Flüchtlinge in Leonberg Bürokratische Hürden machen die Hilfe schwer

Von Nicole Wieden 

Beim Ehrenamtstag tauschen sich Flüchtlingsbetreuer aus dem ganzen Landkreis in der Stadthalle aus: Um die Integration zu meistern, braucht es einen langen Atem.

27 Arbeitskreise engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit im Kreis. Foto: dpa
27 Arbeitskreise engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit im Kreis. Foto: dpa

Leonberg - Ende des Jahres 2015 hatte der Landkreis Böblingen das Ausmaß der Flüchtlingswelle so deutlich wie nie zu spüren bekommen. Eine erste Entspannung machte sich im darauffolgenden Frühjahr bemerkbar; die Zahl der Asylbewerber ging 2016 im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel zurück.

Doch wie soll es weitergehen mit all jenen, die ihren Weg bereits in den Landkreis gefunden haben? „Jetzt geht es darum, den langen Atem zu haben, die Integration zu meistern. Dies wird ein schwierigerer und längerer Prozess als die Aufnahme und Unterbringung,“ bemerkte Landrat Roland Bernhard beim vierten Ehreamtstag in der Flüchtlingshilfe am Samstag in der Leonberger Stadthalle.

Die Vielfalt leben

Und so ist das Motto „Die Vielfalt macht´s – so leben wir sie“ Ausdruck für die zentrale Herausforderung der Flüchtlingspolitik in den kommenden Jahren.

27 ehrenamtliche Arbeitskreise engagieren sich im ganzen Landkreis. Mit der ganztätigen Veranstaltung sollte die unermüdliche Arbeit der zivilen Helfer gewürdigt werden: Nach den Grußworten des Landrats und des Oberbürgermeisters Bernhard Schuler wurden die Vertreter der Asyl-Arbeitskreise aus Leonberg und Grafenau, des Leonberger Netzwerks Gartenstadt und des Freundeskreises Flüchtlingshilfe Böblingen auf das Podium gebeten.

Den vier Sprechern war es dabei ein Anliegen, nicht nur von ihrer Arbeit und den bisherigen Erfolgen zu berichten, sondern auch auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinzuweisen: „Die vielen bürokratischen Hürden sind oft nicht nachvollziehbar,“ erklärte Heidi Fritz vom AK Asyl Leonberg. Die langen Wartezeiten, insbesondere bei Sprachkurs- und Kindergartenplätzen, seien ein enormes Hindernis für die Integration der Zugewanderten.

Konfliktbewältigung im Ehrenamt

Zudem sei es derzeit besonders schwierig, dauerhafte Unterbringungsmöglichkeiten ausfindig zu machen; die Zahl der vermittelten Wohnungen sei in den letzten Monaten stark zurückgegangen. Im Zusammenhang mit der merklich abnehmenden Bereitschaft zum Engagement in der Bevölkerung kommentierte Harald Hack vom Freundeskreis Flüchtlinge Böblingen: „Wir müssen den Leuten klar machen, dass wir auf einem guten Weg sind. Das Engagement darf nicht abbrechen.“

Um das zukünftige Wirken der Ehrenamtlichen zu unterstützen, wurden zwei mehrstündige Workshop-Phasen angeboten. In acht Arbeitsgruppen, beispielsweise zu den Themen „Sozialarbeit mit Geflüchteten: Professionell und bedarfsorientiert“ oder „Möglichkeiten der Stress- und Konfliktbewältigung im Ehrenamt“, setzten sich die Teilnehmer intensiv mit den Möglichkeiten einer effektiven Integrationshilfe auseinander.

Da einige der Geflüchteten selbst zu den ehrenamtlichen Helfern gehören, wurden die Workshops zur Selbstorganisation von Geflüchteten und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt von Dolmetschern begleitet, so dass die Inhalte auf Englisch, Arabisch und Persisch behandelt werden konnten. Der Fachtag endete mit einem offenen Austausch im Foyer.




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