Firmengeschichte aus S-Süd Auracher feiert 100 Jahre

Vater Felix und Sohn Sebastian Auracher nutzen ihren Oldtimerlaster   weiterhin. Foto: K. Wesely
Vater Felix und Sohn Sebastian Auracher nutzen ihren Oldtimerlaster weiterhin. Foto: K. Wesely

Die Spedition aus Heslach erledigt Umzüge und Spezialtransporte. Firmengründer Karl Jakob Auracher hatte 1921 mit einem Pferdegespann angefangen. Heute sind bei dem Familienunternehmen vier Laster im Einsatz.

Aus den Stadtteilen: Kathrin Wesely (kay)
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S-Süd - Eigentlich wollte die Familie Auracher den 95. Geburtstag des Großvaters und Seniorchefs ganz groß feiern, fiel er doch zusammen mit der Gründung ihres Familienunternehmens im Jahr 1921. Wegen Corona wurde Oswald Aurachers Geburtstag in kleiner Runde gefeiert. Die große Jubiläumsparty sollte im kommenden Jahr steigen. Wegen der Pandemie sei der Seniorchef kaum mehr im Büro. 2020 habe er noch täglich nach dem Rechten geschaut und Telefonate entgegengenommen. „Aber das kommt auch wieder“, ist sein Sohn Felix Auracher überzeugt, der nach Jahrzehnten im Familienunternehmen selbst längst in Rente ist. Dessen Sohn Sebastian ist nun am Drücker, gemeinsam mit der Nichte Viktoria Auracher und deren Partner. Der Staffelstab wurde wieder weitergereicht. Die Betriebsgröße von zehn bis 15 Mitarbeitern sei seit Jahrzehnten in etwa konstant, „nur arbeiten heute weniger Familienmitglieder im Betrieb als früher“, sagt Felix Auracher.

Umzug mit Orchester

Auracher ist kein gewöhnliches Umzugsunternehmen. Die Firma deichselt auch Haushaltsauflösungen oder Spezialtransporte für Kunstwerke und Musikinstrumente. So transportieren sie auch die wertvollen Instrumente für das Orchester des Stuttgarter Staatstheaters und das Sinfonieorchester des Südwestrundfunks, wenn diese auswärts auftreten. Auch der Bühnenaufbau ist Teil ihres Jobs. Für Sebastian Auracher zählen diese Aufträge zu den Highlights im Berufsalltag: „Ich habe schon ganze Konzerttourneen begleitet, einmal durch ganz Spanien.“ Auch sein Vater war seinerzeit mit den Orchestern auf Reisen – nicht immer mit den eigenen Lastwagen aber als Inspizient und Begleiter der Transporte. „Einmal war ich mit Musikern im Libanon unterwegs. Es hatte 40 Grad im Schatten, und es gab nur offene Fahrzeuge, über die wir Planen werfen konnten. Da ist das Kolophonium in den Geigenkästen zerflossen.“ Auch treppauf, treppab durch Neuschwanstein hat Felix Auracher schon Instrumente geschleppt.

Most und Antiquitäten

Dabei hatte alles angefangen mit den simpelsten Gütern des täglichen Bedarfs. Karl Jakob Auracher hatte 1921 begonnen, mit seinem Pferdegespann die Heslacher Handwerker und Händler mit Waren vom Markt in Stuttgart zu beliefern. Das Geschäft lief gut und bald stellte er einen Fuhrmann ein. 1933 kaufte Karl Jakob Auracher seinen ersten Motorlastwagen, einen amerikanischen Chevrolet mit Plane und Spriegel. Nun transportierte er auch antike Möbel aus Versteigerungen sowie Obst, Most oder Brennholz aus den umliegenden Wäldern.

Die ersten Musikinstrumente stiegen ebenfalls im Jahr 1933 zu. Auracher begleitete das Orchester des Stuttgarter Staatstheaters, wenn es auf Konzerttournee ging. Im Laufe der Zeit stockte er seine Flotte immer weiter auf. Während der letzten Kriegsjahre musste er Verpflegungstransporte für die Gefangenenlager im Großraum Stuttgart übernehmen, berichtet die Familie auf ihrer Firmeninternetseite.

Zwei Fahrzeuge blieben der Spedition nach dem Krieg. Doch waren dafür keine Ersatzteile zu bekommen, weshalb Karl Auracher wieder auf Gespannbetrieb umstellen musste. 1954 übernahm Sohn Oswald Auracher das Geschäft und spezialisierte sich auf Möbeltransporte. Der Fuhrpark bestand dann zumeist aus vier Möbelwagen. Das ist bis heute so – nur eben motorisiert, versteht sich. Passende Anhänger und ein Außenaufzug gehören ebenso zum Fuhrpark wie die zwei weiterhin einsatzbereiten Lastwagen-Oldtimer von 1959 und 1965. Die sehen nicht nur schmuck aus, sagt Sebastian Auracher, „die sind auch immer noch ganz geschickt wegen ihrer großen Ladefläche“.

Der komplette Fuhrpark parkt und parkte seit jeher in der schmalen, buckeligen Vellmenstraße in Heslach. Man fragt sich, wie die großen Fahrzeuge in die schmalen Garagen passen und, wie sie dort überhaupt hineinbugsiert wurden. Aber mit dem Verstauen von Sachen kennen sich die Aurachers ja bestens aus.




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