FKK-Fans Licht, Luft und das Streicheln des Windes

Bernhard Mutschler (links) schätzt an seinem Verein die Gesellschaft – und die Freiheit nichts zu tragen Foto: factum/Granville
Bernhard Mutschler (links) schätzt an seinem Verein die Gesellschaft – und die Freiheit nichts zu tragen Foto: factum/Granville

Wie ist das eigentlich, wenn man am liebsten nackt herumläuft und ab und zu befremdete Blicke von angezogenen Zeitgenossen auf sich zieht? Alles kein Problem, sagen die Freunde der Freikörperkultur aus Ludwigsburg.

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Bernhard Mutschler ist der Vorsitzende des Familiensportbunds (FSB) Ludwigsburg, in dem auch Martina Celadnik Mitglied ist. Beide sind bekennende Fans der Freikörperkultur (FKK). Auf dem Vereinsgelände in Beilstein im Kreis Heilbronn genießen sie diese Freiheit, einfach mal nichts anzuziehen.
Frau Celadnik, Herr Mutschler, warum verbringen Sie ihre Freizeit nicht angezogen wie die meisten Menschen, sondern nackt?
Bernhard Mutschler: Kleidung ist das, was man halt anzieht, damit man nicht nackt herumläuft. Und bei so einem schönen Sommerwetter ist es doch herrlich, einfach nichts anzuhaben und Licht und Wind zu genießen.
Martina Celadnik: Ich kenne es nicht anders. Meine Familie macht FKK, seit ich drei Jahre alt war.
Mutschler: Ich bin Seiteneinsteiger und über den Sport an den Verein gekommen. Mein Tennis-Übungsleiter hat mir 1991 den Platz des FSB empfohlen. Wir sind also mit den Kindern, damals acht und zehn Jahre alt, mal hingefahren und haben gedacht: Das passt. Es sind sympathische Menschen hier, die gemeinsam Sport treiben, essen, trinken – das hat mir gefallen. Bewegung war mir immer wichtig. Und das auch noch nackt – das ist doch toll!

Wie? Sie machen nackt Sport?
Celadnik: Beim Volleyball kann man sich natürlich auch was anziehen.
Mutschler: Da hat die Nacktheit schon Grenzen, einfach wegen der Sicherheit.

Also guckt niemand im Verein komisch, wenn Sie doch mal Kleidung tragen?
Celadnik: Nein. Andersrum würde ich aber nie oben ohne am See liegen oder ins Freibad gehen, nur hier unter Gleichgesinnten. FKKler gucken sich nicht auf den Körper, sondern in die Augen. Wenn wir nackt sind, sind wir alle gleich. Da ist es egal, ob jemand einen Doktortitel hat oder eine Bluse von Aldi oder von Versace trägt.

Aber Sie wollen mir doch nicht sagen, dass da niemand die Figur des Anderen taxiert, wenn man sie so präsentiert bekommt?
Celadnik: Doch, will ich. Man ist toleranter. Diese unangenehmen Blicke gibt es nicht. Ob eine Frau einen größeren Busen hat oder einen kleinen, ist wurscht.
Mutschler: Und es ist doch auch schön, das Alter zu akzeptieren. Man lernt, sich selbst anzunehmen.
Celadnik: Und wenn ein 80-jähriges Ehepaar im Kroatienurlaub Hand in Hand nackt am Strand entlanggeht, hat das nichts geschmackloses. Die Leute kommen und gehen nackt.
Mutschler: Ich gehe im Urlaub unglaublich gerne wandern. In Frankreich gibt es so große Gelände, dass man sich auch ohne Gaffer frei bewegen kann. Wobei: einmal haben sich bekleidete Urlauber verlaufen und standen plötzlich vor uns.
Celadnik: Oh! (lacht) Das war denen peinlicher als dir, was?
Mutschler: Ja, wir sind’s ja gewöhnt.

Herr Mutschler, hätten Sie jemals gedacht, dass Sie FKKler werden?
Mutschler: Nein. Ich bin in den Fünfzigern aufgewachsen in einem Haus, in dem sich die Eltern vor den Kindern nie ausgezogen haben. Sich vor anderen zu entkleiden, konnte ich mir lange nicht vorstellen.
Celadnik: Meine Mutter ist damals überrumpelt worden von meinem Vater. Die hätte sich das nie vorstellen können, nie! Aber für uns Kinder war es ein Traum, Urlaub in Kroatien und keine Klamotten. Seitdem ist anderer Urlaub für mich nicht mehr vorstellbar. Oder das Freibad! Da fängt es an, das Baucheinziehen. Da wird man selbst von anderen Frauen angestarrt, wenn man sich nackt duscht!

Sie haben beide Kinder. Sind die ebenso begeisterte FKKler wie Sie?
Mutschler: Meine haben es eine Weile mitgemacht, sind aber längst flügge und dem FKK nicht treu geblieben. Aber für meine Tochter ist Nacktheit noch immer normal. Mein Sohn hat als Kind die Unbefangenheit sehr genossen. In der Pubertät hat er sich dann zu verstecken begonnen, dann kam die Scham.

Frau Celadnik, Ihre Kinder sind mit elf und 15 Jahren kurz vor der Pubertät oder mitten drin. Ziehen sie sich auch zurück?
Celadnik: Nein, noch gibt es keine Anzeichen dafür.

Erzählen sie in der Schule, was sie am Wochenende gemacht haben?
Celadnik: Keine Ahnung, vermutlich sagen sie, sie waren auf dem Gelände. Das habe ich früher auch immer gesagt. Da gab es keine Fragen, keine Diskussion. Es ist natürlich schon aufgefallen, dass ich nie mit im Freibad war und trotzdem immer streifenfrei braun.
Mutschler: Wenn ich Bekannten vom FKK-Urlaub erzähle, gucken die natürlich.
Celadnik: „Ich finde es toll, dass ihr sowas macht, aber für mich wär das nichts.“
Mutschler: Da wird schnell das Thema gewechselt. Viele gucken nur groß, aber Fragen kamen fast nie.

Haben sie Vorurteile?
Celadnik: Ja, denn sie haben dämliche Fantasien. Diese Verbindung mit dem Sexuellen. Dass es da nur abgeht im Verein. Dass die Männer permanent mit einem Ständer in der Gegend rumlaufen. Dabei ist es doch viel reizvoller, wenn man verhüllt ist.
Mutschler: Ja?
Celadnik: Ach Bernhard, da musst du mich nicht angucken, das musst du schon selbst wissen.
Mutschler: Ja, man linst dann schon mal. Aber wenn dann alles ausgezogen ist...
Celadnik: ...ist es einfach, aahh, befreiend. Manche glauben auch, mit ein paar Speckrollen kann man da nicht auftauchen. So ein Quatsch. Oder sie fragen: Was macht ihr, wenn’s regnet oder kalt ist? Ja, äh, dann ziehen wir uns auch an.
Mutschler: Wobei ein warmer Sommerregen auch toll sein kann. Und nackt in der Sonne liegen, wenn ein kleiner Wind geht, das ist wie gestreichelt werden. Genuss pur! Das Schöne am Nacktsein ist ja auch: ich muss mir nicht überlegen, was ich anziehe, ob das Hemd zur Hose passt – einfach herrlich!
Celadnik: Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch modebewusst sind. Wir haben halt ein schönes Badetuch.




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