Fleetwod Mac in Stuttgart Rumours, Blues und eine Traumvilla in Kalifornien

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Fleetwod Mac haben in der Schleyerhalle in Stuttgart Musik aus dem letzten Jahrhundert gespielt. Aber wie eine Nostalgiecombo oder eine Fleetwood-Mac-Coverband klingen sie nicht, urteilt der StZ-Kritiker Ulrich Bauer.

Fast drei Stunden hat der Konzertabend mit Fleetwod Mac in der Schleyerhalle gedauert. Foto: Gottfried Stoppel 2 Bilder
Fast drei Stunden hat der Konzertabend mit Fleetwod Mac in der Schleyerhalle gedauert. Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Einmal, mitten in diesem fast dreistündigen Konzertabends mit Fleetwod Mac vor 9500 Besuchern in der Stuttgarter Schleyerhalle hält Stevie Nicks eine lange Rede, die über den Charakter einer Zwischenansage hinaus geht. Sie erzählt von den frühen Tagen, wie sie sich mit dem Gitarristen Lindsay Buckingham getroffen hat, wie sie damals, zu Beginn der siebziger Jahre, die ersten Alben zusammen aufgenommen haben. Und wie dann der Moment gekommen ist, in dem Mick Fleetwood bei einer Session angeboten hat „Macht doch bei Fleetwood Mac mit!“. Lindsay Buckingham, der Songschreiber und Gitarrist, hat kurz überlegt und dann gesagt „Nur mit meiner Freundin zusammen“. Ja klar. Sowieso.

Ach, wahre Liebe! Hänsel und Gretel. Rührend. „Lindsay, sag’ was!“. Die beiden haben zusammen mit und als Fleetwood Mac das Album „Rumours“ aufgenommen. 1977 veröffentlicht. Ein legendäres Teil. Obwohl es musikalisch nichts Aufregendes brachte. Ein Meilenstein der kommerziellen Popgeschichte. Es sind wohl 40 Millionen Alben, die sie davon verkauft haben.

Und jetzt spielen sie „Second Hand News“ als Eröffnungsstück, ganz wie damals auf diesem Album. In der Mitte der Kern der Band, aber ohne die Keyboarderin Christine McVie. Rechts, auf einem eigenen Podest, sind zwei Sängerinnen sichtbar und links zwei Hilfsmusiker. Trotzdem ist das Klangbild nicht aufgeschwemmt. Mick Fleetwood, der Gründer und Schlagzeuger der Band, sieht mit seinem Bart inzwischen wie ein lustiger Burggraf aus. Der 66Jährige muss sich rechtschaffen mühen und schlägt sein Zeug manchmal recht wacklig. Daneben der alte Kämpe John McVie als Knappe am Bass, völlig unauffällig und stoisch: die beiden Rhythmusknechte des Unternehmens Fleetwood Mac.

Früher eine Bluesband – und heute?

Als Bluesband begann Fleetwood Mac 1967, Peter Green und viele andere waren die Gitarristen. Die wohlbekannten Titel „Albatros“, „Black Magic Woman“ und „Oh Well“ aus dieser Zeit spielen sie an diesem Abend jedoch nicht.

Aber jetzt „Second Hand News“ mit dem eher negativ eingefärbten Text des Verlassen- und Ersetztwerdens. Der Sänger und Gitarrist Lindsay Buckingham singt mit Stevie Nicks den Refrain als eine richtige Lottermelodie. Sie sind ja damals zur stadiontauglichen Popband geworden und die monatelangen Aufnahmesessions zu „Rumours“ hatten sich zu einer einzigen Drogenorgie entwickelt. Zudem hatten sich Buckingham und Nicks sowie das Ehepaar Christine und John McVie getrennt. Nachdem er von der Untreue seiner damaligen Ehefrau erfahren hatte, fing Fleetwood auch noch eine Affäre mit Nicks an, die ihrerseits nun anfing, mit jedem zu schlafen. Drama, Aufregung, Ekstase, Mythos.