Flamencos en route im Theaterhaus Mehr als die Summe seiner Einzelteile

Von Petra Mostbacher-Dix 

In „Mosaico“ kommen sechs Flamencotänzerinnen und -tänzer mit drei zeitgenössischen Tänzerinnen zusammen sowie ein Musikensemble, bestehend aus zwei Gitarristen, einem Perkussionisten, einer Sängerin und einem Sänger.

Das Ensemble von „Mosaico“ besteht aus Flamenco- und zeitgenössischen Tänzerinnen und Tänzern.     Foto: Alex Spichale
Das Ensemble von „Mosaico“ besteht aus Flamenco- und zeitgenössischen Tänzerinnen und Tänzern. Foto: Alex Spichale

Die Fäuste aufs Herz klopfend, den Körper im Rhythmus wiegend, hernach leidenschaftlich Kopf und Arme gen Himmel richtend, als ob es gelte, etwas zu beschwören: Diese Frauen und Männer scheinen regelrecht mit Maurice Ravels „Bolero“ zu verschmelzen. Sinnlich geben sie sich der Musik hin, gerade so, als ob sie ein Initiationsritual durchführten.

Und das in zwei Gruppen: Während die einen sich auf den Boden werfen, springen die anderen in die Luft und schreiten selbstbewusst zwischen den Liegenden. Es sind einzelne Episoden, bestehend aus zeitgenössischen und archaischen Tanz- und Musikmotiven, die „Mosaico“, das neue Stück der Tanzcompagnie Flamencos en route, ausmachen. Jedes Teil für sich ist eine Preziose mit eigener Geschichte, die unter die Haut geht. Vereint mit den anderen wird daraus trotz – oder gerade wegen – der Kontraste ein stimmiges Gesamtbild.

Methode schon in der Antike bekannt

Diese Methode war schon in der Antike bekannt als eine Gattung der bildenden Kunst: Indem man verschiedenfarbige oder verschieden geformte Teile zusammenfügte, entstanden neue Muster oder Darstellungen. Dafür konnten unterschiedliche Materialien verwendet werden, etwa Stein, Glas, Leder, Papier oder Stoff. Und genau dieses kreative Potenzial zwischen Vielheit und Einheit ausloten, das wollte Brigitta Luisa Merki, Choreografin und künstlerische Leiterin von Flamencos en route.

„Ein Mosaik ist ein Sinnbild für etwas großes Ganzes, das aus ganz vielen Einzelteilen besteht“, erklärt sie. „Das große Ganze funktioniert nur, wenn jedes einzelne Teil am richtigen Ort ist. Für mich ist ein Mosaik auch ein Sinnbild für Choreografie. Jede Tänzerin, jeder Tänzer, jede Schrittvariation fügt sich zu einem Ganzen zusammen.“

Für „Mosaico“ hat sich Merki, die die Compagnie 1984 gegründet hat, denn auch mit einem Kollegen zusammengetan: Der spanische Choreograf David Coria hat einen Teil des Werks geschaffen, Merki die anderen Teile.

Jede Produktion hat ein eigenes Ensemble

Die Schweizerin wollte bewusst zwei Handschriften in der Inszenierung haben, um das choreografische Prinzip der bedeutungsvollen Ganzheit, bestehend aus kleinsten Einzelteilen, zu erforschen. Entsprechend erarbeiteten Coria und Merki unabhängig voneinander das dynamische Szenario aus Einzel- und Gruppenchoreografien. Der gemeinsame Nenner war die persönliche, konkrete Auseinandersetzung mit dem Agierenden.

Merki arbeitet mit einem künstlerischen Kollektiv, für jede Produktion stellt sie das passende Ensemble zusammen. In „Mosaico“ kommen sechs Flamencotänzerinnen und -tänzer mit drei zeitgenössischen Tänzerinnen zusammen sowie ein Musikensemble, bestehend aus zwei Gitarristen, einem Perkussionisten, einer Sängerin und einem Sänger. „Auf der Bühne stehen daher nicht nur Flamenco-, sondern auch zeitgenössische Tänzerinnen und Tänzer. Das alles zu einem Ganzen zusammenzufügen, war eine besondere Herausforderung“, schildert Brigitta Luisa Merki die Aufgabe.

Sowohl David Coria als auch sie hätten sich an den individuellen Begabungen und Ausdrucksformen der Mitwirkenden orientiert, um „Mosaico“ mit dem größtmöglichen Reichtum an Ausdrucksfarben zu gestalten. Die Kreation stehe für choreografische Freiheit in Inhalt und Form, so die beiden Künstler. „Und für den Reichtum des tänzerischen Stils und des individuellen Ausdrucks.“

Flamencos en route: Deutschlandpremiere am 10. Januar, 20 Uhr, weitere Termine bis 20. Januar, Theaterhaus, Tickets unter 07 11 / 4 02 07 20