Flüchtlingshilfe aus Waiblingen Der Gestank des Krieges

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Aygül Aras aus Waiblingen hat den Transport von Hilfsgüter in Flüchtlingslager bei Kobane organisiert. Von der türkisch-syrischen Grenze hat sie furchtbare Eindrücke mitgebracht, die sie den Menschen hierzulande vermitteln will.

Neben türkischen Panzern beobachten Zivilisten Kämpfe in Kobane. Foto: dpa
Neben türkischen Panzern beobachten Zivilisten Kämpfe in Kobane. Foto: dpa

Waiblingen - Ruhig und gefasst klingt die Stimme am Telefon, als hätte man sich erst neulich verabschiedet. „Ich bin wieder zurück. Am Wochenende wollen wir von unserer Reise berichten. Können wir kurz darüber reden?“ Doch Aygül Aras hat keine gewöhnliche Reise hinter sich. Die in Waiblingen lebende Kurdin ist mit ihrer Schwester in ihre ostanatolisch Heimat geflogen, um von der Stadt Dersim aus Hilfsgüter zu Flüchtlingen an die syrische Grenze zu bringen. „Es hat alles geklappt“, sagt sie. Doch die Eindrücke vor Ort in einem Flüchtlingslager bei Kobane seien bedrückend. „Die Leute da haben fast nichts.“ Und es sei bereits sehr kalt.

Über der Gegend hängt der Geruch der Verwesung

„Wir haben den Krieg gesehen“, sagt Aygül Aras. Von einer Stelle aus, deren Bild um die Welt ging. „Wir standen da neben dem türkischen Militär und haben auf Kobani gesehen. Die Stadt ist nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt.“ Seit Juni kämpfen dort kurdische Peshmerga gegen die Terrormiliz IS. „Es riecht ganz furchtbar“, sagt Aygül Aras. Unter dem Schutt zerstörter Gebäude liegen Tote, Verwesungsgeruch hängt über der ganzen Gegend. „Wir haben den Nachbarort von Kobani besucht. Dieses Dorf wird von Kobani durch eine Bahnlinie getrennt. Dort halten die Frauen Wache, damit die IS-Militanten die Grenze nicht überschreiten.“

„Die Leute sind einerseits froh, dass es jetzt Winter ist, da riecht es nicht so stark, und die Gefahr von Seuchen ist weniger groß, als wenn es heiß ist. Doch sie fürchten sich auch vor der Kälte. Die Leute in den Flüchtlingslagern sind am Ende ihrer Kräfte.“ Da es keinen oder kaum Strom gebe, hätten die Menschen kaum Möglichkeiten, in ihren Zelten ausreichend zu heizen.

In der Winterkälte besteht die Gefahr zu erfrieren

„Es gibt immer weniger Nahrung für die Flüchtlinge. Sie brauchen dringend Hilfe“, sagt Aygül Aras, die für den Waiblinger Verein „Freunde helfen Freunden“ den Transport von Hilfsgütern nach Suruc organisiert, einem Grenzort, der zehn Kilometer von Kobane entfernt ist. Diese wurden mit Spenden bezahlt, die in ganz Deutschland, unter anderem im Großraum Stuttgart gesammelt worden waren. „Als wir in Suruc angekommen sind, waren die Lastwagen schon dort.“ In der Gegend seien in mehreren Lagern rund 50 000 Flüchtlinge untergebracht. „Den ganzen Tag waren wir in den Lagern. Es war sehr traurig. Ich dachte, dass die Lager modern eingerichtet wären, das war aber nicht so. Es mangelt an allem“, erzählt Aygül Aras.

Vor allem der bevorstehende Winter bedrohe die Menschen in ihren provisorischen Unterkünften. Die Gegend liegt auf knapp 600 Metern über dem Meer, die Winter sind schneidend kalt. „Sie brauchen dringend Nachbesserungen in ihren Lagern, ansonsten werden sie in der Kälte erfrieren“, befürchtet Aygül Aras.

Am 21. Dezember will Aygül Aras wieder an die türkisch-syrische Grenze reisen, um die Verteilung weiterer Hilfsgüter zu organisieren. „Wir haben überall großes Interesse erlebt, wenn die Leute gemerkt haben, dass wir aus Dersim kamen“, sagt Aygül Aras. Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung im Osten der Türkei sei groß –auch wenn die Menschen dort selbst nicht sehr viel hätten




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