Fleischermuseum Böblingen Eine Ausstellung durch dick und dünn

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Die Künstlerin Pia Maria Martin nimmt sich im Fleischermuseum das Thema Darm vor. Dazu hat sie einen Trickfilm gedreht und mit einem Musiker zusammen einen Klangraum installiert, in dem es unter anderem piepst und schmatzt. Die Innereien finden sich auch auf T-Shirts wieder.

Christian Baudisch zeigt neue Ausstellungsstücke: ein Shirt mit Darm. Foto: factum/Bach
Christian Baudisch zeigt neue Ausstellungsstücke: ein Shirt mit Darm. Foto: factum/Bach

Böblingen - Nach Plattencovern und Wolpertingern holt Christian Baudisch jetzt Kunst ins Böblinger Fleischermuseum. „Durch dick und dünn“ heißt die Ausstellung von Pia Maria Martin, die jetzt eröffnet worden ist. „Bei der Aufforderung, sich filmisch auf das Haus einzulassen, ist sie bei den Därmen gelandet“, erklärt der Museumsleiter die Thematik. Herausgekommen sind dabei ein Trickfilmkunstwerk und ein Klangraum in Kooperation mit dem Musiker Joachim Schütz. Außerdem hat die Künstlerin Stoffe mit Darm-Fotogrammen belichtet und in Vitrinen Fundstücke aus ihrem Arbeitsprozess gesammelt. Die Neuerfindung des Fleischermuseums setzt Christian Baudisch damit konsequent fort.

Gründlich auf die Materie eingelassen

Die Künstlerin hat sich gründlich auf die Materie eingelassen: Sie grub sich durch die Bibliothek des Hauses und lernte bei den Brüdern Heinkele in Weil der Stadt das Wurstmachen. Das Hinterhaus wird dieses Mal zum Hauptschauplatz der Ausstellung: Dort läuft ihr nur wenige Minuten dauernder Film in einer Endlosschleife. Die Installation im Klangraum bringt es dagegen auf zwei Stunden. Joachim Schütz sollte eigentlich nur Musik für den Kurzfilm komponieren. „Er hat aber viel zu viel gemacht“, sagt Christian Baudisch. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Es gurgelt, piepst und schmatzt in dem Raum, in dem sich die Besucher auf Ruhemöbeln niederlassen können. Auch Magenknurren wurde aufgenommen, und Pia Maria Martin liest dazu aus dem Werk „Der praktische Fleischer“ vor. „Sie haben sich kräftig ausgetobt“, findet Christian Baudisch. Das gilt auch für die Stoffstücke, die die Künstlerin mit Blutlaugensäure und Ammoniumzitrat lichtempfindlich machte. Dann legte sie unter anderem Därme und Metzgerswerkzeug darauf und ließ sie durch Sonneneinstrahlung belichten. „Mein Ziel war es, das Museum umzustülpen“, sagt Christian Baudisch über die Ausstellung, die bis 31. März läuft.

Fotokalender der Fleischerinnen

Bei der Langen Nacht der Kulturen an diesem Samstag gibt es von 19 Uhr an die passende Verpflegung dazu. Von 19 Uhr bis Mitternacht kann die Ausstellung besichtigt werden. Mit dabei ist der Verein „Wir sind anders“, den „junge, wilde Frauen des Fleischerhandwerks“ gegründet haben. Sie werden an dem Abend kulinarisch und optisch groß auffahren: Im Erdgeschoss servieren sie Essen und im ersten Stock stellen sie ihren neuen Fotokalender, für den die Fleischerinnen selbst Modell stehen, vor.




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