Flüchtlinge in Stuttgart-Zuffenhausen Keine Systembauten auf der Schlotwiese

Von Torsten Ströbele 

Die Stadtverwaltung verzichtet auf Systembauten auf der Schlotwiese. Drei alternative Standorte wurden ausgemacht: Eine Fläche an der Franken-/Ludwigsburger Straße, ein Grundstück an der Gottfried-Keller-Straße und das evangelische Waldheim auf der Schlotwiese.

Der Protest gegen Systembauten für Flüchtlinge auf der Schlotwiese war in der Bevölkerung groß. Foto: Braun
Der Protest gegen Systembauten für Flüchtlinge auf der Schlotwiese war in der Bevölkerung groß. Foto: Braun

Stuttgart-Zuffenhausen - Die Stadtverwaltung hat am gestrigen Donnerstag ihre neuen Vorschläge präsentiert, wo in Zuffenhausen weitere Flüchtlinge unterkommen sollen. Die Rathausspitze um Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Erster Bürgermeister Michael Föll hat mittlerweile davon Abstand genommen, auf der Schlotwiese Systembauen erstellen zu lassen. Ursprünglich war geplant, Platz für rund 400 Flüchtlinge in fünf Gebäuden zu schaffen. Nach Protesten aus der Bevölkerung und rund 30 alternativen Standortvorschlägen, die fast ausschließlich aus den Reihen der drei ortsansässigen Flüchtlingsfreundeskreise kamen, hatte der Gemeinderat seine Entscheidung über die neuen Standorte erst einmal zurückgestellt.

Nun ist die Prüfung der Alternativen abgeschlossen. Der neue Vorschlag der Stadt sieht vor, an der Ecke Franken- und Ludwigsburger Straße zwei Systembauten für bis zu 156 Flüchtlinge zu erstellen. Der Eigentümer des etwa 2200 Quadratmeter großen Grundstücks hatte eigentlich schon abgesagt (wir berichteten). Mittlerweile hat er doch eingewilligt, die Fläche, auf der er einen Schnellimbiss eröffnen wollte, für fünf Jahre an die Stadt zu vermieten – mit Option auf weitere fünf Jahre. Auf das benachbarte private Grundstück mit einer Fläche von rund 2700 Quadratmeter wird dagegen verzichtet, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat.

Zudem soll angrenzend an die bestehende Unterkunft an der Gottfried-Keller-Straße ein Systembau für circa 70 weitere Asylbewerber errichtet werden. Die etwa 1800 Quadratmeter große Fläche gehört demselben Eigentümer, welcher der Stadt das denkmalgeschützte Gebäude Nummer 18/20 vermietet hat, in dem seit Monaten schon bis zu 150 Flüchtlinge Platz finden. Die dortigen Gemeinschaftsräume, Büros und der Spielplatz sollen von den neuen Bewohnern mitgenutzt werden. Die drei neuen Systembauten sollen Anfang kommenden Jahres bezugsfertig sein.

300 neue Plätze in Zuffenhausen reichen der Stadt

Als dritter Standort in Zuffenhausen im Rahmen der Tranche 6 soll das evangelische Waldheim Schlotwiese fungieren, das schon in den vergangenen Monaten als Interimsunterkunft genutzt wurde. Ende März sind die rund 60 Bewohner ausgezogen, damit die evangelische Kirche im Sommer dort ihre Ferienbetreuung anbieten kann. „Wir haben der Stadt aber angeboten, dass sie das Waldheim dann von Mitte November bis Mitte April wieder nutzen kann“, sagt Dekan Klaus Käpplinger. Der Kirchengemeinderat habe das beschlossen. Das Angebot nimmt die Stadt nun wahr, um dort bis zu 72 Flüchtlinge unterzubringen. Somit werden in Zuffenhausen statt der zunächst geplanten weiteren 396 Plätze nur 298 geschaffen – und das, obwohl die Stadt davon ausgeht, dass trotz der nun vorgeschlagenen zusätzlichen Unterkünfte in Hedelfingen, Plieningen, Degerloch und Mühlhausen immer noch rund 300 Plätze für das Jahr 2016 fehlen. Im Stuttgarter Rathaus heißt es, dass die Stadt immer betont habe, dass der Verzicht auf einen Systembau in Zuffenhausen akzeptabel sei. Mit knapp 300 Plätzen, verteilt auf den Bezirk, erreiche man in etwa diese Vorgabe.

Potenzielle Flächen in Zuffenhausen – das hat die Prüfung der Alternativen ergeben – gibt es allerdings noch. Unabhängig von der Schlotwiese könnten zum Beispiel auch zwei Bauten auf dem Festplatz erstellt werden. Und auch an der Pliensäckerstraße ist eine befristete Bebauung möglich – allerdings sei der Aufwand für die Erschließung zu hoch, heißt es bei der Stadt. Das gelte auch für den Parkplatz am Friedhof. Dieser könnte zwar auf das gegenüberliegende Grundstück mit Regenüberlaufbecken verlegt werden, aber die Stadt betont auch hier, dass der Aufwand zu hoch sei.

Allerdings sollen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bezirk Zuffenhausen zwei weitere Systembauten erstellt werden. Ursprünglich war geplant, dass die beiden zusätzlichen Gebäude in Mühlhausen im Stadtteil Hofen gebaut werden. Der bestehende Standort sollte erweitert werden. Auch in Mühlhausen regte sich Widerstand gegen die Pläne der Stadt. Nun soll eine Wiese am Stamitzweg in Freiberg genutzt werden, um dort ab Anfang 2017 Flüchtlinge unterzubringen.

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