rande des Werks bedient. Das spart Sprit, reduziert den CO₂-Ausstoß und entlastet die betrieblichen Wege.
Der Transport des Gesteins zur Aufbereitungsanlage erfolgt jetzt über ein kilometerlanges Förderband, das mit Ökostrom betrieben wird. Eine neue Anlagensteuerung und moderne Aufbereitungstechnik sollen den Gesteinsabbau effizienter machen und den Anteil an verwertbarem Gestein erhöhen.
Ein autonomes Logistiksystem macht es möglich, dass das Wiegen, Verladen und das Erstellen eines Lieferscheins für die Kunden vollautomatisch abläuft. „Das Personal muss eigentlich nur noch prüfen, ob die Mischung passt“, sagt Pfisterer. Das funktioniere sogar bei Nacht. „Die Verladung ist auf der akustischen Schattenseite des Werks“, sagt er mit Blick auf etwaige Störungen.
Mit dem Lastwagenverkehr, Sprengungen, aufsteigendem Staub, Lärm sowie Schmutz auf den umliegenden Straßen ist der Betrieb eines Steinbruchs nicht gerade frei von Belastungen für die Anwohner der nahen Ortschaften. Auch in dieser Hinsicht, verspricht das Unternehmen, soll sich durch das neue Werk einiges bessern.
So ist das Hauptgebäude in massiver Stahlbetonweise errichtet worden, was den außen hörbaren Lärm dämpfen soll. Eine moderne Entstaubungsanlage soll Emissionen mindern. „Durch die deutlich größeren Silos haben wir weniger Haldenwirtschaft, auch dies verringert die Staubemissionen“, erklärt der Firmensprecher Alexander Hornauer. Da der Werksverkehr jetzt zudem vom Kundenverkehr getrennt wird, soll sich auch die – den Anwohnern aus der Vergangenheit leidlich bekannte – Verschmutzung der Straßen verringern.
Bleibt die Frage, was bei all der Automatisierung mit den Mitarbeitern passiert. Certen Pfisterer betont, auch bisher sei der Grad der Automatisierung schon hoch gewesen. Entlassen werde wegen der neuen Technik niemand: „Das neue Werk entlastet die Mitarbeiter, es entfallen Überstunden.“ Auch zur Arbeitssicherheit trage High-Tech bei – schon seit längerer Zeit: „Die Bagger im Steinbruch können aus dem Leitstand heraus ferngesteuert werden.“ Nur das Arbeiten im Homeoffice, erklärt er lachend, sei angesichts der aufwendigen Technik noch nicht möglich.
Muschelkalk
Die Kalkschicht, die den Boden unserer Region durchzieht, eignet sich nicht nur als Boden für den Weinanbau, sondern auch als Baustoff. Muschelkalk findet unter anderem im Straßenbau, als Gleisschotter und bei der Zementherstellung Verwendung. Entstanden ist der Muschelkalk in der Trias, als sich vor mehr als 200 Millionen Jahren das sogenannte Germanische Becken über weitere Teile Europas erstreckte.
Unternehmen
Die Lukas Gläser GmbH und Co. KG gibt es schon seit dem Jahr 1860, sie ist nach wie vor ein Familienunternehmen. Tätigkeitsfelder sind der Straßen- und Tiefbau, der Kabelbau, die Bau- und Betonsanierung sowie die Rohstoffbetriebe mit den Bereichen Schotterwerk und Asphaltmischwerk. Der Sitz befindet sich in Aspach, der Steinbruch in Kirchberg-Zwingelhausen. Gläser hat rund 240 Mitarbeiter.