Firmen gegen Rechts Flagge zeigen für Demokratie ist wichtig, aber nicht genug

Mercedes-Chef Ola Källenius spricht sich für bessere Rahmenbedingungen in Deutschland aus, etwa in der Energie- und Rohstoffpolitik. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Demokratiefeindlichkeit ruft immer mehr Firmen auf den Plan. Doch es braucht mehr als den Schulterschluss. Es ist gut, dass nun auch Mercedes den Mut hat, sich öffentlich zu politischen Themen zu äußern, meint Klaus Köster.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Angesichts der Wahlerfolge der AfD und deren Überlegungen zu einer „Remigration“ geben sich viele Firmen einen Ruck und beziehen Position für Demokratie und Vielfalt. Es sei „zwingend geboten, dass die Wirtschaft klare Kante zeigt“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius im Februar bei einem Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Stuttgart. Auch VW- und Porsche-Chef Oliver Blume fand deutliche Worte.

 

Wichtiger Impuls der Trumpf-Chefin

Es war jedoch Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, die den wichtigen Gedanken einbrachte, dass der Demokratie nicht nur ihre Feinde schaden können. Im Mittelstand, dem „Stabilisator der Demokratie“, wende man sich „zunehmend von denen da oben ab, weil man sich marginalisiert fühlt“.

Nach langem Zögern beginnt auch Mercedes, politisch auch jenseits des klaren Bekenntnisses zur Demokratie stärker Flagge zu zeigen. Bei der Hauptversammlung formulierte Källenius konkrete Erwartungen an die Politik – etwa wettbewerbsfähige Energiepreise, eine Rohstoffstrategie und neue Handelsabkommen: Themen, von denen für Wirtschaft und Wohlstand viel abhängt.

Lange Zeit hat sich auch der einstige Daimler-Konzern politisch neutral verhalten. Der wohltuende Einsatz gegen die Feinde der Demokratie ist nun der Auslöser für Bestrebungen, das Gemeinwesen nicht nur gegen seine Feinde zu verteidigen, sondern auch auf eine Verbesserung seines inneren Zustandes zu drängen. Der Schulterschluss gegen ihre Feinde ist notwendig, reicht aber nicht aus. Absichern lässt sich die Demokratie nur, wenn es gelingt, das Gemeinwesen auch von innen heraus zu stärken – nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht.

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