Flüchtlinge in Leinfelden-Echterdingen Wenn Impftermin ein Fremdwort ist

Nachdem die Impfung mit Astrazeneca vorerst gestoppt ist, müssen sich viele Impfberechtigte weiter in Geduld üben. Foto: dpa/Sven Hoppe
Nachdem die Impfung mit Astrazeneca vorerst gestoppt ist, müssen sich viele Impfberechtigte weiter in Geduld üben. Foto: dpa/Sven Hoppe

Flüchtlinge, die in Leinfelden-Echterdingen in Sammelunterkünften leben, dürfen sich seit Kurzem gegen das Coronavirus impfen lassen. Doch es gibt ein Problem.

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Leinfelden-Echterdingen - Zuwanderer, die in einer Sammelunterkunft leben, wie es sie in Leinfelden-Echterdingen in Oberaichen, Musberg und auch in Stetten gibt, gehören seit Ende Februar zu jener Gruppe, die sich gegen das Coronavirus impfen lassen darf. Diese Flüchtlinge haben Anspruch auf eine Schutzimpfung. Mitarbeiter des Amtes für soziale Dienste der Stadt Leinfelden-Echterdingen haben die Bewohner wenige Tage später auch über diese Neuerung informiert.

In dem Brief empfiehlt die Kommune den Flüchtlingen dringend, sich impfen zu lassen und dazu einen Termin bei einem Impfzentrum auszumachen. Sie rät dazu, weil in Sammelunterkünften naturgemäß meist viele Menschen zusammen sind, dort sei die Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken oder auch andere anzustecken, höher. Eine entsprechende Impfbescheinigung des Landes wurde gleich mitgeschickt. Allerdings – auch darauf weisen die städtischen Mitarbeiter hin – komme es bei dieser Terminvergabe derzeit zu langen Wartezeiten. Die Flüchtlingshelferin Monika Heilmann von der Gruppe Arbeit und Integration bezweifelt allerdings, dass Flüchtlinge eigenständig in der Lage sind, einen solchen Termin für sich zu vereinbaren. Sie fordert im Sinne der Zuwanderer Hilfe von der Stadt und den zuständigen Sozialarbeitern ein.

Weil Astrazeneca-Impfungen gestoppt wurden

Peter Löwy, in Leinfelden-Echterdingen Leiter des städtischen Amtes für soziale Dienste, sagt dazu unserer Zeitung: „Jeder, der sich in dieser Angelegenheit an uns, einen der Integrationsmanager oder auch die Ehrenamtlichen der Helferkreise wendet, bekommt eine Beratung, wie er – zumindest theoretisch – an einen Impftermin in den beiden Impfzentren des Landkreises Esslingen kommen kann.“ Einen solchen Termin tatsächlich zu ergattern, „ist seit wenigen Tagen so gut wie aussichtslos geworden“, ergänzt er.

Denn seitdem die Impfung mit dem Vakzin der Firma Astrazeneca ausgesetzt ist, sind viele, die bereits einen Impftermin vereinbaren konnten, wieder zum Warten verdonnert. „Alle über 80-Jährigen, die von der Terminabsage betroffen sind, werden, soweit möglich, auf die Impfstoffe Biontech oder Moderna umgebucht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Sollte dies nicht möglich sein, werde für diese Impfwilligen eine separate Warteliste erstellt. Die Termine für alle anderen müssten leider ersatzlos verfallen.

Die Stadt hätte gern ein mobiles Impfteam

Auch Peter Löwy selbst sollte übrigens an diesem Sonntag eigentlich geimpft werden. Denn er kümmere sich regelmäßig um eine Frau, die über 80 Jahre alt ist, erzählt der Amtsleiter. Auch sein Termin sei nun auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Zu der Lage in den Sammelunterkünften sagt Löwy: „Wir würden sehr gerne ein mobiles Impfteam in eine der Sammelunterkünfte in unserer Stadt holen und die Bewohner von diesen Fachleuten dann impfen lassen.“ Die Kommune habe dies beim Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen angefragt – allerdings habe sie eine Absage erhalten.

Denn zunächst einmal müssten diese Teams dafür sorgen, dass Menschen, die 80 Jahre und älter sind, ihre Coronaschutz-Impfung erhalten, lautete die Begründung. Für alle anderen, also auch für die nun impfberechtigten Flüchtlingen in Sammelunterkünften, gilt es, sich weiter in Geduld zu üben – Impfberechtigung hin oder her.




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