Der Bezirks-Fischereiverein Vaihingen an der Enz hat in der vergangenen Woche rund 100 tote Fische aus dem Fleischlesee bei Ensingen gefischt. Todesursache: Sauerstoffmangel. Der See wird normalerweise durch den Glattbach, auch Brünnlesbach genannt, gespeist. Der ist jedoch vollständig ausgetrocknet und konnte den Fleischlesee nicht mehr mit Frischwasser versorgen.
In Folge ist das Gewässer „gekippt“. „Der Klimawandel beschert uns gerade im Sommer zu wenig Niederschläge, dazu erhöht sich die Wassertemperatur“, sagt Andreas Arndt vom Fischereiverein. „Für die Zukunft muss man überlegen, wie man solche Situationen vermeiden beziehungsweise ihnen vorbeugen kann.“
Der Fleischlesee ist kein Badegewässer und er wird auch nicht beangelt – der Verein nutzt ihn als Aufzuchtgewässer für Weißfische. Vergangene Woche seien nicht alle Fische gestorben, „nur Barsche, denen das einfach zu wenig Sauerstoff war“, erklärt Arndt. Die zehn bis zwölf Zentimeter großen toten Fische hätte man für Fischreiher, Marder, Krähen und andere Tiere ausgelegt – „in ein bis zwei Tagen hat man davon nichts mehr gesehen“.
Feuerwehr hilft mit Frischwasser
Der Fischereiverein würde zwar regelmäßig den PH-Wert, Sauerstoffgehalt und die Wassertemperatur ihrer Gewässer messen – „aber so etwas passiert sehr schnell“, sagt Arndt. Diese Woche hat die Feuerwehr mit Sauerstoff angereichertes Wasser nachgefüllt. Das habe gut funktioniert, generell sei es aber schwierig für den Fischereiverein, ein Generalrezept für die Trockenphasen zu finden.
Viele erinnern sich an den Juli, als es tagelang nicht aufhörte zu regnen. Die Frage liegt also nahe, ob der Sommer bislang nicht nass genug war? „Der Grundwasserspiegel ist auch diesen Sommer nicht ausreichend aufgefüllt worden – die Stände sinken seit Jahrzehnten immer weiter“, sagt Joachim Lösing, stellvertretender Vorsitzender des BUND Kreisverbands Ludwigsburg. Das Problem: Je niedriger der Grundwasserspiegel, desto mehr Wasser aus Flüssen und Bächen versickert.
Zwar hätten die Regenfälle beispielsweise den neu gepflanzten Bäumen in den Streuobstwiesen geholfen, Fließgewässer würden aber immer mehr austrocknen – gerade die kleinen. Denn regnerische Tage sorgen zwar dafür, dass die oberen Bodenschichten feucht sind, in den tieferen Bodenschichten herrscht jedoch immer noch Trockenstress.
Fischereivereine brauchen Unterstützung der Kommunen
Auf Fischereivereine kommen herausfordernde Zeiten zu. „Wichtig ist, dass die Vereine Unterstützung erhalten von den Kommunen“, sagt Arndt. Denn wenn in öffentlichen Gewässern das Wasser fehlt, müsse es aus dem öffentlichen Netz bezogen werden. Laut Joachim Lösing gibt es zumindest „punktuelle Maßnahmen“ gegen das Fischsterben vorzugehen.
Erstens könnten Bürgerinnen und Bürger ihren Wasserverbrauch reduzieren – beispielsweise auf private Pools verzichten. Zweitens müssten Flüsse wieder natürlicher werden. Begradigungen, Betonufer und Wehre müssten weichen und stattdessen Seitenarme und Durchgänge zu Zuflüssen entstehen. „Alle paar Jahre kann auch ein Bagger etwas Schlamm aus den Seen holen.“
Im Landkreis kam es in den letzten Monaten immer wieder zu einem Fischsterben. Mitte August trieben in der Bottwar bei Oberstenfeld rund 40 tote Barben, Döbel und Bachforellen. Als Ursache vermutete das Landratsamt eine Verschmutzung, die nach ersten Erkenntnissen aus einem Regenwasserrohr eines Industriebetriebs stammt.
Auf einem Abschnitt von etwa 200 bis 300 Metern sei nach dem Vorfall keinerlei Leben mehr zu finden, so der örtliche Fischereiaufseher. Die Wiederherstellung des Ökosystems werde Jahre dauern. Anfang Mai geriet zudem eine Gülle-Menge von rund 300 Badewannen aus einer Biogasanlage in die Metter bei Sersheim – die Fischpopulation im Fluss wurde fast vollständig ausgelöscht.