Flüchtlingsdrama bei Ceuta Unter Beschuss

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Nun werden mehr Details über das Drama am 6. Februar bei Ceuta bekannt. Der spanische Innenminister muss den Einsatz der Guardia Civil gegen Flüchtlinge verteidigen. Die Gendarmen hatten ins Meer geschossen, wo Afrikaner schwammen.

Nun werden immer mehr Details über das Drama bei Ceuta bekannt, das sich am  6. Februar  abspielte. Foto: EFE
Nun werden immer mehr Details über das Drama bei Ceuta bekannt, das sich am 6. Februar abspielte. Foto: EFE

Den bisher letzten Leichnam hat die Guardia Civil in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta am Wochenende nahe dem Almadraba-Strand aus dem Wasser gezogen: ein etwa 25 Jahre alter Schwarzafrikaner, ohne Papiere, die ihn identifizieren würden. Er ist eines der namenlosen Opfer des Versuches Anfang Februar, die schwer gesicherte Grenze zwischen Marokko und Ceuta zu umschwimmen. 15 Tote schwemmte das Meer seither an Land, zehn von ihnen auf der marokkanischen Seite des Zauns.

Platzpatronen und Gummigeschosse

Nun werden immer mehr Details über das Drama bekannt, das sich in den frühen Morgenstunden des 6. Februar an dem Grenzzaun abspielte. Und sie werfen kein gutes Licht auf die spanische Grenzsicherungspolitik. Mindestens 200 Schwarzafrikaner, die in den Bergen um Ceuta kampierten, hatten zunächst versucht, den offiziellen Grenzübergang Tarajal zu stürmen. Abgedrängt von den Gendarmen, sprangen einige Dutzend Männer und Frauen ins Meer, um auf die spanische Seite der Grenze zu schwimmen. Für mindestens 15 von ihnen wurde das Meer zur tödlichen Falle. Auf spanischer Seite aber warteten Guardia-Civil-Beamte auf die schwimmenden Afrikaner und nutzten Platzpatronen und Gummigeschosse, um sie einzuschüchtern und zur Rückkehr an die marokkanische Küste zu bewegen. „In keinem Moment war es das Ziel, die Migranten zu treffen, sondern eine Abschreckungslinie sichtbar zu machen“, sagte Innenminister Jorge Fernández Díaz. Doch die Menschen im Wasser hatten das Gefühl, dass die Jagd auf sie eröffnet worden sei. „Sie schossen auf uns wie auf Hühner“, sagte eine Zeuge, den mehrere spanische Zeitungen zitierten.

EU-Kommission fordert Erklärungen

23 Migranten ließen sich von den Schüssen nicht beeindrucken und erreichten Ceuta lebend. Sie wurden nach Marokko abgeschoben. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström fordert „Erklärungen“ von Spanien und drohte mit „angemessenen Schritten“ der EU-Kommission, falls „ein Mitgliedstaat europäisches Recht gebrochen“ habe. Spanische Hilfsorganisationen und Oppositionspolitiker verlangen den Rücktritt des Guardia-Civil-Direktors und des Innenministers. „Wenn die Toten weiße Spanier mit Personalausweis wären“, so der Sozialist Antonio Hernando, „wäre schon jemand zurückgetreten.“Madrid -




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