Flughafen Stuttgart Alltag der Zollbeamten – „Viele wissen nicht, dass sie etwas Verbotenes tun“

Die Zollbeamten David Bofinger (links) und Thomas Seemann bei der Gepäckkontrolle am Flughafen Stuttgart. Foto: Markus Brändli

Schmuggel gehört für die Zollbeamten des Stuttgarter Flughafens zum Alltag. Wie ein Neueinsteiger, der seine erste Feriensaison erlebt, und ein erfahrener Beamter ihre Arbeit erleben.

Goldschmuck im Wert von 500 000 Euro haben die Zollbeamten am Flughafen Stuttgart allein in den Sommermonaten Juli und August im Gepäck von Reisenden gefunden. Nicht angemeldeten, obwohl die Freigrenze überschritten war. Auch Zigarettenschmuggel ist ein Thema.

 

Dass Zollkontrollen „eine sehr emotionale Sache sind“, das hat David Bofinger gelernt. Nach seiner ersten Feriensaison am Flughafen zieht der 19-jährige Zollbeamte eine positive Bilanz. Man müsse einen kühlen Kopf bewahren und „mit den Leuten reden“. Mit seiner besonnenen, aber doch bestimmten Art tut sich der junge Zollbeamte bei den Kontrollen leicht. „Es ist wichtig, dass wir die Reisenden möglichst gut aufklären.“ Denn viele, die illegal Waren einführen, „wissen nicht, dass sie etwas Verbotenes tun“.

Angriff auf Zollbeamte des Stuttgarter Flughafens

Oft gelingt es dem jungen Mann und seinen Kollegen, die Situation zu deeskalieren. Aber nicht immer: Am 10. August hatte ein Mann mehrere Zollbeamte mit einem Messer verletzt, als seine Frau kontrolliert wurde. „Das hat uns schockiert“, sagt Bofinger. Meist könne man die Situation aber entschärfen. Wie das geht, hat der junge Mann in seiner Ausbildung beim Zoll gelernt. Auf die Eigensicherung werden Beamte ebenso vorbereitet wie auf den Umgang mit Reisenden. Im Dienst tragen Bofinger und seine Kollegen Waffen und kugelsichere Westen. „Das sieht martialisch aus, aber wir müssen uns schützen“, sagt Zollrat Thomas Seemann, der beim Hauptzollamt Stuttgart für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Allerdings kämen Übergriffe bei Kontrollen selten vor, sagt der erfahrene Beamte.

Wer seinen Koffer öffnen muss, ist nach Seemanns Worten oft angespannt. Wenn Zollbeamte dann das Gepäck mit gebrauchter Unterwäsche durchsuchen müssten, sei das vielen unangenehm. Da sind für den erfahrenen Beamten gute Kommunikation und Verständnis das A und O. Information über zulässige Einfuhrmengen ist wichtig. Das beginnt für David Bofinger schon vor der Reise. „Es ist wichtig, sich zu informieren, was mitgebracht werden darf.“ Immer wieder hätten ihm Reisende berichtet, dass in manchen Geschäften falsche Einfuhrmengen genannt werden. „Den Händlern im Ausland ist es egal, wenn die Leute dann Steuern nachzahlen müssen.“ Auf der Homepage der deutschen Zollverwaltung sind alle Informationen zu finden.

Flughafen Stuttgart: Die grüne oder die rote Tür bei der Zollkontrolle?

Für Reisende aus Ländern außerhalb der EU gilt bei der Einfuhr von Waren pauschal eine Grenze von 430 Euro. Bei Goldschmuck etwa ist dieser Betrag schnell erreicht. Für Beträge über dieser Freigrenze fallen Steuern an. Wer die Waren nicht deklariert, hinterzieht Steuern. An der Gepäckausgabe des Flughafens auf der Ankunftsebene gibt es eine grüne und eine rote Tür. „Wir schauen auf die Gepäcklabel, ob die Reisenden aus der EU kommen oder nicht“, sagt Bofinger. Zwar können die Beamten die Koffer und Rucksäcke der Fluggäste nur stichprobenartig kontrollieren. „Doch mit der Zeit entwickelt man einen Blick dafür, wer sich unsicher verhält und wer möglicherweise etwas zu verbergen hat.“ Da schauen Zollbeamte ganz genau hin.

Wer durch die grüne Tür geht, hat nichts zu verzollen. Foto: Markus Brändli

Bei der Einfuhr von Zigaretten gibt es nach Seemanns Worten immer wieder Verstöße. Aus Nicht-EU-Ländern dürfen Reisende, die mindestens 17 Jahre alt sind, 200 Zigaretten für den persönlichen Gebrauch einführen. Aus der EU dürfen 800 Zigaretten mitgebracht werden. Für größere Mengen fallen Steuern an, die bei der Ausfuhr an den Zoll zu entrichten sind. „Zigarettenschmuggel ist strafbar“, sagt Seemann. Wer weniger als 250 Euro Steuern hinterzieht, kommt in Stuttgart mit einer vergleichsweise geringen Geldbuße davon. Bei größeren Beträgen wird ein Steuerstrafverfahren eingeleitet.

Ein großes Thema ist auch die Einfuhr von Lebensmitteln. Wegen des Tierseuchengesetzes sind Lebensmittel wie frisches Fleisch, Käse oder Milchprodukte tabu. Das sei besonders für Reisende aus der Türkei, die sich ein Souvenir aus der Heimat mitbringen wollen, sehr frustrierend, sagt Bofinger. Auch bei Pflanzen gelten inzwischen strenge Regeln. Diese den Reisenden sensibel zu vermitteln, findet der junge Zollbeamte eine spannende Aufgabe.

Zigarettenschmuggel ist am Flughafen Stuttgart ein großes Thema. Foto: Markus Brändli

Durch einen Informationstag zum Zollbeamten am Stuttgarter Flughafen

Bei seinen Einsätzen in den Sommerferien hat David Bofinger beobachtet, „dass viele Reisende sehr verständnisvoll sind.“ Wie kam der junge Mann zum Zoll? „Bei einem Informationstag habe ich gesehen, wie vielseitig die Aufgaben sind“, erinnert sich der ehemalige Realschüler. Er hat die Ausbildung beim Zoll „als sehr interessant und umfassend“ erlebt. Dass er seine Karriere „im netten Team des Stuttgarter Flughafens beginnen darf“, findet er wunderbar.

Informationstag beim Zoll am Stuttgarter Flughafen

Sprungbrett
Das Hauptzollamt Stuttgart lädt am Sonntag, 21. September, zum Zoll-Info-Tag für Interessierte ab 14 Jahren ein. Dabei lernen sie die Ausbildung und Karriere bei der Zollverwaltung kennen. Die Anmeldung ist per E-Mail an: karriere.hza-stuttgart@zoll.bund.de möglich. Name und Wohnort sind anzugeben, da die Teilnahme nur mit Einladung möglich ist.

Reiseinformationen
Wer eine Reise antritt, sollte sich auf den Seiten der Bundeszollverwaltung unter: www.zoll.de über die Einfuhrbestimmungen informieren. Unter dem Menüpunkt „Reisefreimengen“ sind die genauen Zahlen zu finden. Wer wertvolle Gegenstände wie Goldschmuck, Taucherausrüstungen oder Fahrräder mitnimmt, darf sich vor der Ausreise beim Zoll eine Rückwaren-Bescheinigung ausstellen lassen, damit es bei der Rückkehr keine Probleme gibt. Das ist auf dem Flughafen beim Zollschalter im Terminal 1 möglich.

Weitere Themen