Fischsterben im Max-Eyth-See Wie schlimm ist die Lage in der Region?

Von Veronika Kanzler 

Es ist eine regelrechte Katastrophe: Im Max-Eyth-See in Stuttgart sind in den vergangenen Tagen rund 50 000 Fische verendet. Ursachen gibt es mehrere – und sie sprechen dafür, dass dies auch anderswo passieren könnte.

Dramatisches Fischsterben in den vergangenen Tagen  im Max-Eyth-See. Wie ergeht es den Seen auf den  Fildern? Foto: picture alliance/dpa
Dramatisches Fischsterben in den vergangenen Tagen im Max-Eyth-See. Wie ergeht es den Seen auf den Fildern? Foto: picture alliance/dpa

Filder - Im Max-Eyth-See ist es in der ver­gangenen Woche zu einem katastrophalen Fischsterben gekommen. Innerhalb von wenigen Tagen sind dort mehr als 50 000 Fische verendet. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Hohe Temperaturen, wenig Sauerstoffzufuhr oder ein hoher Nährstoffgehalt im Wasser begünstigen den kritischen Zustand. Handelt es sich hierbei um einen Einzelfall? Wie ist die Situation bei den Seen auf den Fildern? Die örtlichen Anglervereinen und Kommunen geben Antworten.

Der Riedsee in Stuttgart-Möhringen

Bei Möhringen, in Richtung Sonnenberg, liegt der im 19. Jahrhundert angelegte Riedsee. Die Beliebtheit ist Fluch und Segen zugleich: „Bei unserer letzten Aufräumaktion haben wir unter anderem sechs Fahrräder, zwei Ampeln, einen Tresor und einen kompletten Satz Reifen aus dem See geholt“, erzählt Franco Agostini, erster Vorsitzender des Anglervereins Möhringen. Je mehr Müll im See liegt, desto schlechter sei die Wasserqualität. Erschwerend komme hinzu, dass der Riedsee mit einer Wassertiefe von gerade einmal einem Meter relativ flach sei. Abhilfe könnten neu angesiedelte Pflanzen schaffen – laut dem Vorsitzenden werden diese jedoch immer wieder von den Besuchern herausgerissen.

Diese Umstände sowie fehlende natürliche Zu- und Abflüsse führen dazu, dass der Riedsee immer wieder eine kritische Wasserqualität hat. Im vergangenen Jahr führte dies zu vereinzeltem Fischsterben, berichten sowohl Franco Agostini als auch Ann-Katrin Gehrung, Pressesprecherin der Stadt Stuttgart. Der Anglerverein Möhringen machte sich damals sofort an die Arbeit und setzte Lüftungsanlagen ein, die das Wasser durch Pumpen ansaugten und dann wieder in den See zurückleiteten. Dadurch kann das Wasser zusätzlich Sauerstoff aus der Luft aufnehmen – und ein massenhaftes Fischsterben wurde so verhindert.

Auch in diesem Jahr stand der Sauerstoffgehalt des Wassers auf der Kippe. „Wir haben früh reagiert und Lüftungsanlagen aufgestellt – ein Fischsterben gab es dieses Jahr deshalb nicht“, sagt Agostini. Kontrolliert wird die Sauerstoffqualität wöchentlich vom Anglerverein, auch Mitarbeiter der Stadt Stuttgart überwachen den See regelmäßig.

Der Probstsee in Stuttgart-Möhringen

Noch besser als beim Riedsee ist die Lage am Möhringer Probstsee – obwohl auch dieser sehr flach ist und keinen Zu- und Abfluss hat. Er gilt als sogenanntes Stillgewässer, doch der Sauerstoffgehalt des Wassers ist zufriedenstellend. Das liege vor allem an einer besseren In­frastruktur. „Es gibt viel Schilf, und allgemein wachsen dort sehr viele Pflanzen“, erklärt Agostini, dessen Anglerverein neben dem Riedsee auch den Probstsee von der Stadt gepachtet hat. Außerdem sei der See nicht so gut besucht wie der Riedsee. Die Natur könne sich somit ungestörter entfalten. Und weiter: Wenn vereinzelt Fische gestorben sind, dann sei dies krankheitsbedingt passiert, beispielsweise weil zu viel Vogelkot auf einmal im See gelandet ist oder weil etwa ein Kadaver zu spät entdeckt wird.

Der Bärensee in Filderstadt

Als „Sonderfall“ bezeichnet Claudia Arold vom Umweltreferat der Stadt Filderstadt den Bärensee, der im Wald zwischen Plattenhardt und Stetten liegt. Dieser sei bekannt als schwieriges Fischereigewässer. Derzeit stehe die Frage im Raum, ob er überhaupt weiterhin für die Fischerei zugelassen wird. „Das liegt daran, dass sehr wenig neues Wasser im See ankommt“, erklärt Arold. Und das Wasser, das ankomme, sei zu allem Übel sehr sauerstoffarm, weil es sich dabei um Quellwasser handelt. Deshalb ist die Qualität wetterunabhängig und das ganze Jahr über gleichbleibend. Normalerweise werden jedes Jahr neue Fische in den See gelassen. Aufgrund der schlechten Situation ist nun genau das Gegenteil der Fall: Alle noch vorhandenen Fische werden geangelt. „Ein Fischsterben gab es aber noch nicht, das ist eine Vorsichtsmaßnahme“, betont Arold.

Ein Gutachten, das von der Stadtverwaltung und dem Anglerverein Bärensee in Auftrag gegeben wurde, soll konkret aufzeigen, wie es mit dem Bärensee weitergeht. Eine der drängendsten Fragen ist, ob es überhaupt noch Sinn macht, den Fischbestand des Sees wieder aufzubauen oder nicht.