Die Industrie- und Handelskammer Rems-Murr stehe – wenn der Ausdruck in diesem Zusammenhang erlaubt sei – Gewehr bei Fuß, um die Unternehmen möglichst gut auf diesen Winter vorzubereiten, sagt der Bezirkskammerpräsident Claus Paal. Geplant sei eine Art Energiegipfel, bei dem alle Optionen abgefragt werden können, außerdem soll eine Beratungshotline eingerichtet werden.
Paal: Unternehmen müssen planen können
Dazu allerdings müsse sich die Politik endlich einig werden und den Rahmen in Sachen Gaspreisbremse & Co. genauer abstecken. „Es muss endlich etwas passieren, damit unsere Unternehmen planen und wir kompetent beraten können“, sagt Paal. Selbst wenn es keine Unterstützung seitens des Staates gäbe, sollte das unverzüglich kommuniziert werden, damit man sich darauf einstellen könne. Nichts sei schlechter als Ungewissheit.
Das Thema energetische Versorgungssicherheit nimmt denn auch in einer Umfrage der IHK unter ihren Mitgliedsbetrieben zu den aus deren Sicht wichtigsten Standortfaktoren einen vorderen Rang ein. Bei der letzten Erhebung, die aus dem Jahr 2016 datiert, hatte dieser Aspekt noch keine größere Rolle gespielt. Im Gegenteil, die Rubrik rangierte vor sechs Jahren gar auf Platz eins unter jenen Standortfaktoren, mit denen die Unternehmen am meisten zufrieden waren. Fast 90 Prozent halten das Thema hingegen jetzt für wichtig, mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (knapp 57 Prozent) ist mit den Gegebenheiten allerdings offenbar noch immer zufrieden. Was freilich nicht für die Beschaffungspreise gilt.
Platz eins und zwei in den Top Ten der wichtigsten Standortfaktoren belegen in der aktuellen Umfrage, die Ende Juni verschickt wurde, indes die Verfügbarkeit und Qualität der Internet- sowie der Mobilfunkverbindung. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren viel über die unzureichende Straßenverkehrsanbindung des Rems-Murr-Kreises beklagt“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Bezirkskammer, Markus Beier. Die Situation habe sich seither nicht entscheidend verbessert, doch heute müsse man feststellen: „Eine gute Anbindung an die Datenautobahn ist den Unternehmen meist noch wichtiger.“
Neben den hohen Immobilien- und Energiepreisen werden von den Unternehmen „unbürokratische Verfahren“ mit der höchsten Unzufriedenheit bewertet. „Ein Dauerthema“, wie Bezirkskammerpräsident Paal sagt. Die Pandemie habe zwar kurzfristig einiges möglich gemacht, doch nun habe man das Gefühl, dass das Bürokratiebarometer wieder in die entgegengesetzte Richtung ausschlage. Gefordert sei hier natürlich in erster Linie der Gesetzesgeber, aber Paal fordert auch die kommunale Ebene auf, vorhandene Handlungsspielräume zu nutzen.
Unter dem Strich sind die IHK-Verantwortlichen mit den Ergebnissen der Umfrage durchaus zufrieden. Viele Standortfaktoren würden von den heimischen Unternehmen geschätzt, die dem Rems-Murr-Kreis deshalb auch überwiegend treu blieben. Die aktuelle Lage freilich sei für einige Betriebe schwierig bis existenzbedrohend, weil ganz viele Probleme gleichzeitig über sie hereinbrächen. Claus Paal nennt neben der Energiekrise die Bedrohung der freiheitlichen Welt, Lieferkettenengpässe, Fachkräftemangel, Strukturwandel und Digitalisierung. Vorrangig sei nun, erst einmal gut über den Winter zu kommen, um sich dann langfristig von Öl und Gas als Energieträger zu lösen – und bei alledem wichtige Standortfaktoren wie etwa den Glasfaserausbau nicht aus den Augen zu verlieren.
Schwierig bis existenzbedrohend
Die Umfrage
Befragung
Wie zufrieden sind die Unternehmen mit dem Standort Rems-Murr-Kreis? In der Zeit zwischen 27. Juni und 15. Juli hat die Industrie- und Handelskammer rund 1500 Unternehmen befragt.
Rücklauf
310 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt. Nicht nur mit der Rücklaufquote von 20 Prozent ist der IHK-Geschäftsführer Markus Beier sehr zufrieden, auch der Mix aus unterschiedlichen Branchen und Betriebsgrößen ergebe ein äußerst repräsentatives Bild.