Flughafen Stuttgart Grauer Schutz schlägt Regen und Sonne

Von Michael Werner 

Der Fernbus-Bahnhof am Stuttgarter Flughafen ist vom ADAC zum besten Busterminal Deutschlands gekürt worden. Besonders viele Pluspunkte haben die Tester für Ausstattung und Sicherheit verteilt. Ein Manko allerdings bleibt.

Ausgezeichnet obwohl weit außerhalb: aus dem Bauch des Flughafen-Parkhauses hinaus in die Welt Foto:  
Ausgezeichnet obwohl weit außerhalb: aus dem Bauch des Flughafen-Parkhauses hinaus in die Welt Foto:  

Leinfelden-Echterdingen - Eine forsche Kombination aus Absperrbändern und Aufklebern visualisiert derzeit im Warteraum des Fernbus-Bahnhofs am Stuttgarter Flughafen die coronabedingten Hygieneregeln. Wobei das grelle Abstandhalten-Ensemble aus Rot, Weiß und Grün an diesem Nachmittag womöglich gar nicht nötig wäre: Im Warteraum sitzt nur ein einziger Mann. Er sortiert Münzen. Ob er auf einen Bus wartet oder auf ein besseres Leben, wird nicht ganz klar. Gesellschaft leistet ihm ein Bildschirm, auf dem steht, dass die nächsten Fernbusse nach Skopje, Banja Luka und Sarajewo fahren. „Im Warteraum zeigt ein Infosystem die aktuellen Abfahrten“, jubelt der ADAC auf seiner Website in der Begründung, warum er den Stuttgart Airport Busterminals (SAB) als Deutschlands besten Fernbusbahnhof ausgezeichnet hat.

Die Bildschirmliste der Abfahrtszeiten ist für versierte Busreisende offenbar keine Selbstverständlichkeit. „Früher am Busbahnhof in Untertürkheim musste man die Fahrer fragen, welcher Bus wann von wo abfährt“, berichtet die Frau mit Rollkoffer, die an der Plattform 10 auf den Bus nach Sarajewo wartet. Ihr gefällt der im Jahr 2016 eröffnete und einst umstrittene Busbahnhof am Flughafen: „Man ist geschützt vor Regen und vor Sonne“, sagt sie, „früher in Untertürkheim gab es nur einen offenen Platz“.

Dieselwolke und Baustellensound

Zwischen den überdachten (dafür gab es Pluspunkte) Bussteigen unter dem Flughafen-Parkhaus 14 wabert derweil eine Dieselwolke durch die Luft, die man – entsprechend gestimmt – wohl mit Fernweh assoziieren könnte. Von jenseits der Straße dringt Baustellensound an die Wartebuchten. Zwei Männer unterhalten sich in einer slawischen Sprache über Corona.

Wer vor der Pandemie von diesem Terminal aus nächtens in ein südosteuropäisches Wochenende fuhr, teilte den Bus mitunter mit Leuten, deren wöchentlicher Daseins-Deal aus fünf Tagen Schuften, einem Tag Busfahren und einem weiteren Tag Leben mit der Familie zum Beispiel in Serbien bestand. Auf der Hinfahrt feierten Arbeiter ihre kleine Freiheit robust mit Hochprozentigem; auf der Rückfahrt in der Nacht zum Montag war es totenstill.

Helle Wände in Grau

Begonnen haben diese Reisen am Stuttgart Airport Busterminal, von dem der ADAC in „Schöner-Wohnen“-Manier schwärmt: „Hell präsentieren sich Beläge, Fahrbahnen, Wände und Decken.“ Wenn man sich zwischen den Plattformen 3 (als nächstes nach Obertürkheim über Plieningen) und 10 (in Bälde nach Sarajewo) aufhält, könnte man meinen, dass branchentypisches Grau die vorherrschende Farbe im SAB sei, aber der ADAC hat eine Bewertungstabelle mit vielerlei Kriterien für seinen Test erstellt. Der deutschlandweite Spitzenreiter Stuttgart Airport Busterminal erhält darin besonders viele Plus-Zeichen für die Kategorien „Ausstattung“ und „Sicherheit“, schlägt sich wacker in den Testfeldern „Zugänglichkeit“, „Information“ und „Komfort“ und erhält vom ADAC als einziges der elf getesteten Terminals die Gesamtnote „sehr gut“.

„Einziger Wermutstropfen bleibt die Lage außerhalb der Stadt am Flughafen, trotz guter Erreichbarkeit mit dem ÖPNV“, schreibt der ADAC, aber dennoch gelang es dem SAB im Test, die Fernbus-Bahnhöfe in Hannover und Hamburg auf die Plätze zwei und drei zu verweisen. Und Schlusslicht Nürnberg muss sich mit der Gesamtnote „mangelhaft“ begnügen. Am Flughafen Stuttgart indes verweist man stolz auf den erneuten Testsieg des SAB, das bereits 2017 die ADAC-Rangliste anführte: „Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH, freute sich über die Auszeichnung“, verkündet der Stuttgart Airport per Pressemitteilung.




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