Flüge in Stuttgart Neuer Passagierrekord am Flughafen absehbar

Von Josef Schunder 

In den ersten sechs Monaten des Jahres sind fast sechs Millionen Menschen von und zum Manfred-Rommel-Flughafen gereist. Ein Plus von 9,3 Prozent. Und die Jahreszeit, wenn das Passagieraufkommen noch größer ist, kommt erst noch.

Abflug: Der Flughafen Stuttgart hat Hochbetrieb. Foto:  
Abflug: Der Flughafen Stuttgart hat Hochbetrieb. Foto:  

Stuttgart - Der Flughafen Stuttgart legt kräftig zu und wird 2019 wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr als zwölf Millionen Passagiere haben. Dafür spricht die Entwicklung im ersten Halbjahr 2019.

In diesen sechs Monaten ist die Zahl der Fluggäste um 9,3 Prozent gestiegen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018, in dem auch schon ein Anstieg um sieben Prozent gegenüber 2017 zu verzeichnen gewesen war. Seit April habe man jeden Monat über eine Million Fluggäste, berichteten Flughafen-Geschäftsführerin Arina Freitag und Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung. Hohe Zahlen erwarten sie auch den ganzen Sommer über und im Herbst. Freitag: „Das wird wirklich, wirklich ein heißer Sommer.“

Gleichwohl sei man zuversichtlich, dass die Luftfahrt kein Chaos erleben wird wie im vergangenen Jahr. Die Vorzeichen scheinen gut zu sein. „Die Feuertaufe mit der Pfingstreisesaison haben wir gut überstanden“, sagte Freitag. Der Flughafen und die Airlines hätten ihre Hausaufgaben gemacht und mit Personal aufgerüstet, die Airlines hätten auch mehr Flugzeuge aufgeboten.

Rund 860 Flugausfälle binnen sechs Monaten

Im ersten Halbjahr habe man in Stuttgart 860 Flugausfälle gehabt, was immer noch bedauerlich sei, aber deutlich weniger als die rund 1200 Ausfälle im ersten Halbjahr 2018, sagte Freitag. Gemessen an der Gesamtzahl der Flüge in Stuttgart sei die Quote von 2,4 auf 1,5 Prozent gesunken.

Vor der sommerlichen Hochphase habe man für genügend Vorfeldbusse zum Passagiertransport vorgesorgt. Die Check-in-Schalter und Sicherheitsschleusen sollen wie zur Pfingstsaison wieder eine halbe Stunde früher, nämlich um 3.30 Uhr, geöffnet werden. Damit möchte man den Ansturm vor den um 6 Uhr beginnenden Flügen entzerren.

Mit Servicepersonal will der Flughafen den Reisenden auch den Weg zu weniger frequentierten Toiletten weisen, weil besonders vor den Damentoiletten Staus drohen können. Es gebe am Flughafen mehr Herren- als Damentoiletten, obwohl die Männer bei den Reisenden keineswegs ähnlich in der Überzahl wären, sagte Freitag. Bei künftigen Um- und Neubauten will man das korrigieren.

Im ersten Halbjahr gut 5,8 Millionen Fluggäste

Ein plötzliches Abflauen des „erfreulich guten“ Passagieraufkommens in diesem Jahr erwarten die Flughafenchefs nicht, wenn ihnen nicht Pilotenstreiks oder Krisensituationen dazwischenfunken. Von über zwölf Millionen Fluggästen in diesem Jahr wollten sie dennoch nicht offensiv reden.

Tatsache ist: Von Anfang Januar bis Ende Juni starteten und landeten auf dem Manfred-Rommel-Flughafen genau 5 804 732  Reisende, demnach rund 513 000 Menschen mehr als im ersten Halbjahr 2018. Und im zweiten Halbjahr verzeichnet man üblicherweise noch mehr Passagiere als im ersten. Die Zahl der Flugbewegungen, bei der sich der Trend schon 2018 nach längeren Phasen des Rückgangs umgekehrt hatte, nahm ebenfalls wieder zu. Sie stieg um 4,6 Prozent auf insgesamt 67 984 Starts und Landungen. Die Luftfracht, in Stuttgart von jeher eher unbedeutend, nahm um 8,7 Prozent ab auf nur noch 12 577 Tonnen.

In diesen Zahlen und in den Flugbuchungen für dieses Jahr spiegele sich noch nicht wider, dass aus den Reihen der Wirtschaftsinstitute ein Abflauen der Wirtschaftskonjunktur prognostiziert werde. Auch sprächen sie nicht für eine „Flugscham“ wegen der Klimafrage, sagte Freitag. Dennoch hob Schoefer hervor: „Wir haben verstanden, dass das Thema Klimaschutz viele Menschen bewegt.“ Die Flughafengesellschaft nehme ihre Verantwortung für den Klimaschutz freilich längst an. Man wolle Verkehrswachstum und Nachhaltigkeit in Einklang bringen.

28 Airlines interessieren sich für Fördermittel

In dem Zusammenhang verwies Flughafenchefin Freitag auf die neue Entgeltordnung des Flughafens, die am 1. Juli in Kraft getreten ist. Damit gebe man Anreize für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung des Standortes. In der Entgeltordnung wird Fluggesellschaften eine zeitlich befristete Förderung in Aussicht gestellt, wenn sie umweltfreundlichere Treibstoffe einsetzen, sowie und eine zeitweise Befreiung von Start-und-Lande-Gebühren, wenn über ein Jahr hinweg rein elektrisch angetriebene Flugzeuge im Liniendienst eingesetzt werden. Außerdem bekommen Airlines mit vielen Passagieren einen Volumenrabatt bei diversen Gebühren. Und die Einführung von neuen Strecken unterstützt der Flughafen bis zu vier Jahre lang mit gestaffelten Beträgen: Die betragen bis zu sechs Euro pro abfliegendem Passagier bei kontinentalen Flügen und bis zu zwölf Euro bei interkontinentalen Flügen. 28 der meistens etwa 55 Airlines, die am Stuttgarter Flughafen vertreten sind, hätten schon Interesse am sogenannten Incentive-Programm angemeldet, sagte Freitag.

Kritiker, etwa bei der Schutzgemeinschaft Filder, werfen der Flughafengesellschaft wegen dieser Anreize vor, sie habe der Wachstumseuphorie nicht abgeschworen und heize den Flugverkehr zu Lasten des Klimas noch an.

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