Flughafen Stuttgart Landebahn braucht eine Verjüngungskur

Starts und Landungen haben Spuren auf Teilen der Landebahn in Echterdingen hinterlassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Starts und Landungen haben Spuren auf Teilen der Landebahn in Echterdingen hinterlassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am Flughafen müssen sich Passagiere im Jahr 2020 auf Einschränkungen gefasst machen. Während knapp 60 Tagen steht die Start- und Landebahn nur eingeschränkt zur Verfügung.

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)
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Stuttgart - Passagiere und Fluggesellschaften, die den Stuttgarter Flughafen frequentieren, müssen sich im Jahr 2020 auf Einschränkungen einstellen. Der östliche Teil der Start-und-Lande-Bahn sowie ein Teil der dort hinführenden Rollwege müssen saniert werden. Die Infrastruktur ist während der Bauzeit, die aktuell auf 56 Tage ausgelegt ist, nur eingeschränkt nutzbar. Das hat Folgen für die Passagiere.

Was wird gemacht?

Am östlichen Ende muss die Oberfläche der insgesamt 3345 Meter langen und 45 Meter breiten Start-und-Lande-Bahn saniert werden. Die Bahn besteht aus Betonquadraten mit siebeneinhalb Meter Seitenlänge und einer Dicke von 40 Zentimetern. Von diesen Platten sind im gesamten Flughafenbereich rund 22 000 Stück verbaut, die regelmäßig kontrolliert werden. Bis zu sechsmal am Tag macht sich der Air Duty Manager vor Ort ein Bild vom Zustand der Bahn – und kann kleinere Reparaturen veranlassen. Nun aber ergebe sich „steigender Instandhaltungsaufwand“, wie es in einer Präsentation der Flughafengesellschaft heißt. Vor allem Witterungseinflüsse hätten der „Hauptaufsetzzone“ zugesetzt, also jenem Bereich, in denen die von Osten her kommenden Maschinen landen.

Wir laufen die Arbeiten ab?

Vorgesehen ist, dass die Arbeiten zwischen dem 23. April und dem 17. Juni 2020 erledigt werden. Damit sich schweres Baustellengerät und die Flugzeuge nicht in die Quere kommen, wird die Landebahn verkürzt. Im ersten Zeitfenster, das bis 20. Mai dauert, stehen noch maximal 1965 Meter Landebahn zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Flugzeuge beim Abheben leichter sein müssen als bei ganzer Bahnlänge. Es können in dieser Zeit nur noch Ziele mit einer maximalen Entfernung von 1400 Kilometern erreicht werden. Alle innerdeutschen Strecken sowie die Verbindung zu den großen Umsteige-Airports in Paris, London, Amsterdam, Zürich und Wien werden aber bedient. Urlaubsziele in der Türkei sind hingegen in diesem Zeitraum nicht zu erreichen. „Während der Bauzeit ist die Anbindung an die wichtigsten Drehkreuze durchgehend gesichert“, sagt Walter Schoefer, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft. In der zweiten Sanierungsphase vom 21. Mai bis 17. Juni sind knapp 2,5 Kilometer Startbahn wieder nutzbar. Maschinen können Ziele bis in einer Entfernung von 2800 Kilometern ansteuern – damit ist ganz Europa und auch Nordafrika wieder erreichbar.

Welche Flüge sind konkret betroffen?

Das lässt sich Stand jetzt noch nicht sagen. Die Einschränkungen treffen den Sommerflugplan 2020. Die Airlines werden erst im Lauf des diesjährigen Sommers ihre Planungen für Flüge ab und nach Stuttgart ausarbeiten. Klar ist aber, dass die Pfingstferien, die eine Hauptreisezeit am Flughafen darstellt und im Jahr 2020 vom 2. bis 13. Juni gehen, in die zweite Phase des Umbaus fallen. Die Osterferien hingegen enden fünf Tage bevor die ersten Einschränkungen der Landebahn auftreten.

Hätte es Alternativen gegeben?

„Eine Erneuerung der gesamten Bahnlänge oder einzelner Abschnitte mit Asphalt wurde aus mehreren technischen Gründen verworfen“, sagt Walter Schoefer. Zwar sei die nun gewählte Methode „erst einmal teurer und schwieriger zu verbauen, dafür hält es deutlich länger und hat auch im Betrieb viele Vorteile“. Immerhin müssen sich Flughafennutzer nicht darauf einstellen, dass weitere Sanierungsarbeiten ins Haus stehen. „Ein Bedarf für die Erneuerung anderer Teile der Bahn ist derzeit nicht absehbar.“

Was kommt auf die Flughafennachbarn zu?

Ob Tag und Nacht an der Landebahn gearbeitet wird, steht noch nicht fest. Im Lauf des Jahres 2019 soll die sogenannte Ausführungsplanung erarbeitet werden, in der auch die konkreten Arbeitsschritte festgelegt werden. Der Baustellenverkehr soll zudem nicht durch die Nachbargemeinden fahren. Stattdessen bemüht sich die Flughafengeselleschaft darum, während der Bauzeit eine separate Ein- und Ausfahrt zur Autobahn 8 zu bekommen. Genehmigt werden müsste diese vom Regierungspräsidium. Während der Bauphase wird die sogenannte Land-Luft-Grenze verschoben. Wer diese passiert, muss sich Sicherheitskontrollen unterziehen. Damit das nicht bei jedem Baustellenlastwagen fällig wird, befinden sich die Baustellenflächen – wiewohl auf dem Flughafenareal – außerhalb des zu kontrollierenden Bereiches. Bis Mai soll feststehen, wer den Auftrag für die ausgeschriebenen Arbeiten bekommt. So lange hält man sich beim Flughafen mit der Kostenangabe zurück. Es werde aber wohl ein zweistelliger Millionenbetrag werden.




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