Flüchtlingsunterkunft im Stuttgarter Westen Ein Haus zum Plaudern und Raum zum Lernen

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Bei der Flüchtlingsunterkunft in der Breitscheidstraße entsteht der Begegnungsraum. Gebaut wird er von Studenten. Auch der Freundeskreis West engagiert sich, denn er forderte lange einen solchen Ort in der Forststraße.

Von den   Architekturstudentinnen Meike Hammer (l.) und Tine Teiml stammt der Entwurf des Begegnungsraums und sie sind auch vor Ort auf der Baustelle. Foto: Sybille Neth
Von den Architekturstudentinnen Meike Hammer (l.) und Tine Teiml stammt der Entwurf des Begegnungsraums und sie sind auch vor Ort auf der Baustelle. Foto: Sybille Neth

S-West - Der lange gehegte Wunsch des Freundeskreis Flüchtlinge im Stuttgarter Westen wird Wirklichkeit. Dies jedoch nicht wie immer wieder gefordert im Glasanbau der Unterkunft in der Forststraße, sondern neben den Systembauten der neuen Unterkunft in der Breitscheidstraße. Dort leben 136 Flüchtlinge aus zehn Nationen. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier Familien untergebracht.

Der Freundeskreis aus dem Westen engagiert sich seit einem Monat hier bei der Hausaufgabenhilfe. Außerdem wurden mehrere Patenschaften stadtbezirksübergreifend übernommen, berichtet Marina Silverii vom Freundeskreis. Der hat die stolze Zahl von 600 Interessierten in seiner Kartei und die Hälfte packt aktiv mit an.

Ein Haus mit zwei Räumen

Im April wird sich Marina Silverii im Bezirksbeirat Mitte vorstellen und eine Spende in namhafter Höhe überreichen. Die hatten die Ehrenamtlichen für den Umbau des Glashauses in der Forststraße in einen Begegnungsraum gesammelt. Nun geht sie in das Projekt an der Breitscheidstraße über. Das wird voraussichtlich in zwei bis drei Monaten fertig sein, kündigen die beiden Architekturstudentinnen Meike Hammer und Tine Teiml an. Sie hatten die Idee, von ihnen stammt der Entwurf und die Ausarbeitung hatten sie in einem Seminar zusammen mit ihren Kommilitonen vorgenommen. Im Sommer genehmigte das Baurechtsamt das kleine Gebäude mit zwei Räumen und einer Teeküche neben der Unterkunft. Seither werkeln die beiden Studentinnen an ihrem Projekt, das ihre Masterarbeit an der Universität ist.

15 Leuten auf der Baustelle

Unterstützt werden sie von anderen Studenten. „Wir sind eine Gruppe von 15 Leuten. Die kommen aus allen möglichen Fakultäten“, berichtet Meike Hammer. Aber die Helfer auf dem Bau kommen nicht nur aus den Architekturfächern. „Beim Mauern war auch ein Philosoph dabei“, erzählt sie. Tatkräftige Unterstützung kommt auch vom Freundeskreis Mitte. Der hatte sich gegründet, nachdem im August die Flüchtlinge eingezogen waren. Auch einige von ihnen arbeiten mit, berichten die Studentinnen. „Die Kinder fragen uns dauernd, wann wir fertig sind“, sagt Tine Teiml.

In der Unterkunft ist es eng

Gerade sind sie dabei den Holzfußboden im größeren der beiden Räume zu legen. Hier entsteht ein Treffpunkt für Einheimische und Flüchtlinge. „In den Unterkünften gibt es keine Möglichkeiten zum Beispiel mal in Ruhe gemeinsam ein Dokument durchzugehen“, erklärt Marina Silverii die Situation. Viereinhalb Quadratmeter werden pro Person berechnet. Das bedeutet, wer einen Flüchtling besucht, wird auf dessen Bett sitzen, denn andere Möglichkeiten gibt es nicht. Der zweite, kleinere Raum in dem kleinen Häuschen mit 100 Quadratmetern ist ein stiller Ort zum Beispiel zum Lernen.

Firmen helfen mit Sachspenden

Finanziert werden die ungefähr 100 000 Euro Baukosten für das Gebäude, das auf einem Grundstück des Landes steht, über Spenden. Darunter sind auch großzügige Sachspenden von Firmen. Alle Studenten und sonstige Helfer arbeiten ehrenamtlich. Verschiedene Arbeiten wie die Verlegung der Bodenplatte, die Elektro­installation oder der Verputz müssen von Fachbetrieben ausgeführt werden. Auch sie arbeiten auf dieser besonderen Baustelle zum Freundschaftspreis. Den Standort zwischen der Unterkunft und dem Campus hatte die Universität selbst vorgeschlagen.

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