Fellbach Im Skandal-Bordell Pussy Club ziehen die Flüchtlinge ein

, aktualisiert am 27.06.2025 - 09:36 Uhr
Das einstige Flatrate-Bordell Pussy Club in Fellbach (hier ein Foto aus dem Jahr 2012) ist in den vergangenen Monaten zu einer Unterkunft umgebaut worden. Im Juli sollen die ersten Bewohner einziehen. Foto: dpa

Ungewöhnliche Umnutzung zum Stichtag 1. Juli: Das frühere Freudenhaus nahe dem Fellbacher Bahnhof wurde zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Die Kapazität liegt bei 120 Personen.

Dass man ein Objekt, in dem bald jahrzehntelang vor allem Aktivitäten im horizontalen Gewerbe ausgeübt wurden, auch einer sinnvolleren Nutzung zuführen kann, hatte die Stadt Fellbach (Rems-Murr-Kreis) bereits Ende März dieses Jahres verkündet.

 

Konkret handelt es sich um eine Immobilie, die vor 16 Jahren bundesweit für Schlagzeilen sorgte: Es ist jenes Gebäude, in dem einst der Pussy Club untergebracht war – ein sogenanntes Flatrate-Bordell, in denen Männer für sexuelle Dienstleistungen unbegrenzter Dauer nur einen Sockelbetrag zahlen mussten.

Seit 2023 stand der „Pussy Club“ leer

Tempi passati, jedenfalls in Fellbach: Zunächst wurde das Ganze nach monatelangen Protesten gegen das Flatrate-Modell in einen FKK-Club umgemodelt. Mit dem vermeintlichen Freudenhaus und dieser speziellen Freikörperkultur war dann im Sommer 2023 auch Schluss. Anschließend stand das Gebäude leer – und wurde nun in den vergangenen Monaten im Auftrag der Stadt zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut.

„Pussy Club“ wurde der Stadt Fellbach angeboten

Dieser Tage hat das Pressereferat des Rathauses einige Details nachgelegt. Demnach sollen in dem viergeschossigen Bau an der Eisenbahnlinie in diesem Sommer die ersten Geflüchteten einziehen. Die für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständige Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach (WDF) hat bereits im November 2023 zwei Geschosse in dem Gebäude angemietet. „Die Gewerbefläche in der Schaflandstraße ist uns angeboten worden“, erklärt WDF-Geschäftsführer Daniel Plaz zu den Hintergründen.

Eigentlich war der Start der neuen Unterkunft bereits für das vergangene Jahr geplant. Durch die rückläufigen Zahlen bei den Geflüchteten hat sich die Öffnung der Unterkunft verschoben. Einige bisher genutzte Unterkünfte sind weggefallen. Durch die Öffnung der Schaflandstraße bleibt die Zahl der Unterkünfte für Geflüchtete in Fellbach somit gleich.

Kapazität im „Pussy Club“ liegt bei 120 Flüchtlingen

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurden im einstigen Sex-Etablissement unter anderem die Elektro- und Sanitäranlagen erweitert und erneuert sowie zusätzliche Trennwände zur Raumaufteilung eingezogen. In den angemieteten zwei Etagen, die rund 1400 Quadratmeter umfassen, können bis zu 120 Personen untergebracht werden. Zunächst wird die Unterkunft ab Juli mit 50 Geflüchteten belegt. Die weitere Entwicklung hänge auch von der „politischen Großwetterlage“ ab, so Plaz.

Razzia im Fellbacher Pussy Club im Juli 2009 Foto: dpa

Diese überregionale Betrachtungsweise hängt auch damit zusammen, dass man im Rathaus seit Monaten nichts mehr von den zwischenzeitlichen Plänen des Landes Baden-Württemberg gehört hat, im Fellbacher Gewerbegebiet eine Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge zu etablieren. In einer Sondersitzung wehrten sich die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull wie auch sämtliche Fraktionen gegen dieses Vorhaben.

Bundesweite Schlagzeilen um „Pussy Club“ 2009

Aktuell steht jedoch erst mal die Nutzung der beiden umgebauten Geschosse im früheren Laufhaus auf der Agenda. Schlagzeilen wie vor 16 Jahren über das damalige Eros-Center an der Ecke Schaflandstraße/Otto-Hahn-Straße sind aktuell nicht zu erwarten. Anfang 2009 nahm bundesweit die Kritik an dem in den Pussy Clubs gewährten Pauschaltarif für die Dienste von Prostituierten vehement zu. Eine Sprecherin des Vereins gegen Sextourismus erklärte: „Die entfesselte Frauenerniedrigung muss aufhören.“

Im Juli 2009 schlugen Ermittler dann flächendeckend zu. Es gab Razzien in diversen Pussy Clubs in ganz Deutschland. Dazu gehörten Berlin-Schönefeld, Wuppertal, Heidelberg und eben Fellbach – der vermeintlichen „Flatrate-Bordell-Hochburg in Deutschland“, wie es in Medienberichten hieß.

Die Folge: Nachmittäglicher Interruptus im Fellbacher Freudenhaus. 400 Einsatzkräfte hatten sich zwei Firmen weiter auf einem Parkplatz postiert. Als sie um exakt 13.59 Uhr anrückten, grüßten aus den Pussy-Fenstern noch äußerst leicht bekleidete Mädchen. Ihnen verging die gute Laune allerdings schnell. 176 Kunden wurden angetroffen und mussten ihre Aktivitäten unverhofft beenden, dazu 89 Frauen aus dem Gewerbe, die abends auf dem Fellbacher Revier vernommen wurden.

„FKK Safari“: Keine Flatrate, nachlassendes Interesse

Der damalige Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm lobte den „ganz hervorragend koordinierten Einsatz, der Überraschungseffekt war da.“

In den Folgejahren blieb das Haus zwar ein Bordell, allerdings ohne „flache Rate“. Das Interesse ließ nach, es folgte „FKK Safari“, doch der vormalige Run südwestdeutscher Männer war vorbei. Die Interessenten trudelten nur noch tröpfelnd ein, ehe diese anfänglich ergiebige Einnahmequelle für die Betreiber gänzlich versiegt.

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