Fixpunkt der guten Sache Der etwas andere Buchladen

Helga Bartsch schmeißt den Laden in der Marienstraße  in ihren Schichten mit drei Kolleginnen. Foto: Martin Haar
Helga Bartsch schmeißt den Laden in der Marienstraße in ihren Schichten mit drei Kolleginnen. Foto: Martin Haar

Die Oxfam-Niederlassung in der Marienstraße ist ein Fixpunkt für die gute Sache: Der Laden bietet Ehrenamtlichen eine Plattform, etwas für sich, die Kunden und für eine bessere Welt zu tun. Helga Bartsch ist schon seit 15 Jahren dabei und schwärmt.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Stuttgart - Wohin mit den ausgelesenen Büchern, wenn das Regal schon überquillt? In einer der vielen Bücherkiste der Stadt? Im Internet bei einem professionellen Unternehmen verkaufen? Oder einfach ins Treppenhaus in eine Kiste legen und verschenken? Wem alle Varianten nicht zusagen, der hat eine vierte Option – und die lautet Oxfam.

Hinter dem zusammengesetzten Wort Ox(ford) und Fam(ine), was übersetzt Hunger bedeutet, verbirgt sich ein internationaler Verbund verschiedener unabhängiger Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die sich immer wieder in die Weltpolitik einmischen. Doch in Stuttgart leistet Oxfam sozusagen Basisarbeit. In der Stadt gibt es zwei Oxfam-Niederlassungen: einen so genannten Mixed-Shop in der Lange Straße, die sich auf Kleider und Accessoires spezialisiert hat. Und einen Buchladen in der Marienstraße.

50 Mitarbeiter

Vor allem dieses Geschäft vis a vis des Gerber wirkt eher unscheinbar. Es hat den Anschein eines kleinen, feinen Inhabergeführten Buchladens. „Die meisten, die hier vorbeigehen, wissen gar nicht, dass wir gespendete Bücher verkaufen“, sagt Helga Bartsch, die seit 15 Jahren im Oxfam-Team ist. Zusammen mit rund 50 Kolleginnen und Kollegen arbeitet sie ehrenamtlich in dem ungewöhnlichen Buchladen, der gespendete, gut erhaltene Dinge zugunsten der internationalen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation verkauft.

Seit Helga Bartsch 2006 bei Alcatel in die Altersteilzeit gegangen ist, schmeißt sie mit anderen Freiwilligen den Laden vor und hinter den Kulissen. „Dieses Ehrenamt kam mir entgegen“, sagt sie, „denn ich bin ein Bücherfreak.“ Seitdem hat sie sich verpflichtet, einmal pro Woche eine Schicht (10 bis 14.30 Uhr oder von 14.30 Uhr bis 19 Uhr) im Laden zu übernehmen. Möglich sei aber auch, zwei Schichten pro Woche für Gottes Lohn und einen Fahrtkostenausgleich zu arbeiten.

In ihren Schichten mit je drei Kolleginnen nimmt sie Sachspenden (aktuell sind rund 4500 Bücher, CDs oder DVDs im Laden) entgegen und taxiert deren Wert, dekoriert das Schaufenster, berät Kunden, macht Kasse und, und, und. Sie macht quasi die Arbeit einer Buchhändlerin. „Dieses Ehrenamt ist einfach toll“, sagt sie. Auch weil sich im Kollegenkreis viele Freundschaften gebildet haben. Aber mindestens genauso wichtig sei, dass sie so ihrem Alltag neben dem Ehrenamt beim TSV Weilimdorf, ihrem Mann und den Enkeln noch mehr Struktur gegeben könne. Nicht zuletzt gibt ihr dieser Job ein Feld, in dem sich weiterentwickeln konnte. Inzwischen ist Helga Bartsch eine echte Expertin: „Ich habe in all den Jahren ein gutes Gefühl entwickelt, was sich gut verkaufen lässt und was ein Ladenhüter ist.“

55 Shops

Das Wichtigste sei jedoch, dass man Gutes tut. „Die Einnahmen gehen immer direkt in irgendwelche Hilfsprojekte auf der Welt, wo Not herrscht“, sagt sie und führt das Ganze aus: Die Gewinne der bundesweit 55 Shops setzte Oxfam in der humanitären Hilfe, in langfristigen Entwicklungsprojekten sowie in politischen Kampagnen ein. Wichtig sei auch, dass Oxfam weltweit Menschen dabei unterstützt, sich selbst dauerhaft aus der Armut zu befreien.

Aber die Arbeit im Laden lässt es auch zu, im Kleinen zu wirken. Profit und Gewinnmaximierung stehen in den Oxfam-Läden nicht Mittelpunkt – sondern Mensch und der Dienst am Menschen. „Der Umgang ist hier ganz anders“, sagt Helga Bartsch, „man hat auch Zeit für Gespräche mit den Kunden.“ Und die seien so dankbar, dass sie nicht nur als Käufer oder Verkäufer gesehen werden, sondern als Mensch. „Wir reservieren auch schon mal ein Buch, wenn die Leute am Ende des Monats knapp bei Kasse sind“, sagt Bartsch. Zudem sei Oxfam der Secondhand-Gedanke wichtig. So leiste man einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Lebensweise, die hilft, Ressourcen zu schonen und Müll zu vermeiden.




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