Flüchtlingsunterkünfte auf den Fildern Waldheime bleiben unbelegt

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Die evangelische und die katholische Kirche stellen Ferienwaldheime zur Verfügung, um in ihnen vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen. Die beiden Waldheime in Degerloch und Riedenberg sind nicht betroffen. Doch im Moment kann niemand absehen, ob dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Das  Parkheim an der Eichenparkstraße in Riedenberg wird neu gebaut. Deshalb kommt es als provisorische Unterkunft für Asylbewerber nicht in Frage. Foto: Judith A. Sägesser
Das Parkheim an der Eichenparkstraße in Riedenberg wird neu gebaut. Deshalb kommt es als provisorische Unterkunft für Asylbewerber nicht in Frage. Foto: Judith A. Sägesser

Sillenbuch - Für diesen Winter sei die Liste bereits fertig. Die Waldheime in Riedenberg und Degerloch sind nicht auf ihr vermerkt. Das unterstreicht der Kirchenpfleger der Evangelischen Kirche, Hermann Beck. Die Formulierung beinhaltet, dass niemand den Bedarf an Unterbringungsplätzen in den nächsten Jahren vorhersehen kann. Schon gar nicht im Moment, da die vielen internationalen Krisen, vor allem der Syrienkrieg, ungelöst sind.

Im Zuge der fünften Tranche an Flüchtlingsunterkünften will die Stadt bis 2016 1440 Plätze in Systembauten und 708 in Wohncontainern schaffen. Bis Jahresende sollen 1300 Plätze realisiert werden. Einige der Flüchtlinge werden in Ferienwaldheimen in Botnang, Zuffenhausen, Vaihingen und Weilimdorf vorübergehend Obdach finden. Die Stadt will so nach unterschiedlichen Schätzungen 200 bis 400 Flüchtlingen in den Wintermonaten ein Dach über dem Kopf bieten.

Standards werden nicht erfüllt

Die Waldheime in Degerloch und Riedenberg seien der Stadt nicht als Interimslösungen für Flüchtlinge angeboten worden, weil sie Standards für eine Unterbringung gerade in der kalten Jahreszeit nicht erfüllen würden, stellt Hermann Beck klar. „Das Degerlocher Waldheim hat keine Heizung“, sagt Beck. Das Parkheim an der Eichenparkstraße ist aus anderen Gründen im Moment keine mögliche Unterkunft: Es wird neu gebaut und soll bis Sommer 2016 fertig gestellt werden.

Der Kirchenpfleger Hermann Beck will aber nicht ausschließen, dass abgesehen von den vier Waldheimen in Botnang, Zuffenhausen, Weilimdorf und Vaihingen, künftig weitere Waldheime für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden könnten. „Wir machen uns natürlich Gedanken. Die Flüchtlingssituation hat ja eine gewisse Dynamik“, sagt Beck.

Prognosen sind schwierig

Anders ausgedrückt heißt das, dass die Evangelische Kirche so wenig wie die Stadt eine Kristallkugel hat, die ihnen verrät, ob und wie viele weitere Flüchtlingsunterkünfte 2016 benötigt werden. Seien weitere erforderlich, will die Kirche Partnerin der Stadt sein. „Natürlich könnten wir Nein sagen, wenn die Stadt auf uns zukommt. Aber wir begreifen das als gemeinsame Aufgabe“, sagt Beck. Wie hoch das Nutzungsentgelt für die Heime sein wird, darüber will Beck nichts sagen. Kirche und Stadt seien in Verhandlungen. „Das Ziel heißt Unterbringung. Finanzielles ist für uns weit hinten angesiedelt“, sagt Beck.

Die Kirche sei auch bereit, in Waldheime zu investieren, um sie künftig als Flüchtlingsunterkünfte nutzen zu können. „Wir denken da gerade an Heizungen“, sagt Hermann Beck. Für das Waldheim in Degerloch könnte das bedeuten, dass es mit einer möglicherweise installierten Heizung doch noch Unterkunft wird.

Belegung mit Flüchtlingen kommt nicht in Frage

Für Dekan Wolfgang Röhl von der Michaelsgemeinde steht dennoch fest, dass im Degerlocher Waldheim keine Flüchtlinge Platz finden werden. Aufgabe des Waldheims würden auch künftig die Sommerfreizeiten bleiben. Sollte es nötig werden, weiteren Raum für Flüchtlinge zu schaffen, gebe es aus seiner Sicht Alternativen, sagt Röhl.

Die evangelische Gemeinde in Sillenbuch erklärt, dass das Parkheim künftig außerhalb der Ferienzeiten von der Deutsch-Französischen Grundschule genutzt wird. Deshalb schließe sich eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft auch in Zukunft aus.

Kirchenpfleger Hermann Beck weist daraufhin, dass auch das katholische Stadtdekanat der Stadt vier Waldheime in seiner Trägerschaft zur Verfügung gestellt hat. Die Evangelische Kirche schultert die Verantwortung also nicht allein.

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