Fleischkonsum und Kennzeichnung Schmidts Anti-Veggie-Day

Nur wenn tierisches Bestandteile drin sind, soll die Wurst noch Wurst heißen. Für vegetarische Wurst sollen sich die Hersteller andere Namen ausdenken, fordert Agrarminister Schmidt. Foto: dpa
Nur wenn tierisches Bestandteile drin sind, soll die Wurst noch Wurst heißen. Für vegetarische Wurst sollen sich die Hersteller andere Namen ausdenken, fordert Agrarminister Schmidt. Foto: dpa

Der Agrarminister lässt sich von der Industrie einspannen, um für mehr Fleischkonsum zu werben. Dem Kunden nützt das nichts, meint Wirtschaftsredakteur Thomas Thieme.

Wirtschaft: Thomas Thieme (tht)
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Stuttgart - Was ist denn daran bitteschön so schwierig? Zuckerfreie Schokolade ist Schokolade ohne Zucker, alkoholfreies Bier ist Bier ohne Alkohol und ein vegetarisches Schnitzel eben ein Schnitzel ohne Fleisch. Es ist schwer nachzuvollziehen, wie das Voranstellen der Begriffe „vegetarisch“ oder „vegan“ vor eine Lebensmittelbezeichnung die Verbraucher verunsichern sollte, wie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt meint. Im Gegenteil: Gerade das erleichtert doch die Auswahl für den Vegetarier, den Veganer und denjenigen, der nicht auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs verzichten mag. Würden stattdessen Fantasienamen auf den Produkten stehen, müssten Kunden sich erst mühsam durch das Kleingedruckte auf der Verpackung arbeiten.

Die Debatte, die der Minister anstoßen will, hat neben dem Verbraucheraspekt auch eine politische Dimension. Schmidt begibt sich mit seinen markigen Aussagen zum Fleisch- oder eben Nicht-Fleischkonsum der Menschen auf ein heikles Terrain: Die Deutschen lassen sich nicht gern auf den Teller schauen. Das mussten schon die Grünen leidvoll erfahren, als sie sich im Bundestagswahlkampf 2013 mit dem Vorschlag eines Veggie-Days – einem fleischlosen Tag in deutschen Kantinen – eine blutige Nase holten. Der CSU-Agrarminister schlägt nun gewissermaßen zurück und fordert Fleisch auf alle Teller, egal ob in der Kita-, Schul- oder Bürokantine.

In einem Land, in dem jeder Bürger im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr isst, braucht es keine zusätzliche Lobbyarbeit für den Fleischverzehr seitens der Politik. Schmidts „Fleischwoche“ ist genauso unnötig wie der Veggie-Day der Grünen. In Ernährungsfragen gibt es wichtigere Fragen als die Deklaration fleischloser Produkte. Um sich den Gefahren bestimmter Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz oder Fett bewusst zu werden, könnte eine Lebensmittelampel auf Produkten nützlich sein. Doch dabei kommt die Politik seit Jahren nicht voran – auch zum Nutzen der Industrie.




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