Flüchtlingskrise im Landkreis Ludwigsburg Last nicht allein den Kommunen aufbürden

Eine Flüchtlingsunterkunft in Benningen. Noch kommt man in Großbottwar mit dezentralen Lösungen durch. Foto: avanti

Bürgermeister und Landrat appellieren an den Bund und fordern mehr Unterstützung.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Die Kommunen wollen in der Unterbringung und Versorgung geflüchteter Menschen besser unterstützt werden. Deshalb haben Landrat Dietmar Allgaier und die Bürgermeisterversammlung im Landkreis an die Bundestagsabgeordneten appelliert. Trotz großer Anstrengungen sind die Unterbringungsmöglichkeiten am Ende, so der Tenor. Die Sorge ist groß, dass die Unterbringung in Hallen im Herbst und Winter nicht ausreichend sein wird. Momentan werden dem Landkreis wöchentlich 150 bis 200 Personen vom Land zugewiesen, davon 100 bis 150 Geflüchtete aus der Ukraine. Die 34 Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises für die vorläufige Unterbringung in verschiedenen Gemeinden sind mit mehr als 2000 Personen belegt.

 

Pragmatische Lösungen gefragt

Es sei zunehmend schwierig, mit den hohen Zugangszahlen umzugehen, deshalb wird von der kommunalen Ebene eine bessere Verteilung innerhalb Deutschlands vorgeschlagen. Eine pragmatische Lösung wäre zum Beispiel die kommunale Umverteilung über Partnerstädte. Kornwestheim hatte diese Idee jüngst ins Spiel gebracht.

Viele der von den Kommunen vorgehaltenen Unterkünfte waren aber bereits vor dem Ausbruch des Angriffskriegs in der Ukraine belegt. „Die Kapazitäten für die weitere Unterbringung im Landkreis sind nun erschöpft“, heißt es aus dem Kreishaus. Erste Hallen wurden als Notunterkünfte eingerichtet, statt für den Schulsport zur Verfügung zu stehen. Trotzdem werden weiterhin wöchentlich Hunderte Geflüchtete im Landkreis ankommen. Auch die Zugangszahlen anderer Flüchtlingsgruppen steigen seit Monaten deutlich an. Weitere Notunterkünfte seien daher unausweichlich.

Und nicht nur die Bereitstellung von provisorischem Wohnraum, auch die erforderlichen weiteren Kindergarten- und Schulplätze belasten die Kommunen zusätzlich. „Mit Blick auf den Herbst und Winter bereitet mir die Situation bereits jetzt große Sorgen“, so Landrat Allgaier. Die Bevölkerung müsse laut Allgaier jetzt besonders zusammenhalten, der soziale Frieden sei gefährdet.

Man stehe zu der Verpflichtung, „Geflüchtete, die unseres Schutzes bedürfen, aufzunehmen und zu versorgen“, so die klare Meinung der Bürgermeister und des Landrats. Dennoch sei zu befürchten, dass die Akzeptanz sinke, wenn weitere Hallen dauerhaft belegt werden. Der Wohnungsmarkt bleibe zudem weiterhin angespannt.

Großbottwar wünscht sich Antworten

Die gleichen Argumente wurden am Mittwochabend bei der Sitzung des Großbottwarer Gemeinderats ausgetauscht. Dort ging es um mehrere Möglichkeiten zur Unterbringung geflüchteter Menschen im Ort. 148 Geflüchtete wohnen derzeit verteilt auf 22 Standorte in Großbottwar. Bis Jahresende werden es nach den Prognosen noch einmal um die 80 Menschen mehr sein.

Deshalb will die Stadt die Hausmeister-Wohnung in der Lindenstraße und im Dorfgemeinschaftshaus Hof und Lembach sowie die Räumlichkeiten des Kleintierzüchtervereins umbauen und dort Leute unterbringen. Zudem soll die Containeranlage an der Schule weiter gemietet werden. Der Gemeinderat votierte einstimmig dafür. Einig war man sich ebenso darüber, dass Punkte wie Kinderbetreuung, generell Wohnraumsuche und vieles weitere nicht geklärt seien und man sich von der „großen Politik“ hierzu Antworten wünschte.

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