Firma Heller in Nürtingen Global Player mit Stammsitz in Nürtingen wird 125

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Das Stadtmuseum Nürtingen lässt die Geschichte der Firma Heller Revue passieren – sie gilt vielen als Familie und ist mit rund 1700 Mitarbeitern im Stammwerk ein Stück Nürtingen.

Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Beim Heller g’lernt“. Foto: Ines Rudel 5 Bilder
Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Beim Heller g’lernt“. Foto: Ines Rudel

Nürtingen - Beim Heller g’lernt“ – im Titel der neuen Sonderausstellung des Stadtmuseums Nürtingen klingt an, welche Bedeutung die Maschinenfabrik Heller seit jeher für die Stadt hat. Seit Einrichtung der ersten Lehrwerkstatt im Jahr 1913 bis heute haben weit mehr als 3000 junge Menschen eine Ausbildung in der Firma durchlaufen. Die Fluktuation ist gering, eine große Zahl von Beschäftigten bleibt angefangen von den Lehrjahren bis zur Rente dem Betrieb treu.

Das Firmenarchiv ist eine Fundgrube für Wissenschaftler

Heller ist mehr als nur ein Arbeitgeber. Wer dort arbeitet, ist Teil einer Familie. Diesen besonderen Charakter eines Global Players, der sich seit 125 Jahren seinem Stammsitz in Nürtingen verbunden fühlt, spiegelt die neue Sonderausstellung im Stadtmuseum wider.

„Ich bin ertrunken im Material. Dieses Firmenarchiv ist absolut beispielhaft und eine Fundgrube für die Geschichtswissenschaft“, sagt die Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan. In sechs Kapitel ist die Ausstellung untergliedert. Der Bogen reicht von der 1894 gegründeten kleinen mechanischen Werkstatt bis zur Weltfirma mit fünf internationalen Standorten, darunter Niederlassungen in den USA, Brasilien und in China. Das Museum richtet den Fokus auf die Menschen. Seit den 1960er Jahren sind konstant rund 1700 Mitarbeiter im Stammwerk Nürtingen beschäftigt, erklärt der Geschäftsführer der Heller-Gruppe, Klaus Winkler.

Beim Blick ins Archiv hat Angela Wagner-Gnan festgestellt, dass verwandtschaftliche Verhältnisse unter den Mitarbeitern nicht selten sind. „Man trifft den Bruder oder die Schwester als Kollegen oder Kollegin auf dem Firmengelände, oder man lernt in der Lehrwerkstatt die eigenen Verwandten an“, sagt die Museumsleiterin. Es habe auch schon die schönsten Liebesgeschichten gegeben, wenn sich Frau und Mann bei Heller bei der Arbeit ineinander verguckten.

Heller ist mit seinen Innovationen immer wieder Wegbereiter gewesen

Ein Familienbetrieb bis heute ist Heller auch wegen der Unternehmensfamilie. Die Geschichte der ältesten Maschinenfabrik Nürtingens ist geprägt von drei Generationen der Familie Heller. Die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit der Firma und die Innovationsfähigkeit des Unternehmens zählen zu den wichtigen Erfolgsfaktoren. Immer wieder sei es Heller gelungen, sagt Klaus Winkler, wegweisende Produkte auf den Markt zu bringen – angefangen von der Radialbohrmaschine, die den ersten Schritt in die Frästechnik bedeutete, über die Entwicklung von elektronischen Steuerungen bis hin zu horizontalen Bearbeitungssystemen, die eine rationellere Fertigung ermöglichten und mit deren Einführung eine Senkung der Produktionskosten verbunden war.

„Beim Heller g’lernt“ lässt auch ein dunkles Kapitel der Firmengeschichte nicht außer Acht. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte das Unternehmen wie andere Industriebetriebe in Deutschland auch Zwangsarbeiter aus Osteuropa ein. Besucher bekommen eine Vorstellung davon, unter welch unwürdigen Bedingungen diese Arbeitskräfte schuften mussten.

Zu den Kunden zählen die Fahrzeugindustrie und viele andere Branchen

Die weltumspannende Heller-Gruppe mit insgesamt rund 2900 Beschäftigten verfügt über eine breite Produktpalette. Die Kunden kommen aus der Fahrzeugindustrie, dem allgemeinen Maschinenbau und aus vielen weiteren Branchen. Der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich unterstreicht die Bedeutung der Firma für die Stadt und auch das Umland: „In Nürtingen kommt man an Heller nicht vorbei.“ Und in diesem Sinne hofft er, dass die neue Ausstellung auch eine besonders große Zahl von Besuchern anlockt.