Flexibler Busbetrieb in Schorndorf Gespanntes Warten am Straßenrand

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Ob der Bus tatsächlich kommt? Bei einer Probefahrt mit dem flexiblen Busbetrieb in Schorndorf gibt es die ein oder andere ungewohnte Situation zu meistern. Geklappt hat das meiste, allerdings hat das Mobilitätsprojekt insgesamt einen holprigen Start hingelegt.

Leider fährt der Bus Gottlieb auf der anderen Straßenseite – aber sonst hat auf der Probefahrt das meiste  geklappt. Foto: Gottfried Stoppel
Leider fährt der Bus Gottlieb auf der anderen Straßenseite – aber sonst hat auf der Probefahrt das meiste geklappt. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Eine unstabile App, ein Bestellsystem, das nicht so arbeitet wie es soll: Der Start des flexiblen Busbetriebs in Schorndorf war ziemlich holprig. Grund genug, das neue Angebot für den Süden der Stadt einmal selbst auszuprobieren.

Das Herunterladen der entsprechenden Reallabor-App ist eine Sache von Minuten, die Buchung der ersten Fahrt klappt ebenfalls reibungslos. Allerdings sind es auch noch zwei Tage bis zur tatsächlichen Abfahrt – sicher ist sicher. Um den virtuellen Haltepunkt an der Johannesstraße zu finden, ist ein Blick auf die in der App hinterlegte Karte nötig. In der Realität ist es dann doch ein seltsames Gefühl, sich ohne ein entsprechendes Schild einfach an die Straße zu stellen. Die Frage, ob es überhaupt die richtige Seite ist, wird wenig später beantwortet – ist es leider nicht.

Die Probefahrt endet früher als gewünscht

Also heißt es, schnell dem Fahrer winken und über die Straße springen. Ziel der Fahrt im Bus Gottlieb ist die Karlstraße, Höhe Augustenplatz. Es ist Samstagvormittag, auf den Straßen in der Innenstadt staut sich der Verkehr. Der Gottlieb-Fahrer tippt hektisch auf sein Display – und öffnet bereits am Bahnhof die Tür, um mich hinauszulassen. Das ist noch zwei Stationen vom eigentlich gebuchten Ausstieg entfernt. Warum er das tut, vergesse ich vor lauter Überraschung zu fragen.

Immerhin befindet sich der ungewollte Ausstieg unweit des Marktplatzes. Von dort soll es nämlich zurück in die Johannesstraße gehen. Das System zeigt Abfahrtszeiten im Zehn-Minuten-Takt an. Die ersten zwei möglichen Zeiten können angeklickt, aber dann doch nicht gebucht werden. Die dritte Fahrt in einer guten halben Stunde ist aber noch frei. Abgehen soll sie angenehmer Weise direkt am Bahnhof, am Bussteig 1. Damit entfällt das Suchen nach dem nächsten virtuellen Haltepunkt. Am Bussteig 1 steht wieder Bus Gottlieb bereit. Die App zeigt allerdings, dass die Fahrt mit Bus Barbara erfolgen soll. Es fühlt sich nicht gut an, Gottlieb einfach ziehen zu lassen, ohne Barbara in Sicht zu haben. Aber der weiße Bus kommt dann doch noch und bringt mich dieses Mal auch direkt bis ans Ziel.

Das Bestellsystem muss nachgebessert werden

Am Ziel ist man andererseits beim Reallabor Schorndorf noch lange nicht: „Aber am vergangenen Wochenende haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Matthias Klötzke, der Projektleiter vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Am schwierigsten war das erste Wochenende“, berichtet er. Das Projekt hatte am 10. März sogar mit einem zeitweisen Systemausfall zu kämpfen. Das zweite Wochenende sei dann schon besser gelaufen, allerdings erweise sich das Bestellsystem als weniger leistungsfähig als gedacht. „Es können Fahrten nicht gebucht werden, obwohl im Bus eigentlich noch Plätze frei sind. Die Routenbündelung funtioniert nicht in dem Umfang, den wir gerne hätten“, erläutert Klötzke. Zudem war die App am Anfang nicht stabil genug – weswegen es vor dem dritten Wochenende ein Update gab.

Das Interesse am flexiblen Bus steigt stetig

„Es gibt aber Nutzer, bei denen alles klappt und die sehr glücklich über das Angebot sind. Vor allem auch zu später Stunde wird der Bus gut angenommen“, sagt Diana Gallego, die sich bei der Stadt Schorndorf um das Projekt Reallabor kümmert. Das Interesse steige auf jeden Fall stetig, berichtet sie : Am ersten Wochenende wurden 125 Personen befördert, am vergangenen Wochenende waren es schon 445 Passagiere. Nicht mitgezählt sind dabei die zahlreichen Spontanzustiege am Bahnhof. Am dritten Wochenende wurden 43 Prozent der Buchungen per App vorgenommen: „Das ist schon jetzt, im Vergleich zu ähnlichen Bestell- oder Bedarfsverkehren, ein sehr hoher Wert“, sagt Matthias Klötzke. Am Anfang hätten sich auch viele an die Hotline gewandt, weil die App nicht funktioniert habe.

Um den Nutzern zu helfen, seien an allen Wochenenden Mitarbeiter vor Ort gewesen. Wenn alles runder läuft, beginnt für Matthias Klötzke und das Team die Forschungsarbeit: „Wir wollen wissen, wie das System angenommen wird und wie sich Verhaltensweisen von Nutzern ändern.“