Flüchtlingsunterbringung in Göppingen Raum für Sorgen, Kritik – und Lösungen

Der „Göppinger Weg“ einer dezentralen Flüchtlingsunterbringung soll weiterhin beschritten werden. Foto: Pascal Thiel
Der „Göppinger Weg“ einer dezentralen Flüchtlingsunterbringung soll weiterhin beschritten werden. Foto: Pascal Thiel

Ein konstruktiver Dialog zwischen Bürgern und Verwaltung prägt den Informationsabend zur Flüchtlingssituation in Göppingen. Die dezentrale Unterbringung der Schutzsuchenden soll beibehalten werden.

Region: Andreas Pflüger (eas)
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Göppingen - Sachlich, unaufgeregt und lösungsorientiert: Ganz so, wie man es sich von der großen Politik wünschen würde, haben rund 100 Göppingerinnen und Göppinger am Mittwochabend mit den Stadtoberen über die Flüchtlingsunterbringung und die damit verbundenen Probleme diskutiert. Selbst als der Vizelandrat Jochen Heinz die zu diesem Zeitpunkt ganz neue Hiobsbotschaft verkündete, dass sogar im Hohenstaufensaal des Landratsamtes und in einem großen Zelt auf dessen Parkplatz in Kürze rund 130 Flüchtlinge untergebracht werden müssten, war im Märklin-Saal der Stadthalle nur ein Grummeln zu hören.

Nicht etwa, dass im Laufe des Abends kritische Fragen oder berechtigte Sorgen keinen Platz gehabt hätten. Doch auch in diesem Fall galt die übergeordnete Devise der Informationsveranstaltung: „Die Situation ist wie sie ist – und wir müssen damit so gut wie möglich umgehen.“ Zunächst hatte Oberbürgermeister Guido Till deutlich gemacht, dass zurzeit niemand mit Gewissheit sagen könne, wie viele Flüchtlinge Göppingen aufnehmen müsse. „Es ist möglich, dass sich die Zahl im Vergleich zu 2014 verdoppelt oder gar verdreifacht. Doch selbst bei 600 oder 800 Schutzsuchenden kann in einer Stadt unserer Größe von Überfremdung keine Rede sein“, sagte er. Till zeigte sich guter Dinge, dass auch die vierte Zuwanderungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg gemeistert werden könne und betonte, dass am „Göppinger Weg“ der dezentralen Unterbringung so lange wie möglich festgehalten werde.

Warnung vor Überforderung der Ehrenamtlichen

So werden zusammen mit der städtischen Wohnbau mehrere Gebäude im Bereich von Hermann- und Bahnhofstraße sowie in der Oberen Gartenstraße für gut zwei Millionen Euro hergerichtet. Dort sollen insgesamt 350 Personen, befristet auf maximal 18 Monate, Unterschlupf finden. Zudem können mit Hilfe der Wohnbaugenossenschaft Flüwo 200 Menschen im Bodenfeld unterkommen. „In einem weiteren Schritt folgt dann die Familienzusammenführung, zu der ich mich ausdrücklich bekenne“, erklärte Till. Der CDU-Mann machte deutlich, dass in diesem Zuge zusätzliche Bauplätze für familiengerechtes Wohnen ausgewiesen sowie die Angebote in den Kitas, in den Schulen und in der Arbeitswelt ausgebaut werden müssten.

Ausdrücklich lobten Till und Heinz das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit, was wiederum Monika Maichl vom Göppinger Arbeitskreis Asyl auf den Plan rief: „Wir sind mit unserem Café längst an der Kapazitätsgrenze und schaffen es auch personell nicht mehr“, warnte sie vor einer Überforderung der freiwilligen Helferschar. Die Sozialbürgermeisterin Gabriele Zull versicherte, „dass wir diese Engpässe längst erkannt haben und sowohl räumlich wie auch vom Personal her für eine Entspannung sorgen werden“. So sei auch bereits ein kreisweiter Austausch zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen geplant, um vorhandene Strukturen zu überprüfen und zu verbessern.

Till verspricht, offensive Informationspolitik fortzusetzen

Das von einer Bürgerin angesprochene Thema „Sicherheit“ griff der Göppinger Polizeichef Konrad Aichinger auf: „Momentan gibt es in der Stadt keinen signifikanten Anstieg bei den Straftaten, aber viele Gerüchte.“ Diese gelte es, als solche zu entlarven, fügte er hinzu. Aichinger bezeichnete das Befinden der Bevölkerung als „gefühlte Unsicherheit, die sich durch Zahlen nicht belegen lässt.“ Dennoch treibt gerade dieses Thema die Menschen um, und so wurde mit allgemeinem Wohlwollen registriert, dass die Verwaltung ihre offensive Informationspolitik fortsetzen will.

So wird es, wie Till zusagte, binnen der kommenden 14 Tage noch eine Bürgerversammlung im Bodenfeld geben. „Und wir werden uns, angesichts der rasanten Veränderungen in diesem Bereich, Anfang Februar hier in der Stadthalle wieder mit Ihnen treffen“, versprach der Rathauschef. Lob aus dem Publikum gab es aber nicht nur für Einbindung der Bevölkerung, sondern für das gesamte Tun im Kreis. Dennis Faller, der mit dem Technischen Hilfswerk schon andernorts Flüchtlingsunterkünfte aufgebaut hat, stellte fest, „dass es hier bei uns, im Vergleich mit anderen Städten und Kreisen, sehr human abläuft“.

Kritische Nachfragen, weshalb denn in dem seit Jahren leer stehenden früheren Telekom-Gebäude im Reusch keine Flüchtlinge untergebracht werden könnten, gab es zum Schluss der Diskussion. Der Baubürgermeister Helmut Renftle erläuterte, dass dies zum einen wegen erheblicher Investitionen und zum anderen wegen der zeitlichen Dauer einer möglichen Renovierung nicht sinnvoll sei. „Wir brauchen kurzfristige Lösungen, und dafür ist das Telekom-Gebäude schlicht nicht geeignet.“




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