Sportbürgermeister Clemens Maier war sich bei dem Treffen montags noch sicher: Sporthallen werden nicht belegt. Da waren die Vereinsvertreter beruhigt. Kurz darauf sah die Welt anders aus. Im Ältestenrat erfuhren die Stadträte: Die sechs Hallen in Hedelfingen, Obertürkheim (jeweils Turn- und Versammlungshallen),im Osten (Halle der Raichberg-Realschule), in Birkach (Alfred-Wais-Schulsporthalle), Sillenbuch (Halle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums) und Weilimdorf (Sporthalle des Solitude-Gymnasiums) sollen in den nächsten Wochen geschlossen und bis Ende November für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgestattet werden.
Wie viele Vereine sind betroffen?
Der Sportkreis als Interessenvertreter und Sprachrohr der 200 Stuttgarter Sportvereine hat erhoben, dass die Umwidmung der Hallen 18 Sportvereine mit 80 Sportgruppen betrifft. Und zwar in der Zeit von Montag bis Freitag von 17.15 bis 21.45 Uhr. Dazu kommen weitere Belegungen zwischen 14 und 17.15 Uhr, die allerdings vom Schulverwaltungsamt erhoben werden müssten. Hinzu kommt der Betrieb an Wochenenden, „an denen Rundenspiele und Lehrgänge der Sportvereine und Sportfachverbände in den Sporthallen stattfinden“, heißt es vom Sportkreis.
Was passiert mit dem TSV Futsal?
So ist die Sporthalle in Weilimdorf auch Heimspielstätte des TSV Futsal, Deutscher Meister 2019 und 2021 in dieser Variante des Hallenfußballs. In der Mannschaft spielen vier Nationalspieler. Sie trainieren viermal in der Woche von 21.45 bis 23.15 Uhr in Botnang, das wäre weiter möglich. Aber alle 14 Tage sind um 18 Uhr Heimspiele in Weilimdorf. Vorstandsmitglied Daniel Nötzold sagt, dass man um 9 Uhr an diesen Tagen in die Halle gehe, um alles vorzubereiten. Die Spiele werden im Netz übertragen, dafür braucht es Technik, Werbebanden, et cetera. „Es gibt ein Lizensierungsverfahren für die Halle“, sagt Nötzold, „das geht bis zum Blitzableiter.“ Deshalb könne man nicht einfach ausweichen. Zumal eine Alternative nicht in Sicht ist. Weder vom Sportamt noch vom Schulverwaltungsamt habe er bisher etwas gehört: „Wir hängen in der Luft.“
Bezirksbeiräte sind sauer
Der Bezirksbeirat Weilimdorf „lehnt eine erneute Belegung der Spechtweg Sporthalle durch geflüchtete Personen entschieden ab. Nach der Belegung durch Flüchtlinge vor Jahren, wurde die Halle komplett saniert und war fünf Jahre durch Unterbringung, Sanierung und Pandemie gesperrt.“ Der Wegfall der Halle würde nicht nur Vereine und das Solitude-Gymnasium treffen, auch andere Schulen würden Sportstunden einbüßen. Das Solitude-Gymnasium habe 840 Schüler und ohnehin zu wenig Räume. Ohne Sporthalle wäre eine Ganztagsbetreuung kaum noch möglich. Und was sei mit den Schülern, die sich aufs Sportabitur vorbereiten?
An der Grenze
Bereits jetzt seien 1100 Flüchtlinge in Weilimdorf untergebracht. Das bringe Infrastruktur und Ehrenamtliche an ihre Grenzen. Deshalb soll die Verwaltung alle Alternativen prüfen. Dies fordert auch die Gemeinderatsfraktion der Grünen. Die Verwaltung müsse dringend brach liegende Hotels prüfen wie das Hotel am Schlossgarten und das Hansa Hotel, Waldheime, leere Büros wie die der Allianz und der Württembergischen Versicherung, oder das EnBW-Gelände und das Rilling-Areal. Die Stadt sei derzeit dabei alle Alternativen intensiv zu prüfen, sagt der OB-Sprecher David Rau. Man versuche alles, um „die Hallenbelegung vorerst zu vermeiden“. Das sei für OB Frank Nopper die Ultima Ratio. Die Stadt bekommt jeden Monat rund 150 Flüchtlinge zugewiesen, für die sie Unterkünfte finden muss.