FKK in Kroatien Wie Nudisten Urlaub machen
Vor 60 Jahren eröffnete der erste FKK-Campingplatz Kroatiens und gab damit den Startschuss für weitere 110 Camps. Wie Nudisten Urlaub machen.
Vor 60 Jahren eröffnete der erste FKK-Campingplatz Kroatiens und gab damit den Startschuss für weitere 110 Camps. Wie Nudisten Urlaub machen.
Koversada - 60 Jahre nackig – wenn das kein Grund zu feiern wäre? Im Spätsommer 1961 fuhr ein VW-Bully des neu gegründeten Reiseveranstalters Miramare vor der kleinen Insel Koversada ans Ufer, Urlauber aus München stiegen aus und kletterten mit ihren Koffern und Taschen in ein kleines Fischerboot. Weder sie noch der Firmengründer Rudolf Halbig ahnten, dass sie die Pioniere einer neuen Ära waren.
Länger als fünf Minuten dauerte die Überfahrt nicht, ehe sie an Land stiegen und kurz danach hüllenlos ins Meer hüpften. Das Zeitalter des FKK-Campings im damaligen Jugoslawien war damit eröffnet. 60 Jahre später steht Koversada noch immer als Synonym für Urlaub ohne Hüllen. Auch wenn in Zeiten von Corona das Betreten der Waschhäuser klar geregelt ist: Gerne nackig – aber bitte mit Maske.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Fünf Städte in Kroatien für jeden Geschmack
Es hat sich einiges geändert, seit damals die ersten Urlauber in die Zelte von Rudolf Halbig kletterten. Auf die fast runde, gut 150 Meter lange und breite Insel führt längst ein schmaler Steg, Jahre später entstand auch ein Fischrestaurant mit einem grandiosen Ausblick aufs Meer. Fast täglich sieht man kurz vor Sonnenuntergang die Delfinfamilien aus dem Lim-Fjord vorbeischwimmen.
Da auf der autofreien Insel nur Zelte erlaubt sind, hat sich der Campingplatz aufs gegenüberliegende Ufer ausgedehnt. Bungalows, Safarizelte, Appartements und weitere Restaurants entstanden. Damit kann das Resort heute gut 5000 Nackt-Urlauber aufnehmen. Der gemütliche, nur teilweise renovierte Koversada-Platz ist trotz einiger Konkurrenz noch immer der größte und älteste FKK-Platz in Kroatien.
Ein bisschen schade ist nur, dass das 60-jährige Bestehen des Nackt-Pioniers nicht gefeiert wird: Das Touristikunternehmen Maistra, das neben Koversada einige Textil-Campingplätze, aber auch hochklassige Hotels betreibt, tut sich offensichtlich ein bisschen schwer mit den Nackten, und will sich auf Anfrage weder zum Jubiläum noch zur Zukunft des Platzes äußern.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Das müssen Sie bei der Reise nach Kroatien beachten
Eine modernere Variante des FKK-Urlaubs ist direkt gegenüber von Koversada, auf der anderen Seite des Lim-Fjordes zu finden. Camping Valalta wurde sieben Jahre nach Koversada in der Nähe von Rovinj eröffnet. Das Camp ist annähernd genauso groß und soll aufgrund seines großen Freizeitangebotes eindeutig auf Familien abzielen.
Mit seinem Wasserpark, den großen Pools, Animationprogrammen für alle Altersgruppen, einem Dampfbad und einer finnische Sauna unterscheidet er sich kein bisschen von Groß-Campingplätzen für Textilfreunde. Die auffällig gut gepflegte Anlage mit dem einzigen FKK-Hafen Kroatiens könnte auch Teil eines Luxushotels sein. Nur eben, dass alle Nackt sind.
Rund 110 FKK-Campingplätze gibt es inzwischen entlang der kroatischen Küste und die meisten bieten auch Unterkünfte für Nicht-Camper an. „Hin und wieder stellt ein Betreiber um auf Textil”, sagt Wolfgang Weinreich, der einstige Präsident der internationalen Naturisten Föderation (INF): „Das funktioniert aber meist nicht sehr gut. Die Plätze laufen dann nur mittelmäßig.”
Der 75-Jährige ist heute Pressesprecher von Miramare, dem einzigen Reiseveranstalter Deutschlands, der ausschließlich FKK-Reisen anbietet. „Inzwischen gibt es nicht nur Campingplätze und Hotels in diesem Segment, sondern auch Segelturns oder Kreuzfahrten mit 3000 Passagieren.” Richtig teuer sind die, sagt er, ärgert sich ein bisschen und freut sich über einen Kalauer: „Die Reedereien sind die einzigen, die es schaffen, einem Nackten in die Tasche zu greifen.”