Flüchtlinge in Nürtingen Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge geht weiter

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Die Zwischenbilanz des Psychosozialen Netzwerks Nürtingen fällt positiv aus. Das Geld ist allerdings knapp.

Die Beratung und Betreuung von Flüchtlingen ist eine wichtige Aufgabe. Foto: Horst Rudel
Die Beratung und Betreuung von Flüchtlingen ist eine wichtige Aufgabe. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Drei Jahre lang hat das gemeinsam vom Trägerverein Freies Kinderhaus und dem Verein Refugio Stuttgart gegründete Psychosoziale Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge (pntf) in Nürtingen Opfer von Krieg und Vertreibung betreut. Nach Ablauf der drei Jahre ist Refugio wie geplant nun aus dem Pilotprojekt ausgestiegen. Der Rückzug bedeutet jedoch nicht das Ende des Hilfsangebots. Das pntf soll ausgeweitet werden, um die Versorgung traumatisierter Geflüchteter weiter zu verbessern.

Das Netzwerk wirbt um weitere Mitstreiter

Aus Sicht der beiden Projektpartner hat sich das Angebot bewährt. Seit September 2016 war Refugio einmal wöchentlich mit Fachpersonal vor Ort in der Nürtinger Seegrasspinnerei und hat das niedrigschwellig angelegte Angebot des Trägervereins ergänzt. Mehr als 500 Betroffene haben therapeutische Hilfe erhalten. „Die Sprechstunde diente dazu, die psychische Verfassung und die psychosoziale Situation der Geflüchteten genau in den Blick zu nehmen und dann in Einzelberatung oder therapeutische Angebote zu vermitteln“, erklärt Ulrike Schneck von Refugio. Die Fachleute des Vereins stehen auch weiterhin zur Verfügung. Wer deren Hilfe in Anspruch nehmen will, muss künftig allerdings den Weg nach Stuttgart oder Tübingen in Kauf nehmen.

Trotzdem wird auch direkt vor Ort in Nürtingen die kurzfristige psychosoziale Unterstützung für Flüchtlinge aufrechterhalten. In die Bresche springt die neue Psychosoziale Beratung des Trägervereins Freies Kinderhaus in der Seegrasspinnerei. Sie ist künftig erste Anlaufstelle für Betroffene. Die Qualität der Beratung soll in Nürtingen gewährleistet bleiben. Dafür braucht es aber auch die nötigen Ressourcen. „Daher ist es wichtig für uns, weitere Akteure für die Zusammenarbeit im pntf zu gewinnen, die traumatisierte Geflüchtete in eine bessere Zukunft begleiten wollen“, wirbt Pit Lohse, der Geschäftsführer des Trägervereins, um Mitstreiter.

Die Finanzierung steht auf wackligen Füßen

Damit die in den vergangenen drei Jahren geleistete Aufbauarbeit in Nürtingen weitergehen kann, muss auch entsprechend Geld fließen. „Die Finanzierung des Angebots steht auf wackligen Füßen, da unklar ist, wie lange der Bund noch Gelder für diese Art von Angeboten für traumatisierte Geflüchtete bereitstellt. Unser Dachverband, der Paritätische, hat für uns die Finanzierung für das Jahr 2020 beantragt“, sagt Pit Lohse. Zwar ist der positive Bescheid noch nicht da, doch rechnet der Trägerverein Freies Kinderhaus fest damit, dass die Finanzierung zumindest für das laufende Jahr steht.

Generell gilt, dass sich die Vermittlung von traumatisierten Flüchtlingen in die psychiatrische Versorgung des Regelsystems oder an niedergelassene Psychotherapeuten weiterhin als schwierig erweist. Therapeuten schrecken vor dieser Aufgabe häufig zurück, weil sie ungern mit Dolmetschern arbeiten. Entsprechend überlaufen sind die Anlaufstellen von Refugio und anderen Organisationen.

Die Psychologischen Beratungsstellen bieten Hilfe an

„Eine positive Entwicklung ist, dass inzwischen auch die Psychologischen Beratungsstellen ein spezielles Beratungsangebot für Geflüchtete aufgebaut haben“, so Ulrike Schneck. „Doch auch hier sind die Kapazitäten begrenzt, sodass die Nachfrage nach Angeboten des pntf weiterhin sehr hoch ist.“

Die Anlaufstelle in Nürtingen ist jeweils dienstags und mittwochs von 10 bis 12 Uhr besetzt. Der Therapeut und Berater Peter Scholz ist erreichbar unter der Telefonnummer 0 70 22 / 20 96 180.




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