Fünf Jahre nach dem Verschwinden von Flug MH370 bleibt das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte ungeklärt. Die Angehörigen der Verschwundenen haben keinen Platz für ihre Trauer.

Kuala Lumpur - Kinder halten brennende Kerzen. Die Mütter, ihre Gesichter nach Jahren vergeblichen Wartens verhärmt, versuchen sich an einem müden Lächeln. Sie versammeln sich vor zwei ausgestellten Trümmerteilen, der am 8. März 2014 verschwundenen Boeing 777 von Malaysia Airlines in Kuala Lumpur zu einer Gedenkfeier. Doch außer den Angehörigen interessieren sich nur noch wenige Leute für die Aufklärung des größten Mysteriums der Luftfahrtgeschichte.

 

239 Menschen befanden sich an Bord von MH370 auf dem Weg von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking. Kurz nach dem Start dreht Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah den Steuerknüppel des Passagierjets aus ungeklärten Gründen Richtung Westen und verschwindet samt Flugzeug und ahnungslosen Passagieren in der Nacht irgendwo über dem Indischen Ozean. Sieben Stunden lang sei die Maschine noch geflogen, heißt es in einem Untersuchungsbericht der Regierung des Landes.

Dieser Bericht steckt voller Spekulationen. Fünf Jahre nachdem MH370 den Radarschirm verlassen hat, wird nicht mehr nach der vermissten Maschine gesucht. „Wir sind bereit, eine weitere Suche zu erlauben“, erklärte Malaysias Verkehrsminister Anthony Loke am vergangenen Sonntag, „wenn neue Technologie Aussichten auf Erfolg öffnet.“

Statt Antworten Spekulationen und Verschwörungstheorien

141 Millionen US-Dollar investierten Malaysia, China und Australien in die monatelange vergebliche Suche auf dem Meeresgrund des weitgehend unerforschten Bodens im Süden des Indischen Ozeans. Eine zweite Suche der US-Firma Ocean Infinity im vergangenen Jahr verlief ebenfalls enttäuschend. Das Unternehmen, das im November 2018 den gesunkenen Rumpf eines argentinischen U-Boots aufgespürt hatte, hatte auf eigenes Risiko in dem Gebiet gesucht, in dem das Flugzeug nach stundenlangem Flug mangels Treibstoff im Indischen Ozean niedergegangen sein soll. Beim Auffinden von MH370 hätte Kuala Lumpur einen Finderlohn von 70 Millionen US-Dollar gezahlt. Jetzt hoffen Angehörige von Passagieren und Crew, dass bald eine neue neue Suchaktion starten könnte.

Denn statt Antworten gab es für sie während der vergangenen fünf Jahre nur Spekulationen und Verschwörungstheorien. Seit dem Verschwinden der Maschine, die aus Kostengründen ohne Tracking (Standortverfolgung) unterwegs war, wurden alleine auf dem englischsprachigen Markt mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Titel wie „Lost in the Dark“ (Verschwunden in der Dunkelheit) oder „The Plane That Never was“ (Das Flugzeug, dass es nie gab) oder „Mystery Plane“ (Mysteriöses Flugzeug) überschlagen sich zwar mit Spekulationen, geben aber noch weniger Antworten als dürftige offizielle Berichte.

Ein Forscher tippt auf Akustische Gravitationswellen

Behauptungen, die Trümmer würden irgendwo im Urwald Kambodschas liegen oder auf einer einsamen Insel versteckt werden, verunsichern immer wieder die Angehörigen. Jetzt veröffentlichte der Mathematiker Usama Kadri von der Universität Cardiff in Großbritannien eine Studie über angebliche Akustische Gravitationswellen, laut der das Flugzeug im Norden des Indischen Ozeans und nicht im bisherigen, südlich gelegenen Suchgebiet liegen könnte.

Der Wissenschaftler wertete Daten von Bojen aus, die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) eingesetzt werden, um die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags zu überwachen. Während es dem Forscher gelang, die Daten der Station vor Cape Leeuwin in Westaustralien zu lesen, hatte er bei der Station vor dem US-Luftwaffenstützpunkt Diego Garcia weniger Glück.

Sie sei, schreibt Kadri im Wissenschaftsreport des Magazins „Nature“ zum Zeitpunkt des vermutlichen Absturzes abgeschaltet gewesen. „Vermutlich gab es militärische Aktivitäten“, spekuliert Kadri. Der Mathematiker ist bekannt für ausgefallene Ideen, Er schlug vor einigen Jahren vor, Tsunamis und Erdbeben mithilfe der Akustischen Gravitationswellen zu stoppen.

Die Angehörigen können ihre Trauer nicht abschließen

Sicher ist fünf Jahre nach dem Verschwinden von MH370 nur, dass 30 Trümmerteile an verschiedenen Küsten Ostafrikas auftauchten. Bei lediglich drei steht fest, dass sie von der verschwundenen Boeing stammen. Ein 4,27 Meter langes Stück Tragfläche, das Monate nach dem mysteriösen Verschwinden in Tansania angeschwemmt wurde, wird gegenwärtig mit einem weiteren Überbleibsel in Malaysia ausgestellt.

„Für uns gibt es keinen Abschluss, bis wir genau Bescheid wissen, was passiert ist“, sagt Jacquita Gonzalez, Ehefrau des Besatzungsmitglieds Patrick Gomez. Doch diese abschließende Klärung dürfte nur möglich sein, wenn die Trümmer gefunden werden und genauestens untersucht werden können – ein Unterfangen, das mit jedem Jahr unwahrscheinlicher wird.