Flüchtlingshilfe Helfen statt reden

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Drei junge Männer haben im Oktober Hilfsgüter auf den Balkan gebracht. Serkan Eren, Steffen Schuldis und Tobias Radulescu haben die Initiative „Balkan Route Stuttgart“ gestartet. Bald steht die nächste Hilfstour an.

Ende Oktober haben  Serkan Eren, Steffen Schuldis und Tobias Radulescu (von links)  auf dem Balkan in Flüchtlingscamps  geholfen. Foto:  
Ende Oktober haben Serkan Eren, Steffen Schuldis und Tobias Radulescu (von links) auf dem Balkan in Flüchtlingscamps geholfen. Foto:  

S-Süd - Knapp 500 Einwohner hat das griechische Dorf Idomeni. Rund 10 000 Flüchtlinge halten sich dort vor der mazedonischen Grenze in dem Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen auf. Die erste Reaktion von Steffen Schuldis und Serkan Eren aus Stuttgart als sie Ende Oktober in dem Camp ankamen: „Wir sind schockiert. Den Menschen ins Gesicht zu schauen, ist was ganz anderes als alles, was man so im TV sieht“, posteten die beiden auf ihrer Facebook-Seite „Balkan Route Stuttgart“.

Hilfe-Aufruf via Facebook war sehr erfolgreich

Knapp 4400 Kilometer haben der Heslacher Schuldis und der Degerlocher Eren in den Herbstferien mit ihrem Sprinter zurückgelegt, um dort zu helfen, wo die Not am größten ist. Eine Woche vorher haben sie via Facebook zu Kleider-, Geld- und Sachspenden aufgerufen. Die Resonanz war so groß, dass sie den größten verfügbaren Sprinter komplett füllen konnten. Der dritte im Bund, Tobias Radulescu, fuhr mit einem zweiten, übervollen Sprinter auf einer anderen Route. „Er hatte in unserem schlicht keinen Platz mehr“, sagt Schuldis.

Vor Ort wollten sie ihre Sachspenden unter den Flüchtlingen verteilen. Wie das alles vonstatten gehen sollte, das war ihnen vorher nicht so ganz klar. Am Ziel haben sich die beiden deshalb zügig mit den Hilfsorganisationen kurzgeschlossen. Dann ging alles ganz schnell. Von „Ärzte ohne Grenzen“ bekamen sie in der provisorischen Zeltstadt ein eigenes Zelt für ihre Güter gestellt. „Der Campleiter hat uns dann quasi gleich eine Führungsaufgabe übertragen“, erzählt Schuldis nicht ohne Stolz. In ihrem Zelt haben die beiden Stuttgarter drei Tage lang die Flüchtlinge, vor allem Kinder, mit dem Nötigsten ausgestattet. „Wir waren besser aufgestellt als jeder Breuninger“, sagt der 28-jährige Heslacher.

Die nächste Tour auf den Balkan ist bereits geplant

Berührend sei für ihn vor allem gewesen, wie manche Flüchtlinge sich trotz ihres Schicksals nicht unterkriegen ließen. Vor allem ein kleiner Junge ist ihm in Erinnerung geblieben. „Er ist aus dem ganzen Elend rausgestochen, weil er so fröhlich war“, berichtet Schuldis. Dabei sei er nur mit seiner Mutter, in Sandalen und ohne Jacke Ende Oktober in dem Camp angekommen. Über die neuen Kleider habe er sich so gefreut, dass er den Stuttgarter am Ende sogar mit einem Kuss verabschiedet hat. „Das habe ich nicht vergessen“, sagt der, nun wieder zurück in Deutschland.

Die erste Tour der Initiative Balkan Route Stuttgart soll nicht die letzte gewesen sein. „Aber wir schauen von Projekt zu Projekt“, sagt der 28-Jährige. „Es ist eine unglaubliche zeitliche, körperliche und seelische Belastung.“ Dennoch: um Weihnachten wollen Eren und Schuldis voraussichtlich aber wieder aufbrechen. „Viele reden darüber was man tun könnte. Wir wollen nicht mehr einfach nur nachdenken.“ Denn die Erfahrung ihrer Balkan-Tour hat den beiden gezeigt, dass dort helfen, wo die Not am größten ist, schlicht auch am effektivsten ist.

In die Flüchtlingsarbeit ist Schuldis daheim in Stuttgart eher zufällig reingerutscht. Ab und zu half er mit Eren in einem Freundeskreis aus. Der gebürtige Böblinger hat in Stuttgart und Friedrichshafen internationale Betriebswirtschaft studiert. Seit Oktober arbeitet er in einem Automobilunternehmen. Das Projekt „Balkan Route Stuttgart“ betreibt er komplett in seiner Freizeit. „Das gibt mir auch Sinn im Leben“, sagt er.

Außerdem sieht sich der 28-Jährige in der Pflicht: „In meinem Leben sind alle elementaren Bedürfnisse gedeckt“, sagt Steffen Schuldis. „Ich habe die Zeit und die Basis, um anderen helfen zu können.“

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