Mit einer eigenen Veranstaltung wollen die Nachbarn des geplanten Flüchtlingsheims offene Fragen klären – und vielleicht auch die Wogen im Asylstreit glätten.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Filderstadt - Mit ihrem gemeinsamen Protest gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Robert-Bosch-Straße haben die betroffenen Anwohner massive Empörung ausgelöst. In Leserbriefen ist von „Hartherzigkeit in Harthausen“ die Rede, nicht nur in der Asylarbeit aktive Menschen werfen den in einer Initiative mit dem Titel „Mündige Bürger“ vereinten Nachbarn besorgniserregende Fremdenfeindlichkeit vor.

Eine übers Internet verbreitete Initiative hat binnen weniger Tage mehr als 200 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die „Flüchtlinge in Filderstadt willkommen“ heißen wollen. Und: Auch im persönlichen Kontakt lassen um das Wohl der künftigen Bewohner der Unterkunft besorgte Menschen kein gutes Haar an den vor Ort existierenden Ängsten. „Es gibt massive Anfeindungen, teilweise trauen sich die Leute gar nicht mehr zum Einkaufen“ , berichtet Werner Arnold von den Reaktionen auf den Protest der Nachbarn.

Anwohner schlagen inzwischen moderatere Töne an

Weniger Beachtung findet in der sehr emotionsgeladenen Debatte um die geplante Flüchtlingsunterkunft, dass die Anwohner inzwischen deutlich moderatere Töne anschlagen. Zwar ist die in der ersten Aufregung drastisch formulierte Sorge um die Lebensqualität im Stadtteil nach wie vor zu spüren, auch am geplanten Standort am Rand des Gewerbegebiets äußern die Nachbarn immer noch erhebliche Zweifel.

In den Blickpunkt der Anwohner gerückt ist inzwischen aber auch die Frage, wie ein gedeihliches Zusammenleben mit den künftigen Nachbarn gelingen könnte. „Wir befürworten die sinnvolle Integration von hilfsbedürftigen Flüchtlingen“, heißt es in einem Flyer, mit dem die Anwohner-Initiative zu einer Infoveranstaltung einladen will. Noch vor der für Montag, 11. Mai, geplanten offiziellen Bürgerinformation durch Stadt und Landkreis (19 Uhr, Jahnhalle) wollen sich die Nachbarn am Samstag um 14 Uhr mit der Frage nach einem tragfähigen Konzept für die Unterbringung von Flüchtlingen in Filderstadt beschäftigen.

In Eigenregie wird eine „Bürgerinformation“ organisiert

Für die in Eigenregie organisierte Veranstaltung räumt der weltweit tätige Isolierspezialist einen Teil der Produktionshalle an der Carl-Zeiss-Straße 14 aus – und hofft, dass sich neben Befürwortern und Gegnern der geplanten Gemeinschaftsunterkunft auch bisher unbeteiligte Bürger einfinden. „Ich würde mir wünschen, dass Leute kommen und ihre Hilfe anbieten“, sagt Firmenchef Werner Arnold. Gefragt sei breite bürgerschaftliche Beteiligung von der Kirchengemeinde bis zum Sportverein. „Wir wollen uns einbringen. Denn allein mit einer alle paar Wochen veranstalteten Teestube kann Integration aus unserer Sicht nicht funktionieren.“

Als Kehrtwende will die Anwohner-Initiative ihr Gesprächsangebot allerdings nicht verstanden wissen. Nach wie vor wird eine gleichmäßig über Filderstadt verteilte und vor allem dezentrale Unterbringung gefordert, das vom Landkreis mit 80 bis 100 Menschen geplante Flüchtlingsheim ist aus Sicht der „Mündigen Bürger“ viel zu groß, um noch verträglich zu sein. „Mit zwei oder drei Familien könnten wir leben“, heißt es. Vermisst wird deshalb auch eine lokale Planung, wie Filderstadt bei der Aufnahme von Asylbewerbern vorgehen will. „Es kann ja nicht Sinn und Zweck sein, die Flüchtlinge einfach irgendwo reinzustecken“, beklagt Werner Arnold, dass sich die Stadt über in Frage kommende Standorte wenig Gedanken gemacht habe.

Freie Wähler fordern einen Flüchtlingsbeauftragten

Den Wunsch nach einem Flüchtlingskonzept hat die Initiative jüngst auch Stadträten vorgestellt. Schon vor dem Gespräch mit den Fraktionen hatten beispielsweise die Freien Wähler eine Personalstelle für einen Flüchtlingsbeauftragten gefordert. Die SPD mahnte, bei der Unterbringung von Asylbewerbern „mit mehr Gespür und Sorgfalt“ zu handeln. Neben der Forderung nach einer aktiven Wohnungspolitik beantragte Fraktionschef Walter Bauer bereits 2014 eine Planung, welche Standorte sich für Flüchtlingsheime und Anschlussunterbringung anbieten.

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