Der Flughafen Stuttgart könnte etwas Aufwind gebrauchen. Jüngst hat Flughafen-Chef Ulrich Heppe im Interview mit unserer Redaktion gesagt, dass er für das Jahr 2026 mit einem Rückgang der Passagierzahlen rechnet. Auch die Abgänge namhafter Fluggesellschaften in den zurückliegenden anderthalb Jahren, als Delta Airlines, British Airways und Air France ankündigten, ihre Verbindungen von Stuttgart nach Atlanta, London und Paris einzustellen, haben nicht zu einer Verbesserung der Stimmung am Flughafen auf den Fildern beigetragen.
Nicht erst seit der Coronakrise, aus der sich der Flughafen Stuttgart mühsam herausarbeitet, steht ganz oben auf der Wunschliste der Airportmanager eine bessere Verbindung zu den Drehkreuzen am Persischen Golf. Einer der führenden Anbieter dafür, die Fluggesellschaft Emirates, verfügt allerdings nur über eingeschränkte Verkehrsrechte in Deutschland. Sprich: Die Maschinen des Anbieters aus Dubai können nur eine bestimmte Anzahl von Flughäfen in der Republik ansteuern.
Stuttgart gehört nicht dazu, ist aber im Fokus von Emirates. „Seit einer Reihe von Jahren hat Emirates immer wieder öffentlich sein Interesse bekundet, neben den vier bereits bedienten Destinationen auch Berlin und Stuttgart anfliegen zu können“, schreibt die Airline auf ihrer Webseite. Das Unternehmen verweist auf eine schon ältere Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wonach „tägliche Flüge nach Berlin und Stuttgart 1000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würden“.
Über die Verkehrsrechte wacht das Bundesverkehrsministerium. Dort soll es nun Bewegung in der Frage geben, hat der Reutlinger Bundestagsabgeordnete Michael Donth gehört. Doch der Verkehrsexperte der CDU ist alles andere als angetan von dem, was er da aus dem Ministerium seines Parteifreundes Patrick Schnieder vernimmt. In einem Brief an Schnieder thematisiert Donth „die Vergabe von Verkehrsrechten an die Airline Emirates für den Flughafen Stuttgart“.
Verkehrspolitiker erinnert an ältere Versprechen
Donth schreibt, es sei ihm berichtet worden, dass das Ministerium „plane, der Airline Landerechte für Deutschland – insbesondere für Berlin – zu gewähren. Von einer Vergabe von Landerechten an Emirates in Stuttgart wolle man jedoch derzeit absehen“. Der Christdemokrat erinnert daran, dass dem Flughafen Stuttgart noch in der vergangenen Legislaturperiode zugesichert worden sei, „dass er allein aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung vor Berlin berücksichtigt werde“. Nun scheine sich aber „diese Priorität geändert zu haben“, stellt Donth fest.
Bei der Flughafengesellschaft Stuttgart (FSG) beobachtet man die Entwicklung. Eine Unternehmenssprecherin unterstreicht die Bedeutung, die eine Ausweitung des Streckennetzes von Stuttgart in Richtung Golf haben würde. „Verbindungen in die Golfregion mit ihren hervorragenden Umsteigemöglichkeiten vor allem in Richtung Asien sind nach Erhebungen der IHK Region Stuttgart seit Jahren ein dringender Wunsch der Unternehmen im Land“. Eine Anbindung des Stuttgarter Flughafens „an das weltweite Emirates-Streckennetz würde das Angebot für Unternehmen und Menschen enorm verbessern. Passagiere hätten zahlreiche Umsteigeverbindungen zur Verfügung“.
Die Flughafensprecherin bringt die Wirtschaftskraft des Südwesten ins Spiel. „Mit Blick auf die wirtschaftliche Realität sind Landerechte für Emirates in Stuttgart deshalb der nächste logische Schritt“. Auch Michael Donth erinnert Minister Patrick Schnieder daran. „Sollte der Flughafen Stuttgart keine Landerechte für Emirates erhalten, sehe ich einen Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Stuttgart“.