Fischmarkt auf dem Karlsplatz Mädelstreff bei Matjes und Mojito

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Es ist stickig, voll, laut – trotzdem hat der Fischmarkt gerade bei Frauen einen festen Platz im Kalender. Der Karlsplatz gilt als ideales Angelquartier.

Mädelspower in der City Foto: Lg/Iannone 4 Bilder
Mädelspower in der City Foto: Lg/Iannone

Stuttgart - Es ist stickig unterm dichten Kastanienlaub. Das Musikprogramm ist eine Kakofonie aus Seemannsliedern und Discofox-Pop. Statt einer Meeresbrise weht mehr als ein Hauch von Frittierfett über den Platz. Und wer nicht aufpasst, bekommt das Schorle im billigsten Henkelglas ausgeschenkt. Kurz: es gebe eigentlich genug Gründe, den Fischmarkt am Abend großräumig zu umgehen. Trotzdem war es gleich zum Auftakt gesteckt voll. Das Erstaunliche: Vor allem bei den Frauen zwischen 30 und 50 scheint der Rummel auf dem Karlsplatz ein fester Termin im Kalender zu sein. Vielleicht nicht seit 30 Jahren, als die Hanseaten zum ersten Mal da waren, aber für viele ungefähr seit der Hälfte.

So waren auch am Donnerstag viele „Mädels“ zu zweit oder in größeren Grüppchen unterwegs, gerne im maritimen Streifenlook aber auch im superschicken Sommerkleid – Stuttgart schwitzte schließlich wie Sizilien. Täuschte es, oder kam da manche frisch vom Friseur? Vom Schönheitsdoc gar nicht zu reden. Man kann ja schließlich nie wissen, welcher alte Bekannte einem auf dem Fischmarkt nach vielen Jahren mal wieder ins Netz geht. Gentlemen – das war gestern. Heute nimmt die Frau die Sache selbst in die Hand. Da kann ein bisschen Botox in der Stirn nicht schaden. Schwer angesagt sind offensichtlich auch markante Wangenknochen.

Zwei Mal Sansibar in nächster Nähe

Die begehrten Plätze sind wie immer auf der Treppe hinauf zum Cocktailstand, am Rand des Weinkontors und vor dem Gourmetzelt Hamburg-Sansibar. Dort hat Susanne Schwerin das Sagen und das tut sie frei raus. Zwei Mal Sansibar in Stuttgart, und das nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt, ob das wohl Ärger gibt? „Nee, alles ruhig geblieben“, meint Susanne Schwerin, wobei sie eigentlich schon mit Beschwerden gerechnet habe. Dabei biete sie mit ihrem Zelt freilich keinerlei Angriffspunkte, betont sie.

Es liegt am Bindestrich. Ihr Unternehmen, so die Schaustellerin, heiße korrekt ausgesprochen „Hamburg bis Sansibar. Und Sansibar ist eine Insel. Punkt. Wie die Leute das dann nennen, da kann ich nix für.“ Sie kopiere weder den Schriftzug noch das Logo von Herbert Secklers Sylter Kultstrandbude oder ihrer jüngsten Stuttgarter Filiale bei Breuninger.

Verwechslungen sind dennoch nicht ganz ausgeschlossen. Vor Jahren einmal habe sich ein Paar auf dem Karlsplatz nach dem Essen überschwänglich bei ihr bedankt: „Der Prosecco war super und Sie haben uns ganz toll bedient. Da wird ihr Chef, der Herr Seckler aber stolz auf Sie sein.“, sagt Susanne Schwerin und lacht schallend.

Alles gut also? Fast. „Meine Bestecktaschen sind in der Sansibar bei Breuninger angeliefert worden. Oberpeinlich. Oder?“ Ein Anruf, und die Sache war erledigt. Der Weg vom Dorotheen-Quartier hinüber zum Karlsplatz ist durchlässig. Das gilt auch für den späteren Abend, wenn die Damenwelt allmählich umzieht vom Fischmarkt ins „DoQu“ (sprich: Doku), wie die Stuttgarterin von Welt lässig sagt, ins Eduards oder ins Nesenbach. Männer dürfen mitkommen. Sie müssen aber nicht.

Der eigene Mann an der Tätowiernadel

Die Tapferkeitsmedaille der Woche gebührt übrigens Mia Grauke, einst Gray. Das Ex-Playmate, Model und Gesicht der Spielbank Stuttgart hat sich ein Tattoo stechen lassen, der Pfotenabdruck vom Kleinspitz ihrer Mutter. Das wäre an sich nichts Besonderes, und es ist auch nicht ihr erstes Haut-Bild. Aber gestochen hat es, zumindest in Teilen, ihr Mann Oliver Kobs. Für ihn war es das erste Mal an der Tätowiernadel. Das Ergebnis ist von 8. September an auf dem Titelbild des neuen Branchenblattes „Squid Mag“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu bewundern.

Wir zeigen das Beweisbild schon mal vorab und fragen uns , wer von beiden mutiger war. „Ich hab Schiss gehabt im ersten Moment, aber er war ganz, ganz vorsichtig“, sagt sie. „Das Risiko war einschätzbar“, meint er. „Ich hab immer gern gezeichnet, erst Obst, dann meine Schwester.“ Na dann.