Flüchtlinge auf dem Balkan Aleppo entkommen, doch bitte nicht nach Budapest!

Füchtlinge in Opatovac diskutieren mit kroatischen Polizisten. Foto: AP
Füchtlinge in Opatovac diskutieren mit kroatischen Polizisten. Foto: AP

Seit die Flüchtlingskrise auf Kroatien übergeschwappt ist, liegen die Nerven dort blank. Vor allem dem Nachbarn Ungarn werden schwere Vorwürfe gemacht. Doch in Budapest keilt man zurück.

Korrespondenten: Thomas Roser (tro)
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Opatovac - Unablässig summen die Kameras, geduldig weisen Helfer den Neuankömmlingen den Weg. Polizisten, Sanitäter und Kamerateams bilden für die müde wirkenden Flüchtlinge ein Spalier. Doch deren Weg ins erhoffte neue Leben führt sie auch im ostkroatischen Opatovac wieder in ein Lager. In Gruppen werden die Grenzgänger vor den Toren eines früheren Mineralöllagers aus den Bussen geholt. Misstrauisch beäugt der bärtige Ghiath die Zeltkuppel des Auffanglagers unweit der serbischen Grenze: „Was ist das für ein Lager? Werden uns Fingerabdrücke abgenommen?“ Sechs Tage sei er mit seiner Familie aus Aleppo unterwegs gewesen, sein Ziel sei Finnland, sagt der Mann. In Mazedonien seien sie von der Polizei geschlagen, in Serbien und Kroatien aber freundlich behandelt worden: „Aber wohin bringen sie uns jetzt? Hoffentlich nicht nach Ungarn. Das ist für uns ein schlechtes Land.“

Misstrauen auch in der Politik: Seit die Flüchtlingskrise auf Kroatien übergeschwappt ist, liegen die Nerven in der labilen Nachbarschaftsehe von Kroatien und Ungarn blank. Das Verhalten der Nachbarn sei „erbärmlich“, wetterte Ungarns Außenminister Peter Szijjarto. Jedes Gespräch mit Kroatien sei vergeblich, da der EU-Neuling sein Land gezielt mit Flüchtlingen flute. Kroatiens Premier Zoran Milanovic schießt zurück: Sein Amtskollege Viktor Orban habe „seltsame Standpunkte“: „Er spricht von christlichen Werten, die bedroht seien. Als ob Muslime weniger wert seien.“ An Ungarns Grenzzäune glaube er nicht: „Die helfen nicht, werden von den Leuten nur umgangen.“ Milanovic will Flüchtlinge weiterhin an Ungarns Grenze karren. Am Dienstag forderte er Serbien dazu auf, es ihm gleich zu tun: „Schickt Flüchtlinge auch nach Ungarn un d Rumänien.“ Kontakt mit Orban pflege er nicht, sagt Milanovic: „Es scheint mir, als ob keiner aus dem Westen mehr mit ihm spricht.“

Die Kritik perlt an Orban ab

Doch Kritik der Nachbarn ficht Ungarns streitbaren Ministerpräsidenten nicht an. Europas Grenzen seien in Gefahr, begründet er die Entsendung der Armee an die Grenze: „Die Flüchtlinge überrennen uns. Sie klopfen nicht an die Tür, sie schlagen sie ein.“ Aber trotz der Funkstille zwischen Budapest und Zagreb klappt der kleine Grenzverkehr mit Flüchtlingen – etwa am Übergang Beremend – bislang reibungslos. Über 20 000 von insgesamt 30 000 Flüchtlinge hat Kroatien laut Regierungsangaben in den letzten Tagen durchs Land geschleust. Gut 90 Prozent von ihnen haben das Land über die angeblich abgeriegelte Grenze zu Ungarn verlassen: Anstandslos nimmt Ungarns Polizei die ungewollten Grenzgänger entgegen – um sie eilig zur österreichischen Grenze zu eskortieren.




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