Flüchtlingscamp in Griechenland In der Nacht kommen die Ratten

Ein Mädchen wartet darauf, ihre Wasserflasche auf Lesbos wieder aufzufüllen. Foto: AFP/Angelos Tzortzinis

Drei Monate nach dem Brand im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos ist die Lage vor Ort weiterhin katastrophal. Und auch die Bundesregierung hat ihre Versprechen zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland noch nicht erfüllt.

Berlin - Die härtesten Winterwochen mit großer Kälte, viel Wind und heftigen Niederschlägen stehen den Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos noch bevor. Doch schon jetzt sei ihre Situation in dem Nachfolgelager des abgebrannten Camps Moria „katastrophal“, sagt die Migrationsexpertin Marie von Manteuffel von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unserer Zeitung. „Nach mehreren Nächten mit starkem Regen sind viele Zelte überflutet worden, die Habseligkeiten der Bewohner sind durchnässt und modrig.“ Durch die Niederschläge seien mehrere Stromgeneratoren ausgefallen, sodass viele der Flüchtlinge ab Sonnenuntergang im Dunkeln sitzen.

 

Rattenplage im Lager

Und wenn es Nacht wird, kommen die Ratten. „Auch weil der Müll aus dem Lager nicht abtransportiert wird, hat die Rattenplage dort zugenommen“, berichtet von Manteuffel. „Wir beobachten, dass mehr Menschen im Schlaf von Ratten gebissen werden.“ Schon jetzt zu Beginn des Winters herrschten in den Zelten nachts Temperaturen von wenigen Graden über dem Gefrierpunkt. „Das Schlimme ist, dass diese Situation vorhersehbar gewesen ist, die Europäische Union aber nichts unternommen hat“, kritisiert die Vertreterin von Ärzte ohne Grenzen.

In Moria lebten bis zu 13 000 Geflüchtete. Menschenrechts- und Hilfsorganisationen kritisierten die Zustände in dem überfüllten Lager als menschenunwürdig. Nachdem das Camp im September vermutlich durch ein von Bewohnern gelegtes Feuer zerstört wurde, wuchs der Druck auf die EU, eine humanitäre Lösung für die Betroffenen zu finden. Zur freiwilligen Aufnahme von Flüchtlingen erklärten sich aber nur eine Handvoll EU-Staaten bereit, für die Bewohner von Moria wurde das neue Lager auf Lesbos errichtet.

Bundesregierung bleibt hinter Zusagen zurück

Nachdem die Bundesregierung im März bereits die Aufnahme von rund 1000 besonders schutzbedürftigen Geflüchteten aus Griechenland beschlossen hatte, sagte sie nach dem Brand in Moria die Einreise von insgesamt gut 1700 weiteren Flüchtlingen von den griechischen Inseln zu, nicht nur von Lesbos. Damit zeigte sich Deutschland hilfsbereit wie kein anderer EU-Staat. Doch bislang bleibt die Bundesregierung deutlich hinter ihren Versprechen zurück.

Von dem im September beschlossenen Kontingent kamen bislang nur rund 300 Menschen nach Deutschland, wie das Bundesinnenministerium auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag mitteilte. Auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Heike Hänsel erklärte das Ministerium zudem, dass trotz der seit März insgesamt 2700 zugesagten Aufnahmen bisher 1291 Flüchtlinge aus Griechenland in Deutschland Zuflucht fanden.

Linken-Politikerin Hänsel: „Blamabel“

„Blamabel“ findet Hänsel das. Die Bundestagsabgeordnete aus Tübingen sagte unserer Zeitung: „Es besteht angesichts der katastrophalen Lebensbedingungen in dem provisorisch aufgebauten neuen Lager in Lesbos und des rauen Winterwetters dringender Handlungsbedarf.“ Die Linken-Politikerin fordert zudem eine vollständige Evakuierung aller Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln: „Diese Lager haben mit menschlicher Flüchtlingspolitik nichts zu tun.“

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