Fitness-Profi „Coach Caro“ „Auch mit 40 plus darf ich sexy sein“ – Stuttgarter Bodybuilderin coacht Frauen

Die Stuttgarterin Caroline Jordan ist Bodybuilderin und Fitness-Coachin für Frauen über 40. Foto: Scheffel/Tayfun Ayra

Die 49-jährige Caroline Jordan hat sich selbst neu erfunden. Heute ist sie Bodybuilderin und Fitness-Coachin. Dieses neue Selbstbewusstsein will sie anderen Frauen Ü40 weitergeben.

Reispudding mit Hühnchen zum Frühstück? Für Caroline Jordan ist das nichts Besonderes. Die 49-Jährige aus Stuttgart ist Bodybuilderin und bietet parallel deutschlandweit als „Coach Caro“ Fitness-Coachings für Frauen über 40 an. Auf Social Media teilt sie Fitness-Tipps und ihre Bodybuilding-Karriere mit ihren Followern.

 

Was bereits nach einem Vollzeitjob klingt, macht bei Jordan zwar einen großen und wichtigen Teil ihres Lebens aus, ist jedoch nicht alles. Denn hauptberuflich arbeitet die gebürtige Schwedin zudem im Bereich Retail und Personal Shopping in einem Stuttgarter Modehaus und ist alleinerziehende Mutter zweier Söhne.

Stuttgarterin balanciert Bodybuildung, Fitness-Coaching, Job und Familie

Um das alles unter einen Hut zu bekommen, muss man früh aufstehen, so viel ist sicher – und das ist wörtlich gemeint. Üblicherweise trifft man die Stuttgarterin bereits morgens früh um sechs Uhr im Powerhouse Gym, einem Fitness-Studio im Stuttgarter Westen. Dann schlafen ihre Söhne noch und sie startet ihr Training. Die Vereinbarkeit des Sports mit Familie und Hauptjob ist für die ausgebildete Coachin kein Problem, sondern viel mehr eine Frage der richtigen Organisation, wie sie erzählt. Mithilfe von Routinen, Meal Prepping und Co. klappe das. Das ist ihr wichtig: „Mein Sport hat für mich eine hohe Priorität, auch, weil es mir mental sehr gut tut.“

Das war nicht immer so. Jahrelang hatte die heute 49-Jährige mit Unsicherheiten und falschen Körperidealen zu kämpfen. „Ich gehöre zu einer Generation, in der Heroin Chic und super skinny als Schönheitsideale galten“, erzählt sie. Lange mühte sie sich mit Cardio-Trainings und diversen Diätprogrammen ab, um diesem vermeintlichen Ideal zu entsprechen. Doch dann kam der Wendepunkt. „Nach der Geburt meiner Kinder habe ich einen neuen Blick auf meinen Körper bekommen.“

Caroline Jordan: „Auch mit 40 plus darf ich sexy sein“

Im Alter von 42 Jahren kam die zweifache Mutter über ein Online-Coaching zum Kraftsport und entdeckte darin ihre Leidenschaft. „Ich habe das Gefühl, dass Frauen ab 40 aufs Abstellgleis gestellt werden“, so die 49-Jährige. „Dabei ist das doch Quatsch: Auch mit 40 plus darf ich sexy sein und mich in meinem Körper wohlfühlen.“

Diese Erkenntnis möchte Caroline Jordan mit anderen Frauen Ü40 in ihren Coachings teilen und ihnen darüber hinaus die Angst vor Krafttraining und Fitness nehmen. „In meinen Coachings gebe ich nicht nur Trainingstipps, sondern will den Frauen auch vermitteln, dass sie selbstbewusst an die Sache herangehen und dann auch etwas schaffen können. Viele trauen sich das nicht zu.“

Im Powerhouse Gym im Stuttgarter Westen trainiert Caroline Jordan viermal pro Woche. Foto: Scheffel

Ihre eigene Selbstverwirklichung findet Caroline Jordan derweil beim Bodybuilding. Dass das viel Arbeit ist, zeigt sich bei unserem Besuch im Fitnesstudio. Es ist nicht, wie sonst, sechs Uhr, sondern etwas später – denn Jordan hat gerade Urlaub und befindet sich in der „Peak Week“. So heißen die Tage vor einem Wettkampf, bei dem sie als Bikini Masters Athlete antritt und ihren Körper vor einer Jury präsentiert.

3000 Kalorien pro Tag beim „Carbloading“

Dann werden die Trainingseinheiten heruntergefahren und der Körper beim sogenannten „Carboloading“ durch erhöhte Kohlenhydratzufuhr gestärkt, bevor er am Wettkampftag abliefern muss. Die Ernährungsstrategie, der viele Athleten in diesem Bereich nachgehen, sorgt dafür, dass der Glykogenspeicher in den Muskeln maximal gefüllt und das Wasser im Körper minimiert wird. Auch jetzt arbeitet Jordan daran.

In der normalen Trainingsphase trainiert die 49-Jährige viermal pro Woche nach einem genauen Plan. In der Aufbauphase etwa nimmt sie dann auch schon mal über 3000 Kalorien zu sich. „Der Körper benötigt genug Energie, um Muskeln aufbauen zu können“, sagt sie. Dann kommen etwa Reis, Süßkartoffeln, Haferflocken, Fisch oder Hühnchen auf den Teller. In der sogenannten „Prep-Phase“, der Diät-Phase, hingegen nimmt die Sportlerin möglichst wenig, etwa 2100 oder sogar nur 1800 Kalorien zu sich, um Körperfett abzubauen und die aufgebauten Muskeln sozusagen „freilegen zu können“.

Mahlzeiten abwiegen – Bodybuilding erfordert eiserne Disziplin

In jedem Fall muss die Stuttgarterin ihre Mahlzeiten stets gründlich abwiegen und überwachen. Nervt das nicht manchmal? „Es ist nicht so wichtig für mich, weil ich mein Ziel vor Augen habe“, so die Sportlerin. Man lerne so auch, mehr darauf zu achten, was täglich auf den Teller kommt. „Wenn du etwas erreichen willst, dann musst du das zu deiner Identität machen. Ich identifiziere mich als Athletin Caro. Deshalb ist es für mich kein Verzicht.“ Außerdem gebe es auch „Cheatdays“: „Ich gehe auch mal mit meinen Kids Burger oder Pizza essen“, erzählt die 49-Jährige.

Ob sie als Bodybuilderin häufig mit Vorurteilen oder Kritik konfrontiert ist? „Bodybuilding hat leider keinen so guten Ruf“, sagt Jordan. „Dabei lernt man wahnsinnig viel über seinen Körper.“

Zum Bodybuildung gehört auch das Posing: Caroline Jordan bei einem Wettkampf. Foto: Tayfun Ayra

Was viele irritiere: Bodybuildung wird zwar als Wettkampfsport betrieben, ist in Deutschland jedoch nicht offiziell als Leistungssport durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannt. Denn anders als beim Kampfsport liegt der Fokus beim Wettkampf auf der Ästhetik des Körpers. Ein Punkt, den viele Mitglieder der Szene kritisieren. Gleichzeitig macht diese Einordnung klar, was alles hinter dem Sport steckt – denn das wüssten viele gar nicht, so Jordan. „Beim Bodybuildung geht es auch ums Präsentieren, man muss gewisse Posen beherrschen.“

49-Jährige will mit Klischees aufräumen

Viele Leute gingen zudem davon aus, dass beim Bodybuilding durch künstliche Mittel zum Muskelaufbau „getrickst“ werde. Mit diesem Klischee möchte die Stuttgarterin aufräumen. Es gebe sicherlich Bodybuilder, die auf solche Hilfsmittel zurückgreifen, sie selbst und viele andere seien allerdings „natural“ und rein durch Training und Disziplin erfolgreich.

In ihrem direkten Umfeld unter Kollegen, Freunden und der Familie begegnet Caroline Jordan Akzeptanz, viele zeigten sich beeindruckt von ihrer Disziplin, erzählt die 49-Jährige. Ihre Söhne seien anfangs skeptisch gewesen, doch dann hätten sie eine Show miterlebt. „Heute sind sie stolz auf mich“, freut sich die zweifache Mutter.

Auf Social Media sieht das teils anders aus. Neben positivem Feedback ist die Stuttgarterin häufig auch mit negativen Reaktionen konfrontiert. Kommentare wie „abstoßend“ oder Beleidigungen seien keine Seltenheit, erzählt die Stuttgarterin. „Damit muss man umgehen können.“

Bodybuilding

Klassen
Im Bodybuilding gibt es unterschiedliche Klassen für Männer sowie für Frauen. Die bekanntesten Klassen sind Classic Physique, Men’s Physique, Bikini, Wellness, Figur und Women’s Physique – je nach Gewicht, Größe und Körperbau.

Kategorien je nach Alter
Unter der Kategorie „Junior“ laufen Wettkampf-Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 18 bis 23 Jahren. „Master“ bezeichnet Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 35 Jahren.

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