Flächennutzungsplan Vaihingen/Enz Halbzeit beim Kampf um Flächen

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Zufrieden ist keine der vier Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft mit der neuen Version des Flächennutzungsplanes. Doch sie stimmen zu – aus purem Pragmatismus.

In Vaihingen/Enz kann man mit der neuen Version des Flächennutzungsplanes leben – andere Kommunen sind alles andere als begeistert. Foto: Werner Kuhnle
In Vaihingen/Enz kann man mit der neuen Version des Flächennutzungsplanes leben – andere Kommunen sind alles andere als begeistert. Foto: Werner Kuhnle

Vaihingen/Enz - Wenn alles gut geht, dann wird heute Abend das vorläufige Ende einer schier unendlichen Geschichte besiegelt. Nach jahrelangem Hin und Her will die Verwaltungsgemeinschaft von Vaihingen, Sersheim, Oberriexingen und Eberdingen die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes bis 2020 beschließen. Seit 2005 diskutieren die vier Kommunen mit der Region und dem Regierungspräsidium Stuttgart (RP) über den Plan, zwischenzeitlich stand sogar eine Klage der Städte im Raum. Nun steht offenbar eine Kompromissversion – auch wenn die Bürgermeister dieser teils nur mit heftigem Zähneknirschen zugestimmt haben.

Noch im Januar stand die Koalition der vier Kommunen vor einer Zerreißprobe: Während Sersheim und Eberdingen angesichts der von RP und Region geforderten Abstriche bei den Flächen, die sie bis 2020 noch bebauen dürfen, gar den Klageweg erwogen, plädierten Vaihingen und Oberriexingen für einen Kompromiss, um überhaupt noch handlungsfähig zu sein. Letztere konnten sich schließlich durchsetzen – wenn auch nur unter großem Murren.

Bürgermeister sind unzufrieden

„Wir sind unzufrieden“, sagt Peter Schäfer, der Bürgermeister von Eberdingen. Seine Gemeinde bestehe aus drei Teilorten. Um keinen davon abzuhängen, müssten alle drei gleichwertig weiter entwickelt werden. Das sei bei den in der neuen Version des Flächennutzungsplans zugestandenen 3,6 Hektar kaum möglich. „Wir hätten sechs bis sieben Hektar gebraucht, um in jedem Teilort etwa zwei Hektar neue Wohnbaufläche zu entwickeln“, so Schäfer.

Ähnlich verstimmt ist Jürgen Scholz, Bürgermeister von Sersheim. Mit den 3,6 Hektar Fläche, die seine Kommune bebauen darf, „fängt man eigentlich gar kein Neubaugebiet an“, behauptet er. Bei so einer kleinen Fläche seien die Umlegungskosten für die künftigen Bewohner viel zu hoch. Doch er sehe die Sache inzwischen pragmatisch: Im Vergleich zu dem einen Hektar, der im Januar im Raum stand, seien die 3,6 Hektar immerhin ein Teilerfolg. Mittelfristig werde das aber auch nicht reichen: Sersheim wachse noch. Bei der nächsten Fortschreibung des Flächennutzungsplanes werde er sich deshalb um weitere Flächen bemühen.

Keine freien Bauplätze in Oberriexingen

In Oberriexingen gebe es schon jetzt überhaupt keine freien Bauplätze mehr, berichtet der Bürgermeister Werner Somlai. Zwar sei in den nächsten Jahren auch nicht mehr mit viel Zuzug zu rechnen, aber die Geburtenrate liege über der Sterberate. Daher habe er „zwei Mal geschluckt“, als die ursprünglich schon wenigen 2,6 Hektar nun auf 1,9 Hektar heruntergekürzt wurden. „Das ist zwar besser als nichts, aber wir sind nicht arg zufrieden“, sagt Somlai.

Immerhin: Gerd Maisch, Oberbürgermeister von Vaihingen/Enz, kann ganz gut mit dem neuen Entwurf leben. Die Abstriche halten sich in seiner Stadt aber auch in Grenzen: In Vaihingen dürfen bis 2020 insgesamt 34 Hektar Land bebaut werden. Doch auch aus einem anderen Grund war es dem OB wichtig, endlich einen Knopf an die Sache zu machen: „Dann haben wir wenigstens irgendetwas und können erst einmal arbeiten“, sagt er. Ein Gerichtsverfahren hingegen hätte die Kommunen im Zweifelsfall über Jahre blockiert, so Maisch.

Der Vaihinger OB geht davon aus, dass das Regierungspräsidium Stuttgart die neue Version der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes genehmigt – das sei ihm bereits signalisiert worden. Beim RP selbst war keine Stellungnahme zu dieser Sache zu erhalten. Thomas Kiwitt, der Chefplaner des Verbands Region Stuttgart, hingegen ist noch gespannt: Er kennt das Ergebnis des zähen Prozesses noch nicht.