Über die Zukunft des ehemaligen Restaurants im Lamm (das höchste Gebäude rechts an der Straße) wird noch diskutiert. In dem dahinter hervorblitzenden früheren Gästehaus sollen Wohnungen eingezogen werden. Foto: Werner Kuhnle
In dem brachliegenden Hotel in Steinheim (Kreis Ludwigsburg) soll Wohnraum entstehen – zu relativ günstigen Mietpreisen. Und auch in der Gaststube könnte wieder etwas passieren.
Christian Kempf
04.06.2025 - 11:55 Uhr
Wie in vielen anderen Kommunen der Republik sind auch in Steinheim die Kassen leer und die Stadt muss jeden Cent zweimal umdrehen. Zugleich hoben nun im Gemeinderat mehrere Fraktionen in ihren Haushaltsreden hervor, dass dringend frischer und vor allem bezahlbarer Wohnraum benötigt werde. Ein Paradebeispiel dafür, wie sich trotz der angespannten Finanzlage neue Wohnungen zu vergleichsweise günstigen Mietkonditionen schaffen lassen, könnte die geplante Umgestaltung des früheren Gästehauses Lamm werden.
Das Gebäude im Herzen der Stadt war zuletzt als Unterkunft für Geflüchtete genutzt worden, liegt aber schon seit geraumer Zeit und wegen des Versagens der Heizung komplett brach. Nun möchte die Kommune dem Haus wieder Leben einhauchen und es umbauen lassen.
„Die Grundstruktur ist so kleinteilig, mit der Gästezimmeraufteilung eignet sich das einfach für diverse Wohnformen“, sagte Alexander Grullini, Leiter des Eigenbetriebs Baustein Heimbau im Gemeinderat. Zum einen sollen sechs klassische Wohnungen entstehen, darüber hinaus Wohneinheiten für Auszubildende bei der Stadt oder örtlichen Betrieben. Drei der Wohnheimplätze für Azubis sollen in Form von Einzimmerwohnungen mit eigener Küche und Sanitärbereich ausgestaltet werden. Dazu ist eine WG mit Gemeinschaftsküche und vier Zimmern geplant, die jeweils über Bäder verfügen.
Alexander Grullini geht davon aus, dass für das Vorhaben rund 2,6 Millionen Euro in die Hand genommen werden müssen. Allerdings stehen auch Zuschüsse in Aussicht. Außerdem müsse man die Mieteinnahmen gegenrechnen, betonte Grullini. „In Summe ergibt das, Stand heute, ein relativ lukratives Projekt“, fasste er zusammen. „Und wir befinden uns weit unter dem Kostenansatz für einen Neubau“, beteuerte er.
Der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter und der Gemeinderat überlegen noch, was mit der zugehörigen ehemaligen Gaststätte des Lamm geschehen soll. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)
Der weitere Zeitplan sieht vor, die Arbeiten an dem Gästehaus vor der Sommerpause auszuschreiben. Mitte nächsten Jahres sollen die Bagger anrücken, im Spätsommer 2027 soll der Bezug beginnen.
Mieten unter dem üblichen Niveau
Ob die sechs klassischen Wohnungen am Ende in der Kategorie bezahlbarer Wohnraum oder Sozialwohnungen auf Grundlage des Landesförderprogramms zu verorten sein werden, stehe noch nicht fest, sagt Bürgermeister Thomas Winterhalter.
„Stand heute ist das nicht der Fall. Das kann sich aber ändern“, erklärt er. Mit ziemlicher Gewissheit könne man aber davon ausgehen, dass sich die Mieten unter dem ortsüblichen Niveau bewegen werden. „Schließlich liegen wir hier in einem Sanierungsgebiet, bekommen also höchstwahrscheinlich Zuschüsse aus dem Sanierungsprogramm“, erklärt der Rathauschef.
Relativ günstig wird man auch in den Einheiten für die Azubis leben können. Diese würden nämlich ebenfalls bezuschusst „und orientieren sich hinsichtlich der Miethöhe an den Vorgaben des Landesförderprogramms für bezahlbares Wohnen“, erklärt Winterhalter.
Gästehaus Lamm: Suche nach Lösung für das einstige Restaurant
Während also die Zukunft des Gästehauses geklärt ist, sind die Perspektiven für die zugehörige ehemalige Gaststätte Lamm unklar. „Alternativen zu einer gastronomischen Nutzung werden vonseiten der Verwaltung und des Gemeinderats untersucht, aber es ist noch nichts spruchreif“, sagt der Rathauschef.
Steinheims größtes Bauvorhaben
Neues Rathaus Während die Umgestaltung des Gasthauses Lamm ein vergleichsweise kleines Projekt ist, bereitet der geplante Rathausneubau der Stadt Steinheim aktuell größere Sorgen. Das neue Gebäude soll sich mit Giebeldach und Stahlbeton harmonisch in die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern einfügen. Auf eine ursprünglich geplante Holzhybridbauweise wurde aus Kostengründen bereits verzichtet.
Kosten Die finanziellen Spielräume der Stadt Steinheim sind begrenzt – umso größer ist das Unverständnis in Teilen der Bevölkerung über die geschätzten Baukosten von 23,2 Millionen Euro. Der Vorwurf: Für das Rathaus sei plötzlich Geld da, während es andernorts fehle. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden vor diesem Hintergrund vom Planungsbüro weitere Einsparpotenziale aufgezeigt – etwa bei der geplanten Zisterne oder dem vorgesehenen Mosaikparkett.