Flüchtlinge in Stuttgart Asylunterkunft wird aufgelöst

Manche Bewohner waren von Anfang an da. Foto: Caroline Holowiecki
Manche Bewohner waren von Anfang an da. Foto: Caroline Holowiecki

Nach mehr als fünf Jahren der Nutzung sind die Flüchtlingscontainer in Stuttgart-Riedenberg geräumt worden. Auch der Flüchtlings-Freundeskreis hat sich aufgelöst.

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Riedenberg - Die Tage der Asylunterkunft am Ende der Richard-Schmid-Straße in Stuttgart-Riedenberg sind gezählt. Sie ist nach fünfeinhalb Jahren der Nutzung geräumt worden. Dieser Tage sind die letzten Bewohner ausgezogen. „Die Schließung der Container erfolgt, da die befristete Baugenehmigung zum 19. Februar 2022 endet. Eine erneute Verlängerung war aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich“, teilt der Verwaltungssprecher Niklas Junkermann fürs Sozialamt mit.

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Die Ausstattung werde bis Weihnachten entfernt. Dann können die zwei lang gezogenen Bauten endgültig weg. „Der geplante Abbruch beziehungsweise Verkauf der Container erfolgt im ersten Quartal 2022“, erklärt er. Mittelfristig wird die Fläche für den Umbau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums benötigt.

Gemischte Gefühle mit Blick auf leere Container

46 Menschen haben hier zuletzt gewohnt, erklärt Denis Bieler, der Leiter dieses Heims und stellvertretender Geschäftsführer Unterkünfte bei der AGDW, der „Arbeitsgemeinschaft für die eine Welt“, die im Auftrag der Stadt Stuttgart in diversen Gemeinschaftsunterkünften die pädagogische Hausleitung und Betreuung übernimmt. Er schaut mit gemischten Gefühlen auf die leeren Container, hinter denen sich der Sperrmüll türmt. Es habe hier durchaus schöne Lebensphasen gegeben, aber „ich freue mich für alle, die wegkommen“. Die Unterkünfte seien schlecht isoliert und hätten hohe Heizkosten produziert. „Das kühlt innerhalb von einer Stunde aus“, sagt er über die Provisorien. Es habe Menschen gegeben, die hätten hier seit der Eröffnung gelebt. „Diese Unterkünfte haben länger durchgehalten als ursprünglich geplant“, sagt auch Rainer Kapp, der Sprecher des Freundeskreises Flüchtlinge Hasenwedel, der die Menschen von Anfang an unterstützt hat. In der Konsequenz habe es Dichtigkeitsprobleme gegeben. „Es gab Phasen, wo aus der Steckdose das Wasser rausgelaufen ist“, erzählt er.

Anfangs sei es wichtig gewesen, rasch Menschen aufnehmen zu können, stellt Rainer Kapp klar, nun sei es aber an der Zeit gewesen, die Container zu verlassen. „Die Dinger haben ihren Zweck erfüllt.“

Teils kam das Wasser aus der Steckdose

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Mit der Schließung hat sich auch der Freundeskreis aufgelöst. „Die Arbeit in dieser konkreten Form ist getan“, sagt Rainer Kapp. Man habe Restmittel weitergegeben, außerdem den Asylsuchenden noch bei den Umzügen geholfen und dabei, eine neue Bleibe zu finden. Mancher Bewohner habe laut einer Notiz auf der Hasenwedel-Homepage eine Wohnung ergattern können, „andere werden in Unterkünften im Stadtteil Sillenbuch-Riedenberg-Heumaden oder in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen“.

Aktuell sehr dynamische Lage

Rainer Kapp betont jedoch, dass einige der zuletzt 44 Mitglieder des Freundeskreises sich auch weiterhin in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollen. Kontaktadressen zu anderen Einrichtungen wurden online hinterlegt. „Im Einzelfall bleiben auch ganz konkrete Beziehungen erhalten“, sagt er. Sprich: Deutschunterricht beispielsweise wird privat fortgesetzt.

Im Stuttgarter Rathaus glaubt man nicht, dass der Bedarf nach Unterstützung versiegen wird. „Die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft Richard-Schmid-Straße erfolgte lediglich aufgrund der endenden Baugenehmigung. Grundsätzlich besteht aufgrund der aktuell sehr dynamischen Lage weiterhin ein erhöhter Platzbedarf für geflüchtete Menschen“, stellt Niklas Junkermann klar. Im Juli seien 103 Personen in Unterkünften in der Landeshauptstadt aufgenommen worden. Im August und September seien die Aufnahmen mit 113 und 128 Personen höher ausgefallen.




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