FKK und Nudismus Warum sich diese Menschen nackt am wohlsten fühlen
Zwei FKK-Vereine unterhalten auf der Filderebene große Areale. Was ist das Besondere am kollektiven Nacktsein? Und was machen Nudisten eigentlich im Winter?
Zwei FKK-Vereine unterhalten auf der Filderebene große Areale. Was ist das Besondere am kollektiven Nacktsein? Und was machen Nudisten eigentlich im Winter?
Filder - Die Sonne strahlt durch die Baumwipfel und glitzert auf der gefrorenen Wasserfläche. Unter dem Eis ziehen Fischlein ihre Kreise. Hundegebell, irgendwo kräht ein Hahn. Das Vereinsgelände des BffL, kurz für Bund für freie Lebensgestaltung, zwischen Hoffeld und Schönberg ist eine Naturoase. Und so muss es auch sein. Die Mitglieder sind Naturisten, bewegen sich also mit Wonne nackt im Freien.
Seit mehr als 50 Jahren hat der 520 Mitglieder starke Verein den Garten mit den kapitalen Obstbäumen gepachtet. Hinter dem Sichtschutz gibt es Naturbecken, Tischtennisplatten, Boule- und Volleyballfelder, eine Grillterrasse, einen Spielplatz – ein Freizeittraum. Doch wieso nackt? Elisabeth Beron, die stellvertretende Vorsitzende, spricht von einer Überzeugung und Lebenseinstellung. Hüllenlos seien alle gleich, „es gibt kein Prestigeobjekt“. Das mache frei.
Und jetzt, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt? Elisabeth Beron lacht. „Ziehen wir uns an, weil’s kalt ist.“ Einmal im Monat ist ein Saunaabend auf dem Gelände, ansonsten treffen sich die Mitglieder zum Bogenschießen in der Sporthalle, zu Stammtischen, zu Wanderungen oder zum Adventskranzbinden. Bekleidet. „Nackt macht das nicht wirklich Sinn“, sagt die 67-Jährige. Es gehe schließlich nicht ums reine Entblößen, sondern um den Einklang mit der Natur.
„Wir sind letztlich wie ein Freibad. Wenn es kalt ist, ist der Laden dicht“, sagt auch Gottfried Stierle. Er ist der Vorsitzende des FKK-Familiensportbunds Fasanenhof (FSB), des zweiten Nudistenvereins in der Umgebung. Auch dort endet die Saison im Oktober. Das 110 Ar große Gelände, wo die 75 Mitglieder von Frühjahr bis Herbst sporteln, sich sonnen und schwimmen, befindet sich im Winterschlaf. „Da ist nichts mit FKK“, sagt der 67-Jährige. „Vereinszweck ist auch der Sport, im Winter ist das nicht möglich.“
Gottfried Stierle spricht von einem Lebensgefühl. Seit 40 Jahren sind er und seine Frau in der Freikörperkultur zu Hause. „Wenn man die Kleider ablegt, legt man den Alltag ab“, sagt er. Er spricht vom „Natürlichsten der Welt“, genieße es, die Sonne und die Luft auf der Haut zu spüren. Viele jedoch unterstellten Schlüpfriges. Gottfried Stierle weist das weit von sich. Im Gegenteil ginge es unter Nackten zivilisierter zu, „man ist etwas angreifbarer“, erklärt er. Spanner würden bei Kennenlerntagen rasch aussortiert. Auch beim BffL behält sich der Vorstand vor, unangebrachtes Verhalten mit einem Rauswurf zu ahnden, berichtet Elisabeth Beron, „wir sind da sehr vorsichtig“.
Michael Phieler, der Vorsitzende des Naturisten-Landesverbandes Südwest, kennt die Vorurteile ebenfalls. „Leider wurde versäumt, den Begriff FKK schützen zu lassen“, sagt er. Tatsächlich: Wer die drei Buchstaben bei Google eingibt, landet schnell bei Bordellen. „Wir leiden darunter“, sagt er.
Laut dem deutschen Verband für Freikörperkultur gibt es bundesweit mehr als 150 FKK-Vereine. Das Leitmotiv demnach: die Sehnsucht nach Harmonie mit der Natur. Doch die ist heute weniger ausgeprägt als früher. Laut Michael Phieler sind in den 21 Südwest-Vereinen die Mitglieder durchschnittlich 60 bis 70 Jahre alt, „eher nach oben tendierend“. Zwar gebe es bei jungen Familien seit wenigen Jahren wieder einen leichten Trend hin zur Nacktkultur, das Interesse der Jugend jedoch sei heute „nicht mehr so da wie früher“. Phieler, 75, vermutet, dass sie heute andere Möglichkeiten habe, sich frei zu bewegen, „früher war sicher ein gewisser Rebellionsgedanke dabei“.
Auch auf dem Fasanenhof bleiben die Nackten weitgehend unter sich. Zwar kämen auch Familien, und ein paar neue jüngere Mitglieder habe man jüngst auch gewonnen, grundsätzlich aber sei der FSB ein älterer Verein. Dabei könnten FKKler gerade Familien mit Kindern viel bieten, betont Elisabeth Beron. Sie blinzelt über den Naturteich mit Babybecken und Wasserrutsche. „Wenn eine Familie das mal verschmeckt hat, geht die nie wieder in ein Freibad.“