Flüchtlingshelfer in Esslingen Die Aufgaben werden immer komplexer

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Ohne die ehrenamtliche Hilfe wäre die Integrationsaufgabe nicht zu bewältigen. Aber auch die ehrenamtlichen Helfer brauchen Unterstützung.

Containerunterkünfte wie diese können keine langfristige Lösung sein. Foto: Ines Rudel
Containerunterkünfte wie diese können keine langfristige Lösung sein. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Das Wort ,Manager’ hat bei manchem wohl etwas falsche Erwartungen bezüglich der Verdienstmöglichkeiten geweckt.“ Roland Hummel muss noch immer den Kopf schütteln, wenn er an Bewerbungen mit exorbitanten Gehaltsvorstellungen auf die Stellen als Integrationsmanager denkt. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Erziehung und Soziales hat der Leiter der Abteilung soziale Beratung und Wohnen bei der Stadt einen Zwischenbericht zur Entwicklung der Flüchtlingszahlen in der Stadt gegeben. Angelika Neudek wiederum hat von ihrer Arbeit in der Koordinationsstelle Bürgerengagement in der Flüchtlingsarbeit berichtet.

Beides hängt eng miteinander zusammen. Momentan leben rund 800 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung in Esslingen. Am Jahresende werden es rund 1000 Menschen sein, um die sich die Stadt kümmern muss und die in Obdachlosenunterkünften, Hoffnungshäusern, Wohnungen der Esslinger Wohnungsbau oder privaten Wohnungen leben. Die meisten von ihnen benötigen soziale Betreuung, Beratung und auch finanzielle Hilfe.

Auf jeden Integrationsmanager kommen 90 Flüchtlinge

8,9 Stellen für Integrationsmanager, so Hummel, gibt es in Esslingen. Diese Fachleute stehen auf der professionellen Seite bereit, um den nach Deutschland geflohenen Menschen bei der Lösung ihrer alltäglichen Probleme zu helfen. Die Aufgaben werden mit fortschreitender Integration immer komplizierter und zeitintensiver. Wenn man dann bedenke, dass der Betreuungsschlüssel in Esslingen momentan 1:90 betrage, dass also ein Integrationsmanager eigentlich 90 Flüchtlinge betreuen solle, werde schnell klar, dass die Integrationsbemühungen ohne die ehrenamtliche Hilfe vieler Esslinger Bürger bei weitem nicht so erfolgreich sein könnten, wie sie es sind.

Das Engagement der Helfer reicht von Sprachunterricht über die Mithilfe in Kleiderkammern oder den Aufbau von Fahrradwerkstätten bis zur Begleitung der Flüchtlinge bei Arzt- und Behördenbesuchen oder der Unterstützung bei der Suche nach Arbeit und Wohnraum.

370 ehrenamtliche Helfer sind momentan aktiv dabei

Aber auch die Helfer können nicht alles wissen und benötigen zumindest gelegentlich Hilfe. Um die Betreuung der momentan rund 370 ehrenamtlich tätigen Bürger in Esslingen wiederum kümmern sich Daniel Friz und Angelika Neudek von der Koordinationsstelle Bürgerengagement. Sie ziehen ein überaus positives Fazit ihrer bisherigen Arbeit. Die Koordinationsstelle sei die Schnittstelle zwischen den Unterstützerkreisen, Kleingruppen und Einzelpersonen und leiste wichtige Beratungsarbeit, kläre Zuständigkeiten und stelle für interessierte Bürger den Kontakt zu aktiven Gruppen her. Zusätzlich kümmern sich die beiden städtischen Mitarbeiter um die Öffentlichkeitsarbeit beim Thema Bürgerengagement.

Die Erkenntnis, dass ehrenamtliche Hilfe professionelle Unterstützung braucht, hat sich mittlerweile auch im Esslinger Gemeinderat durchgesetzt. Zunächst ist die Arbeit der Koordinationsstelle bis zum Ende des Jahres 2019 begrenzt. In der Sitzung des Sozialausschusses haben aber Sprecher aller Fraktionen die Bereitschaft signalisiert, die Koordinationsstelle auch längerfristig zu unterstützen. Für seine Bemerkung, dass die Integration der Flüchtlinge eine Generationenaufgabe ist, erhielt Roland Hummel viel Zustimmung.




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