Fischsterben in Stuttgart-Rohr Ursache für Fischsterben ist noch ungeklärt

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Ein Bürger hat den Tiernotdienst alarmiert, weil er zahlreiche verendete Fische am Rohrer See in Stuttgart-Rohr entdeckt hatte.

Im  Rohrer See schwimmen vor allem Karpfen. Das Gewässer ist schon  lang ein Sorgenkind. Ein Grund dafür ist, dass  der Brunnen im Sommer oft versiegt. Foto: J. Fritsch/Kai Müller/Archiv
Im Rohrer See schwimmen vor allem Karpfen. Das Gewässer ist schon lang ein Sorgenkind. Ein Grund dafür ist, dass der Brunnen im Sommer oft versiegt. Foto: J. Fritsch/Kai Müller/Archiv

Rohr - Der Rohrer See ist schon lang ein Sorgenkind. Am vergangenen Wochenende war es aber besonders schlimm. Ein aufmerksamer Bürger meldete sich am Sonntag beim Tiernotruf der Stadt Stuttgart. Er hatte zahlreiche verendete Fische im Rohrer See entdeckt. „Die Kollegen vom Tiernotruf konnten bei ihrer Ankunft die Beobachtung des Bürgers bestätigen“, erklärt der Pressesprecher Martin Thronberens in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Ursache ist noch unklar

Warum die Fische gestorben sind, kann die Stadt bisher noch nicht sagen. Nur so viel: „Eine mögliche Ursache ist fehlender Sauerstoff“, schreibt Thronberens. Wenn sich auf dem See eine Eisschicht bilde oder der See gar komplett zufriere, beeinträchtige das natürlich die Sauerstoffaufnahme des Wassers, so der Pressesprecher. Er fügt hinzu: „Da Eisbildung ein natürlicher Vorgang ist, haben wir darauf keinen Einfluss. Wenn wir nach einer Tauperiode wieder Zugang zum See haben, werden die verendeten Fische entfernt.“ Dann sei auch eine veterinärmedizinische Untersuchung der Kadaver geplant. „Dadurch erfahren wir möglicherweise die Todesursache der Fische.“ Damit auch jetzt im Winter wieder mehr Sauerstoff in den See gelange, haben die Mitarbeiter des Tiernotrufs mit einer Eisenstange ein Loch in die Eisdecke geschlagen.

WAV ist gegen Löcher in der Eisdecke

Die Meinungen darüber, ob das eine gute Idee ist, sind unterschiedlich. Hans-Hermann Schock, der Vorsitzende des Württembergische Anglerverein (WAV), ist skeptisch. Der WAV hat vier der Parkseen bei Büsnau gepachtet. Auch diese sind nahezu komplett zugefroren (wir berichteten). Löcher will Schock aber nur auf Druck in die Eisdecke machen. Denn insbesondere, wenn diese einfach reingeschlagen werden, übertrage sich der Schall wegen der Eisdecke über die gesamte Oberfläche. Das könne die Fische aufschrecken, die ihre Lebensfunktionen im Winter eigentlich auf ein Minimum reduziert haben. Der so verursachte Stress tue den Tieren nicht gut. So formulierte es Schock vor wenigen Tagen gegenüber unserer Zeitung.

Eine Zeit lang hatte der WAV auch den Rohrer See als Aufzuchtgewässer gepachtet. Mittlerweile ist aber wieder das Tiefbauamt zuständig. Weil es immer wieder Probleme mit dem Rohrer See gibt, beauftragte dieses in den Jahren 2015 und 2016 einen Limnologen mit der Überwachung des Gewässers. Die Limnologie ist die Wissenschaft von den Binnengewässern als Ökosystem. „Der Experte stellte fest, dass der See in den Sommermonaten eine hohe Nährstoffkonzentration hat“, schreibt Thronberens. Dadurch kann es zu einem starken Algenwachstum kommen. Die wiederum sondern wahlweise Gifte ab, um ihre Konkurrenten in Schach zu halten, oder verdunkeln durch ihre schiere Zahl den See. Das führt dazu, dass andere Pflanzen absterben und zu Boden sinken. Dort machen sich die Bakterien über die Überreste her und verbrauchen dabei derart viel Sauerstoff, dass die Fische irgendwann sogar ersticken können. Im Winter habe man am Rohrer See aber bislang noch nie beobachtet, dass der Sauerstoffgehalt so stark abgesunken sei, dass es für die Fische gefährlich geworden sei, schreibt der Pressesprecher der Stadt.

Die Stadt angelt selbst

Eines der Hauptprobleme ist der Zulauf. Im Sommer kommt es immer wieder vor, dass aus dem Brunnen, der den See speist, kein Wasser mehr fließt. Weil das Wasser steht, verwandelt sich der See etwa durch herabfallende Blätter in eine nährstoffreiche Brühe. Das kann dann die geschilderten Konsequenzen haben.

Im Oktober 2015 entnahm die Stadt einen Großteil der Fische. Der Rohrer See war für die vielen Tiere einfach zu klein. Zudem wirbelten die Fische beim Gründeln zu viele Nährstoffe aus dem Boden auf. „Der Limnologe hatte die Fischentnahme angeregt“, schreibt Thronberens. Der Bericht des Experten für das vergangene Jahr liege noch nicht vor. „Daher können wir zum weiteren Vorgehen noch keine Aussagen machen“, sagt der Pressesprecher.

Eine Entschlammung ist teuer

Prinzipiell gebe es verschiedene Möglichkeiten, um die Qualität des Rohrer Sees zu verbessern, ergänzt Thronberens. Denkbar sei zum Beispiel, ein sogenanntes Fällmittel einzubringen. Das sind in der Regel Salze, mit denen unerwünschte Soffe wie Phosphat gebunden werden können. Auch eine Entschlammung sei denkbar, wenn auch teuer. Wenn ein See ausgebaggert wird, wird dabei auch immer der Nährstoffgehalt verringert. Zudem ist der See nach der Entschlammung tiefer, und in der tieferen und damit kälteren Wasserschicht kann sich mehr Sauerstoff lösen.

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