Fluggeräte vom Ikarus aus dem Lautertal Nürtingen präsentiert Kunst von Außenseitern

Die Galerie der Freien Kunstakademie Nürtingen zeigt Flugfahrräder von Mesmer. Foto: Ines Rudel

Das Nürtinger Festival für Outsider Art Coming in! zeigt berührende Arbeiten von Gustav Mesmer, zu denen auch seine Flugfahrräder gehören. Sechs weitere Schauen laden zum Entdecken unbekannter Kunstschaffender ein.

Region: Corinna Meinke (com)

Lausanne, Paris, New York – die Liste der Ausstellungen wird immer länger. Überall dort wurden die Werke von Gustav Mesmer bereits an namhaften Orten gezeigt. Und während vor allem im französischsprachigen Raum der dort geprägte Begriff der Art brut längst Eingang in Museen und Sammlungen gefunden hat, kämpfen die Akteure der Kirchentellinsfurter Gustav Mesmer Stiftung in der Heimat des als Ikarus vom Lautertal bekannten Mesmer bis heute um die künstlerische Anerkennung eines der profiliertesten Vertreter. Das Nürtinger Festival „Coming in!“ – Das Fest für Outsider Art bietet dazu nun erneut Gelegenheit und zeigt in weiteren sechs Schauen in der Stadt noch mehr unbekannte Kunst.

 

Der Traum vom fliegen hat den „Ikarus vom Lautertal nie losgelassen

Meterlange Flügel und ein zeppelinförmiger Dachaufbau zeichnen eines der Flugfahrräder von Gustav Mesmer aus, die in der Freien Kunstakademie Nürtingen (FKN) mit weiteren faszinierenden Objekten wie Schwingenfluggeräten zu sehen sind. Oft hat der 1903 nahe Ravensburg geborene Künstler, der jahrzehntelang in der Psychiatrie lebte, lediglich Holzlatten, Draht und Folie verarbeitet. Nebenan geht es in der Galerie der Villa Melchior im Forum Türk weiter mit Mesmers Musikinstrumenten, Sprechmaschinen und Sprungschuhen. Zusammen mit Bauanleitungen, mannigfachen Texten und kolorierten Zeichnungen belegt die Schau die beharrliche Arbeit des Erfinders, Tüftlers und Künstlers Gustav Mesmer, den der Traum vom Fliegen zeitlebens nicht losließ. Interessant lesen sich die Zitate aus der Krankenakte, die die Mesmerstiftung veröffentlicht hat und da wird deutlich, dass Mesmers „Erfinderwahn“ seinerzeit belächelt und verspottet wurde. Erst im Alter fand er eine späte Reputation in Buttenhausen im Lautertal, wo ihm seine sonntäglichen Flugversuche mit einem umgebauten Damenfahrrad den Namenszusatz „Ikarus vom Lautertal“ einbrachten.

Freunde von Mesmer begannen in den 1980er Jahren, seine Werke einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Und diese Ausstellungen in Wien, Mannheim, Lausanne und Ulm wurden nach Einschätzung der 1996 gegründeten Gustav Mesmer Stiftung, zwei Jahre nach dem Tod ihres Namensgebers, überall zwar begeistert aufgenommen. Eines der Flugfahrräder wurde sogar 1992 auf der Weltausstellung in Sevilla im Deutschen Pavillon unter dem Motto: „Der Traum vom Fliegen“ gezeigt. Allerdings würden diese Arbeiten nach Worten von Stiftungsvorstand Stefan Hartmaier, der die Nürtinger Schau mitkuratiert hat, bis heute in Deutschland nicht als ernst zu nehmende künstlerische Beiträge gelten. Er warte noch immer auf Einladungen renommierter Ausstellungsflächen.

Studierende zeigen ihre Abschlussarbeiten

Die Ausstellung „Gustav Mesmer – Ikarus vom Lautertal“ ist bis 21. Juli in Nürtingen in der Freien Kunstakademie (FKN) zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags 17 bis 20 Uhr, freitags 16 bis 19 Uhr sowie an den Wochenenden 14 bis 18 Uhr. Öffentliche Kuratorenführungen finden statt am Freitag, 21. Juni, und am 6. Juli jeweils von 17 bis 18 Uhr. FKN-Studierende zeigen während des jährlichen Semesterabschluss-Rundgangs vom 19. bis 21. Juli ihre Arbeiten zu Mesmer und seinem Werk im Zusammenhang mit einem künstlerischen Food-Design Workshop. Weitere Schauen in der Kreuzkirche, der Ruoff Stiftung und im Kunstverein.

Infos im Netz: https://www.coming-in-kunst.de/.

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