Fitness-Boom in sozialen Medien Brasiliens Fitnessszene feiert ihre Helden

Fitnessmodel Juliana Salimeni ist in  Brasilien mehr gefragt als Brasiliens  Olympiasieger. Foto:Facebook Foto:  
Fitnessmodel Juliana Salimeni ist in Brasilien mehr gefragt als Brasiliens Olympiasieger. Foto:Facebook

Die Instagram-Generation definiert sich gerne über ihren Körper – in São Paulo treffen sich zurz eit ihre Stars

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Sao Paolo - Wenn das Fitnessmodel Juliana Salimeni ihren gestählten Körper bei Instagram zeigt, schauen mehr Leute zu als ganz Schweden Einwohner hat. Und über die 22,6 Millionen Follower, auf die die fünf deutschen Fußball-Nationalspieler des FC Bayern München, Mats Hummels, Thomas Müller, Joshua Kimmich, Manuel Neuer und Jérôme Boateng, zusammen bei der sozialen Media-Plattform Instagram kommen, können die brasilianischen Ernährungsberater, Fitnesstrainer und Models Juliana Salimeni (12,8 Millionen), Gracyanne Barbosa (6,1), Bella Falconi (3,2), Dani Bolina (2,8) und Felipe Franco (2,9) nur müde lächeln.

Die Fitnessstars überragen das prominente Bayern-Quintett um satte fünf Millionen digitale Fans. Tendenz steigend. Und das fast nur, indem sie Hanteln stemmen oder Proteine empfehlen. Das Zahlenspiel verdeutlicht, warum die Fitnessmesse in São Paulo eine der wichtigsten digitalen Geschäftstermine dieser Welt ist.

In Brasilien ist der Körperkult sehr ausgeprägt

Nirgendwo ist der Körperkult so ausgeprägt wie in Brasilien, an dessen Stränden möglichst wenig Textil wichtig, aber noch mehr Muskelmasse entscheidend ist. Zu den Rockstars, Fußballprofis und Topmodels gesellt sich nicht nur, aber vor allem in Brasilien eine weitere Gattung, welche die Veranstalter folgerichtig „Celebridades fitness“ (Fitness-Berühmtheiten) nennen.

Und diese Fitness-Berühmtheiten verändern die Märkte rasant. Wenn Juliana Salimeni zwischen den Fotos ihrer Trainingseinheiten Bilder von Fitnessprodukten, Outfits oder Trainingsprogrammen postet, dann klingelt die Kasse: bei ihr und bei den Auftraggebern. Und während sich die Journalisten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 oder in Pyeongchang 2018 über die schwache Zuschauerauslastung wunderten, steigern sich die Zugriffszahlen von Salimenis Fitnessvideos täglich. Mit Ausnahme des Fußballs verliert der klassische Sport zunehmend an Präsenz und Strahlkraft bei den Zuschauern. Und es sind die Instagram-nahen Sportarten und Präsentationen, die ihm die internetmediale Aufmerksamkeit wegnimmt. Die Fitnessmesse Arnold Sports Festival South America in São Paulo, benannt nach dem Urvater des Bodybuildings, Arnold Schwarzenegger, zieht mehr Menschen in ihren Bann als die Leichtathletik-Wettbewerbe bei Olympia in Rio de Janeiro. Die Botschaft: Sport ist nicht mehr zum Zeitvertreib oder Teambuilding, sondern zur Selbstdarstellung und Inszenierung da.

Die Olympiasiegerin hat gegen die Instagram-Stars keine Chance

Brasiliens erste Olympia-Siegerin bei den Spielen 2016 im eigenen Land, die Judoka Rafaela Silva, trainiert mindestens so hart wie Juliana Salimeni, wahrscheinlich sogar härter. Doch so sehr sich Silva auch bemüht, sie kommt in den sozialen Netzwerken trotz ihres nationalen Heldenstatus und Trainingsbildern nur auf 300 000 Follower. Und deshalb laden die großen Fernsehstationen eben das Fitnessmodel Salimeni zu den Shows ein und nicht die Judo-Olympiasiegerin Silva. Weil das Fitnessmodel Quote bringt.

Passend, dass Salimeni obendrein auch noch mit ihrem privaten Leben Interesse generieren kann. Sie hat ihren Trainer und Ernährungsberater Felipe Franco geheiratet. Und der hat inzwischen auch schon doppelt so viele Fans wie die Fußballstars Mats Hummels und Joshua Kimmich zusammen.




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